Als Anfang November die spanische Bahngesellschaft RENFE
den Kauf von bis zu 30 Hochgeschwindigkeitszügen ankündig-
te, stieß dies seitens der spanischen Bahnindustrie auf große
Genugtuung. Hatte es doch seit 2008 keinen Auftrag in dieser
Größenordnung mehr für Schienenfahrzeuge in Spanien gege-
ben. Bei der Ausschreibung handelt es sich um die anvisierte
Bestellung von 30 Zügen, die Hälfte davon fix zu liefern bis
2019, die restlichen optional bis 2020. Überdies erhöhen die
dabei inbegriffenen Wartungsverträge mit Laufzeiten von bis
zu 40 Jahren die Attraktivität dieser Ausschreibung. Als maxi-
males Investitionsvolumen nennt das offizielle Amtsblatt der
spanischen Regierung in seiner Ausgabe vom 30. November
eine Gesamtsumme von 2,64 Milliarden Euro.
Bevorzugung der spanischen Bahnindustrie bei Groß-
ausschreibung
Ähnlich wie beim derzeitigen Bau des Bahnkorridors von Lon-
don nach Nordengland, bei dem Milliardeninvestitionen vom
britischen Staat getätigt werden, kommt auch in Spanien un-
ter strikter Einhaltung der europäischen Gesetzeslage – so die
Beteuerung aller Politiker – die Herstellung des Wagenmateri-
als im eigenen Land als Zuschlagskriterium ins Spiel. Dies be-
deutet, dass es vor allem Hersteller wie Talgo, CAF und Alstom
Spanien, die den vollständigen Produktionsprozess von Fabri-
kation bis Montage in Spanien abwickeln, bei dieser Aus-
schreibung im Vorteil sind. Eine gute Ausgangsposition haben
auch Hersteller wie Siemens und Bombardier, die ebenfalls
Teile ihrer Produktion in Spanien erbringen.
Harter Konkurrenzkampf unter Anbietern
Im Gegensatz zu Aufträgen wie für den neuen ICE 4 der Deut-
schen Bahn, der die Anbieter Siemens und Bombardier ver-
traglich aneinander bindet, sieht die spanische Ausschreibung
diese Aufteilung bei Bau oder Wartung nicht vor. Umso grös-
ser ist der Wettbewerb zwischen den Anbietern, verfügen doch
alle über Zugtypen mit eigener Technologie, welche die Min-
destausschreibungsanforderungen erfüllen. Diese waren mit
einer Höchstgeschwindigkeit von 320 Kilometern pro Stunde,
400 Sitzplätzen und einer Gesamtlänge von 200 Metern ange-
geben worden. Während der baskische Anbieter CAF mit sei-
nem Zug Oaris und Talgo mit dem Avril an den Start gehen,
versucht Bombardier den Zefiro zu platzieren. Außerdem wer-
den Alstom mit dem AGV und Siemens mit dem Velaro ins Ren-
nen gehen.
Der Aufstieg der spanischen Bahnindustrie
Dass Spaniens Bahnindustrie bei dieser Ausschreibung gute
Chancen hat, geht auf die massiven Investitionen in das Hoch-
geschwindigkeitsbahnnetz zurück, welche der spanische Staat
seit der Eröffnung der ersten Strecke 1992 zwischen Madrid
und Sevilla getätigt hat. Mittlerweile verfügt Spanien mit sei-
nen mehr als 3.100 Hochgeschwindigkeitskilometern weltweit
nach China über das zweitgrößte Netz dieser Art. Die beim
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economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 5/2015 – 1/2016
Foto: CAF – Zugmodell Oaris