Das Vertrauen der Verbraucher wird durch den Zuwachs der
Beschäftigung und sinkende Arbeitslosigkeit gestärkt. Auf das
Vertrauen der Investoren wirkt sich die Haushaltsdisziplin der
Regierung positiv aus. Diese hat das Staatsdefizit 2016 auf -2
Prozent des BIP gesenkt (2015: -4,4 Prozent) und strebt in
ihrem Stabilitätsplan 2017 bis 2021 weitere Reduzierungen an,
bis hin zu einem Überschuss am Ende der Periode. Die
erfolgreiche Korrektur hat die EU-Kommission veranlasst, das
Verfahren wegen exzessiven Defizits, das seit 2009 gegen
Portugal anhängig war, im Juni 2017 einzustellen. Es ist der
hoffnungsvolle Beginn eines Normalisierungsprozesses, der
weitere Schritte nach sich ziehen könnte. So hat die US-
Agentur Fitch den Rating-Ausblick für Portugal von stabil auf
positiv heraufgestuft.
Belastet und gebremst wird die relativ kleine Volkswirtschaft
vor allem durch ihre Verschuldung. Die Staatsschuldenquote
stieg Portugals Zentralbank zufolge 2016 auf 130,4 Prozent
des BIP. Hinzu kommt der hohe, aber sinkende
Verschuldungsgrad der privaten Nichtfinanzunternehmen
(März 2017: 142,3 Prozent des BIP). Einschließlich der
rückläufigen Schuldenquote der Haushalte war der private
Sektor mit 218,2 Prozent des BIP verschuldet. Mit den
Staatsschulden
betrug
der
Schuldenberg
des
Nichtfinanzsektors im März 384,8 Prozent des BIP. Die
Bruttoaußenverschuldung sank 2016 auf 218,4 Prozent des
BIP, bleibt aber auf sehr hohem Niveau und macht das Land
anfällig für mögliche Unruhen auf den Kapitalmärkten.
Portugal profitiert bislang von der Geldpolitik der EZB und
baut seine Schuldenstruktur durch Tilgung etwa der teureren
IWF-Kredite um.
Investitionen: Anlageinvestitionen überwinden Stagnation
Die schlechte Nachricht zuerst: Portugals Investitionsrate hat
wegen vorübergehend stagnierender Anlageinvestitionen
2016 einen absoluten Tiefstand erreicht. Gemessen als Anteil
der Bruttoanlageinvestitionen am BIP zu laufenden Preisen
gab sie auf 14,8 Prozent nach. Die gute Nachricht:
Transportmittelinvestitionen erlebten einen Zuwachs von real
8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr; für Maschinen hat sich
die Stimmung im 2. Halbjahr positiv gedreht (insgesamt 2016:
+2,7 Prozent); bei den Bauinvestitionen war das im 4. Quartal
der Fall (2016: -2,3 Prozent). Im 1. Quartal 2017 waren alle
Segmente im Aufwind, so dass die Bruttoanlageinvestitionen
das Vorjahresniveau um 9,1 Prozent überstiegen. Der Ausblick
ist ermutigend. Geht es nach der EU-Kommission, sollen die
Ausrüstungsinvestitionen 2017 und 2018 weiter um jeweils 6,0
und 7,7 Prozent zulegen. Den Bauinvestitionen sollen private
Wohnungsbauprojekte und öffentliche Infrastrukturausgaben
zu Wachstum verhelfen. Eine gewisse Dynamik liefern da die
Kommunalwahlen am 1.10.2017.
Auf Probleme weist der hohe Anteil überfälliger Kredite an
dem an private Nichtfinanzunternehmen ausgereichten
Kreditvolumen hin. Dieser ist jedoch von 16,1 Prozent (April
2016) auf 15,4 Prozent (April 2017) gesunken und zeigt damit
einen Trendwechsel an. Viel geringer ist die Ratio bei
Exportunternehmen (5,5 Prozent). Kreditwürdige Betriebe
können auf günstige Darlehen und Förderungen
zurückgreifen. Die Bewilligung von EU-Fördermitteln im
Rahmenprogramm Portugal 2020 läuft schneller. Alle
Informationen dazu unter:
Öffentliche Ausschreibungen und Verträge finden sich auf
dem nationalen Portal für öffentliche Ausschreibungen:
http://www.base.gov.pt.
Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten
unter
http://www.gtai.de/Portugal, "Ausschreibungen"
und "Entwicklungsprojekte"
.
Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter
http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de .75
economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 4/2017
1)
Waren und Dienstleistungen;
2)
vorläufig;
3)
Prognosen
Quellen: Portugiesisches Statistikamt INE; Portugiesische Zentralbank
(Juni-Prognose)
Wirtschaftliche Entwicklung 2016 bis 2018
(reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent)
2016
2)
2017
3)
2018
3)
BIP
1,4
2,5
2,0
Einfuhr
1)
4,5
9,5
6,9
Bruttoanlageinvestitionen
0,1
8,8
5,3
PrivaterVerbrauch
2,3
2,3
1,7
Quellen: Portugiesisches Statistikamt INE; Statistisches Bundesamt
Wirtschaftliche Eckdaten Portugals
Vergleichsdaten
Deutschland
Indikator
2015
2016
2016
BIP(nominal,Mrd. Euro)
179,5
184,9 3.132,7
BIPproKopf (Euro)
17.357
17.938 37.866
Bevölkerung (Mio.)
10,34
10,31
82,7
+info
www.portugal2020.pt




