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Exportgeschäft kompensiert Flaute im eigenen Land
Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise der letzten Jahre in
Spanien, die zu einem starken Rückgang bei den Infrastruktur-
investitionen im eigenen Land führte, spielt der Export für die
spanische Bahnindustrie eine zentrale Rolle. Für das Jahr 2014
beziffert MAFEX die Exporte der Mitgliedsunternehmen auf
2,8 Milliarden Euro. Dabei haben mehr als die Hälfte der Ex-
porte der spanischen KMUs des Sektors die europäische Uni-
on und speziell Deutschland als Ziel. Diese Märkte gelten als
die anspruchsvollsten der Welt.
Aber auch außerhalb Europas ist die spanische Bahnindustrie
präsent. Als prestigeträchtigstes Projekt mit einer ursprüngli-
chen Vertragssumme von 6,7 Milliarden Euro gilt hierbei der Bau
der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Mekka und
Medina unter Federführung von RENFE, welche über die Be-
triebskonzession dieser Strecke für die nächsten zwölf Jahre ver-
fügt und ab 2017 mit T350-Zügen von Talgo täglich 160.000 Fahr-
gäste (50 Millionen im Jahr) befördern wird. Des Weiteren ist die
spanische Bahnindustrie an 35 Prozent aller U-Bahn-Projekte in
Lateinamerika beteiligt und ist auch bei der Etablierung der neu-
en öffentlichen Verkehrssysteme im Mittleren Osten (Abu Dhabi,
Doha, Riad) als wichtiger Akteur vertreten.
Beispiel Exportoffensive Saudi-Arabien
Das beste Beispiel für die Präsenz der spanischen Bahnindus-
trie im Ausland ist und bleibt Saudi-Arabien, welches in den
letzten Jahren begonnen hat, stark in den Ausbau des öffentli-
chen Nahverkehrsnetzes zu investieren. Neben Mekka und
Jedda ist es vor allem das U-Bahnnetz von Riad mit seinen
neuen sechs Linien, welches voraussichtlich 2018 fertigge-
stellt wird und an dessen Bau spanische Firmen wie FCC oder
IDOM maßgeblich beteiligt sind. Daneben lieferte CAF für den
saudi-arabischen Regionalverkehr Schienenfahrzeuge und
Alstom Spanien entwickelt das Sicherheits- und Informations-
system für drei der sechs U-Bahnlinien in Riad. Ebenfalls be-
teiligt an diesen Projekten sind die spanischen Unternehmen
SENER und TYPSA aus dem Bereich Ingenieurwesen.
Bahnausbau wieder prioritär im Staatsbudget 2016
Neben der erfreulichen Nachricht über den bevorstehenden
Großauftrag für Hochgeschwindigkeitszüge von RENFE, der
klar den Fokus auf den nationalen Anteil bei der Wertschöp-
fung legt, ist es auch der Staatshaushalt der Zentralregierung
für 2016, welcher die positive Stimmung in der Bahnindustrie
zum Jahresende verstärkt. Auch 2016 wird der Bahnsektor
prioritär für die spanische Regierung bleiben. Mit 5,4 Milliar-
den Euro fließen 54 Prozent der Staatsinvestitionen im Be-
reich Infrastruktur in den Bahnsektor. Dies ist ein Zuwachs von
insgesamt 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bereich
Hochgeschwindigkeit erhält mit 67 Prozent (3,69 Milliarden
Euro) den größten Teil dieser Investitionen. Für das konventio-
nelle Güterschienennetz, den städtischen Nahverkehr und das
rollende Material sind jeweils 420, 287 und 275 Millionen
Euro vorgesehen. Als wichtigste Projekte gelten hierbei der
Nordwest-Korridor mit 1,1 Milliarden Euro, der Mittelmeer-
Korridor mit 1,32 Milliarden Euro und der Mittelmeer-Kanta-
brien-Korridor mit 1,08 Milliarden Euro Investitionsvolumen.
Auch die Anbindung des Schienennetzes an verschiedene Häfen
wie dem in Barcelona ist mit 27 Millionen Euro veranschlagt.
Zum anderen wurde 2015 der Ausbauplan für den städtischen
Nahverkehr (Plan de Cercanías) präsentiert, der Investitionen
in Höhe von rund 270 Millionen Euro durch die Bahnnetzbe-
treibergesellschaft ADIF und RENFE zur Verbesserung von
Netz, Bahnhöfen, Zugmaterial und Zahlungsmöglichkeiten
vorsieht. Angesichts der Neuwahlen und möglicher neuer Re-
gierungskonstellationen stellt sich die Frage, inwieweit diese
Zahlen von der nächsten Regierung in ihrer Größenordnung
und ihrer Verteilung beibehalten werden. Insgesamt geht der
Verband der spanischen Bahnindustrie von einem durch-
schnittlichen Wachstum von 2,7 Prozent für die nächsten fünf
Jahre und einem globalen Marktvolumen von jährlich 176
Milliarden Euro im Zeitraum 2017-2019 aus.
Titelthema
24
economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 5/2015 – 1/2016
Spaniens Bahnindustrie 2013 und 2014
2013
2014
Umsätze in Mrd. Euro
4,2
4,4
Exporte in Mrd. Euro
2,2
2,8
Zahl der Angestellten
19.000
20.200
Quelle: MAFEX – Verband der spanischen Bahnindustrie
Foto: Knorr-Bremse AG – Herstellung von Klimasystemen bei Merak, Getafe
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