Informe anual 2015 - page 38

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Informe
Jahrbuch
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Die Folgen der Rezession
wirken in langen Schatten nach. Gerade viele junge Menschen haben sie als tiefen Einschnitt erlebt, der ihre
Berufs- und Aufstiegschancen über den Haufen geworfen hat. Jeder fünfte spanische Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren war Anfang
2015 ohne Arbeit. Es ist eine Erfahrung, die Jugendliche künftig aber auch zwingen könnte, mehr auf ihre berufliche Ausbildung zu achten
und an ihrer Qualifikation zu arbeiten. Trotz sinkender Werte hält Spanien in Europa immer noch den Negativrekord bei den frühzeitigen
Schul- und Ausbildungsabgängern (2014: 22 Prozent). Auf der anderen Seite braucht es aber auch eine neue Unternehmensmentalität,
die die Bildung nicht dem Staat überlässt, sondern die neuen rechtlichen Chancen nutzt, Ausbildungsverantwortung übernimmt und
Finanzierungsanteile. Wenn 2014 und 2015 rund eine Million Arbeitsplätze geschaffen werden, ist das ein riesiger Schritt nach vorn, der
bis vor kurzem noch kaum erreichbar schien. Dennoch wäre es erst weniger als ein Drittel der in der Rezession zerstörten Arbeitsplätze,
und es stellt sich die Frage nach ihrer Qualität. Die EU-Kommission hält die Jugend- und die Langzeitarbeitslosigkeit für die dringlichsten
Herausforderungen, da eine strukturelle Verfestigung drohe, die zu beruflicher und sozialer Ausgrenzung führen könne.
Als weiterer langer Schatten
liegt die hohe private und öffentliche Verschuldung auf dem Wirtschaftsgeschehen. Positiv ist, dass die privaten
Haushalte und die Nichtfinanzunternehmen dieses Erbe aus den Partyzeiten des Wirtschaftsbooms stetig abbauen. Zugleich aber hat sich die
Staatsschuldenquote imZuge von sinkenden Einnahmen und exponentiell wachsenden Ausgabenverpflichtungen von komfortablen 36 Prozent vor
der Rezession auf aktuell 98 Prozent des BIP mehr als verdoppelt. Geht es nach der Regierung, soll die psychologische Grenze von 100 Prozent nicht
erreicht werden, was die EU-Kommission und Wirtschaftsinstitute bezweifeln. Generell bleiben hier die Ergebnisse der spanischen Parlamentswahl
im November 2015 abzuwarten und die Haushaltsdisziplin der Regierung, die in Folge dieser Abstimmung die Geschäfte übernehmen wird. Allein
der Zinsdienst für die Staatsschulden belastet die Volkswirtschaft in hohemMaße. Der Haushalt 2015 plant dafür 35 Mrd. Euro ein, circa 3 Prozent
des BIP. Zugleich bleiben die Refinanzierungszwänge eine offene Flanke, sollten die internationalen Kapitalmärkte erneut in Unruhe geraten.
Je dynamischer die Erholung
sich makroökonomisch zu gestalten scheint, desto mehr warnen Ökonomen und Kommentatoren die politisch
Verantwortlichen davor, sich im Wahljahr 2015 auf den Reformen auszuruhen oder gar in alte Verhaltens-, sprich Verschuldungsmuster zurückzufallen.
Eine weitere Reduzierung des Staats- und Verwaltungsapparats wird angemahnt. Auch bei der Steuereintreibung gibt es trotz der Fortschritte weiteres
Potenzial; im Vergleich zum EU-Schnitt von 45 Prozent liegt sie in Spanien bei 38 Prozent. Gesucht werden Rezepte für ein Produktivitätswachstum
jenseits der Kostensenkung durch Arbeitsplatzabbau, befristete Verträge und niedrige Löhne. Und es geht umdie Rentabilität und Transparenz öffentlicher
Investitionen, sodass sich frühere Exzesse nicht wiederholen können. Nicht zufällig ging der Ortega yGasset-Journalistenpreis 2015 imBereich Printmedien
an einen Journalisten und einen Fotografen, die in einer Serie für die Zeitung El Mundo mit dem Titel “Das Spanien der Verschwendung” am Beispiel eher
unbekannter lokaler und regionaler Bausünden die große Geschichte der Verschleuderung öffentlicher Mittel in Spanien nachzeichnen.
de estudiantes que abandona la escuela y la formación anticipa-
damente (2014: 22 por ciento). Por otro lado, también se necesita
un cambio en la mentalidad empresarial, a fin de que las empresas
cooperen más con el Estado en la educación y haga uso de las
oportunidades que le ofrece la nueva legislación para hacerse res-
ponsable de la formación y una parte de su financiación. Si en 2014
y 2015 se crean cerca de un millón de puestos de trabajo, va a ser
un enorme paso adelante, algo que hasta hace poco tiempo parecía
casi imposible de conseguir. Aun así continuarían siendo menos de
un tercio de los puestos de trabajo que se destruyeron durante la
crisis y surgen dudas acerca de su calidad. La Comisión Euro-
pea considera el desempleo juvenil y de larga duración como los
desafíos más urgentes, ante la amenaza de que se convierta en
estructural y acabe conduciendo a la exclusión laboral y social.
Otra de las sombras que se cierne
sobre el panorama eco-
nómico es el alto endeudamiento privado y público. La parte
positiva es que los hogares y las sociedades no financieras
Cuanto mayor dinamismo parece ganar la recuperación a nivel macroeconómico,
mayores las advertencias de economistas y analistas a los responsables políticos de
los riesgos de relajar las reformas durante el año electoral 2015 o volver a prácticas,
es decir el modelo de endeudamiento, del pasado”.
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