economía_septiembre_octubre_2013 - page 20

Chanel und Dior
produzieren wieder
in Spanien
Im Fokus
20
economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 3/2013
Als bekannte
Luxusmarken, unter anderemChanel, Carolina
Herrera, Christian Dior, Givenchy, Louis Vuitton und Cartier, damals
beschlossen, künftig in China zu produzieren, waren die Chinesen
begeistert: Von nun an mussten sie die exklusiven Marken nicht
mehr heimlich imitieren, sondern konnten in ein und derselben
Fabrik gleichzeitig 20.000 Originale für Cartier produzieren und
20.000 Fälschungen des Modells für den Schwarzmarkt.
Jetzt haben die großen Luxusmarken entschieden, ihre Produktion
wieder in heimische Gefilde zu verlagern. Denn China hat als Pro-
duktionsstandort an Attraktivität verloren. Nebenmangelnder Qua-
lität und dem Handel mit Fälschungen haben vor allem der starke
Anstieg der Lohnkosten, die Aufwertung des Yuan sowie höhere
Transportkosten und Zölle die damaligen Kostenvorteile zunichte
gemacht. Die chinesischenArbeiter verdienen inzwischen20Prozent
mehr, sie sind nicht mehr bereit, so viele Stunden amStück wie frü-
her zu arbeiten und beginnen, für bessere Arbeitsbedingungen zu
streiken.
Vor diesem Hintergrund lassen die Modehäuser Chanel, Carolina
HerreraundChristianDior ihreTaschen, Koffer undGürtel inzwischen
wieder im reizenden Ort Ubrique in der Provinz Cádiz produzieren.
Der Ort, auch „Königreich des Leders“ genannt, liegt in einer der
ärmsten Regionen Spaniens und erlebt derzeit eine Blütezeit, weil
er nicht nur über qualitativ hochwertiges Leder verfügt, sondern
auch über qualifizierte Arbeitskräfte und Fabriken, die ihre Produk-
tion an die im Luxussegment üblichen Kleinstaufträge anpassen
können. Der Ort erlebt eineReindustrialisierung imSchnelldurchlauf.
So hat zum Beispiel ein Unternehmer vor kurzem ein altes Kino in
Ubrique gekauft, um dort eine Fabrik für Lederwaren aufzubauen.
Viele Betriebe, die wegen der Krise seit Jahren geschlossen waren,
werden derzeit wieder geöffnet oder instandgesetzt.
Ähnliches wie in Ubrique ist in Ibi bei Alicante zu beobachten, wo
neuerdings wieder Spielzeug für Moltó, Injusa und Famosa produ-
ziert wird, Unternehmen die den Ort einst verlassen hatten, um in
Niedriglohnländer zu produzieren. Auch Telefónica, Vodafone,
Orange und Jazztel haben ihre Call Center wieder in die Heimat ver-
legt. Und auch viele Modeketten überlegen, wieder in Spanien zu
produzieren.
Das verarbeitende Gewerbe entdeckt Spanien wieder
als attraktiven Produktionsstandort. Einer
flächendeckenden Reindustrialisierung stehen jedoch
noch eine ganze Reihe von Hindernissen imWeg.
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