CCA_3_2014 media - page 72

Nach
drei schweren Rezessionsjahren in Folge beginnt für
die portugiesische Volkswirtschaft ein neues Kapitel. Ab 2014
soll es, wenn auch moderat, wieder aufwärts gehen. Regierung,
Portugiesische Zentralbank, IWF und EU-Kommission sagen für
das Gesamtjahr ein reales Wachstum von 1,2 Prozent vorher, für
2015 liegen die Prognosen bei 1,4 bis 1,5 Prozent. In beiden Jah-
ren wird mit einem ausgewogenen Wachstum gerechnet, das
sich neben den Nettoexporten auch wieder auf die Binnennach-
frage stützen kann.
Bruttoanlageinvesitionen entwickeln sich positiv
Geht es nach der Frühjahrsprognose der EU-Kommission,
dürften die portugiesischen Bruttoanlageinvestitionen 2014
um 3,3 Prozent zunehmen, darunter die Ausrüstungsinvesti-
tionen um 9,0 Prozent (2015: +7,0 Prozent). Positiv entwickeln
soll sich neben den Bruttoanlageinvestitionen der private
Verbrauch. 2014 soll der Privatverbrauch um 1,3 Prozent zu-
nehmen. Im ersten Quartal 2014 lag die Arbeitslosenrate bei
15,1 Prozent und wird in den kommenden Jahren in kleinen
Schritten sinken. Der vier Jahre währende Abbau von Be-
schäftigung soll 2014 enden. Die Zukunftsaussichten sind für
viele Familien dennoch ungewiss. Eurostat-Angaben zufolge
sind 2,7 Millionen Menschen in Portugal von Armut oder so-
zialer Ausgrenzung betroffen, das entspricht einem Viertel
der Bevölkerung.
Exporte machen 41 Prozent des BIP aus
Die Forcierung der Exporte bei gedrosselter Importnachfrage
und die gute Entwicklung des Tourismus haben 2013 zum
ersten Mal seit 1997 zu einem positiven Abschluss der Leis-
tungsbilanz geführt. Lag der Anteil der Ausfuhren von Waren
und Dienstleistungen am BIP 2009 bei 28 Prozent, waren es
2013 gut 41 Prozent. Geht es nach den Plänen der Regierung,
soll die Ausfuhrquote 2020 bei 52 Prozent des BIP liegen.
Der Druck der externen Finanzierung ist damit gewichen. Da
die Ausfuhren ein elementarer Wirtschaftsfaktor sind, bleibt
Portugal höchst abhängig vom äußeren Umfeld, besonders
der Entwicklung in der EU, dem - trotz rückläufiger Quote -
nach wie vor wichtigsten Absatzmarkt (2013: 70 Prozent). Mit
Warenlieferungen im Wert von 18,3 Milliarden Euro war Spa-
nien das mit Abstand wichtigste Bezugsland für Portugal, vor
Deutschland (+ 0,8 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro), Frank-
reich (3,8 Milliarden Euro), Italien (2,9 Milliarden Euro) und
den Niederlanden (2,8 Milliarden Euro). Außerhalb der EU
lag an sechster Stelle Angola (2,6 Milliarden Euro).
Nicht weniger groß ist die Abhängigkeit vom Vertrauen aus-
ländischer Anleger. Nach drei Jahren hat Portugal am 17. Mai
2014 den Schutz des Euro-Rettungsschirms verlassen - ohne
sich für den Notfall ein Sicherheitsnetz in Form eines Kredit-
rahmens spannen zu lassen. Nach Spanien und Irland ist es
das dritte Krisenland der Eurozone, welches sich nach harten
Spar- und Anpassungsmaßnahmen wieder dank des eigenen
Standings
an den Kapitalmärkten finanziert.
Sanierung der Staatsfinanzen
EU-Kommission und IWF haben Fortschritte bei der Sanie-
rung der Staatsfinanzen registriert. So konnte das Haus-
haltsdefizit 2013 auf 4,9 Prozent des BIP gedrückt werden,
was gegenüber 2010 einer Halbierung gleichkam. Die He-
rausforderung besteht darin, die Haushaltslücke bis 2015
weiter auf 2,5 Prozent des BIP zu reduzieren. Zugleich trägt
72
economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 3/2014
Wirtschaftstrends
in Portugal zur
Jahresmitte 2014
Portugal geht aus der Rezession und dem
harten Reformprogramm mit verbesserter
Wettbewerbsfähigkeit und stabileren Finanzen
hervor. Langsam erholt sich die Wirtschaft und
wird ab 2014 wieder wachsen. Im Mai konnte
das Land den EU-Rettungsschirm verlassen
und finanziert sich nun allein. Doch die
Herausforderungen bleiben enorm: Eine
Staatsverschuldung von 129 Prozent des
BIP und eine Arbeitslosenrate, die mit über
15 Prozent der Erwerbsfähigen zu viele,
vor allem junge Menschen lähmt.
1...,62,63,64,65,66,67,68,69,70,71 73,74,75,76,77,78,79,80,81,82,...100
Powered by FlippingBook