economía_septiembre_octubre_2013 - page 54

Die
schwierige Gesamtlage in Portugal hält an. Der Hilfskre-
dit von 78 Milliarden Euro, den das Land im Mai 2011 von der
Troika (EU, EZB und IWF) zugesagt bekam, macht im Gegenzug
die Umsetzung eines Austeritäts- und Anpassungsprogramms
notwendig. Ziel ist es, die Volkswirtschaft wettbewerbsfähiger
zu machen. Wenngleich die regelmäßigen Bewertungen größ-
tenteils sehr positiv ausfallen, bringt die Abarbeitung der Refor-
magenda vorerst stark negative Schleifspuren für die Volkswirt-
schaft, wie an den realen BIP-Trends ablesbar ist (2011: -1,7 Pro-
zent, 2012: -3,2 Prozent; 2013: geschätzt -1,8 Prozent). Die Er-
werbslosenrate hat sich von 8,0 (2007) auf 15,7 Prozent (2012)
erhöht und soll 2013 um die 17 Prozent liegen. Nicht vor 2014
wird mit einem leichten Anstieg der Wirtschaftsleistung und mit
Impulsen für den Arbeitsmarkt gerechnet.
Sinkende Verbraucherausgaben
Diese Entwicklungen haben bedeutende Auswirkungen auf die
Einkommenssituation und auf das Konsumverhalten. So weisen
die Verbrauchsausgaben im Rahmen der volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung seit mehreren Jahren Schwankungen auf. Sie
dürften in laufenden Preisen 2012/13 auf das Niveau von
2006/07 zurückgefallen sein. Ausgaben für Freizeit, aber auch
für Restaurantbesuche gehen deutlich zurück. Größere Anschaf-
fungen (zum Beispiel Pkw, Wohnungsausstattungen) werden
aufgeschoben.
Hinwendung zu nationalen Produkten
Portugiesenwerden generell als sehr „markenbewusst“ und „mar-
kenorientiert“ eingeschätzt. Hier profitierten inden „Vorkrisenzeiten“
namentlich ausländische Erzeugnisse. ImZuge der Krise ist seit ge-
raumer Zeit bereits seitens des portugiesischen Unternehmerver-
bandes, Associação Empresarial de Portugal (AEP), eine Kampagne
imGange, diedieVerbraucher zumKauf portugiesischer Erzeugnisse
anhält („Compro o que é nosso“). Damit sollen die heimischen Un-
ternehmen gestützt undArbeitsplätze gesichert werden
-
pronosso.pt). Beobachter meinen, eine stärkere Hinwendung zu
nationalen Marken auszumachen (zum Beispiel bei Getränken).
Preis wird als Kaufkriterium wichtiger
Im Zuge der Krise haben sich auch die Konsumgewohnheiten
und die Rangfolge bei den Kaufentscheidungen geändert. In ge-
nereller Hinsicht machen Landeskenner vor der Krise die Rangfol-
ge wie folgt fest: Marke, Qualität, Verpackung, Preis. Jetzt dürfte
aber für viele Haushalte beim Kauf der Preis deutlich vor der Mar-
ke rangieren und die Kriterien Qualität, Service, Kundendienst,
Verpackung eher danach folgen. Unverändert gibt es aber eine
sehr potente, wenngleich kleine Käuferschicht, für die nach wie
vor die Marke an oberster Stelle rangiert. Interessant ist in die-
sem Hinblick in Lissabon die Avenida da Liberdade, die sich im-
mer mehr zur „Nobelmeile“ entwickelt, mit äußerst repräsentati-
ven, hochkarätigen internationalen Geschäftsniederlassungen.
Portugalim Blick
Konsumverhalten
in Portugal
Angesichts einer wachsenden Abgabenlast und
ansteigender Arbeitslosigkeit sinken die
Realeinkommen in Portugal, was Veränderungen
in den Konsumgewohnheiten und im
Verbraucherverhalten bewirkt. Nicht vor 2014
wird mit leichten Besserungen gerechnet.
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economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 3/2013
Laut einerUmfragederAHKSpanien trägt jedesdrittedeutsche
Unternehmen in Spanien gleichzeitig dieVerantwortung für die
Aktivitäten der Unternehmensgruppe in Portugal. Der folgende
Artikel informiert über die aktuelle Lage imNachbarland.
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