Bank Novo Banco über, die kapitalisiert wurde. Der Überprü-
fung durch die EZB hielt die Novo Banco im November 2015
zwar in einem Basisszenario stand, aber nicht in einem ver-
schärften Krisenszenario. Sie muss ihre Kapitaldecke um 1,4
Mrd. Euro aufstocken und soll in einem zweiten Anlauf 2016
verkauft werden.
Zu der öffentlichen Verschuldung kommt der nach Angaben
der Portugiesischen Zentralbank zwar zurückgehende, aber
immer noch zu hohe Verschuldungsgrad der privaten Nicht-
finanzunternehmen (Juni 2015: 148,9 Prozent des BIP). Der
portugiesische Unternehmenssektor ist immer noch einer
der am stärksten verschuldeten in der EU, was das Wachs-
tumspotenzial beschränkt und die Krisenanfälligkeit erhöht.
Einschließlich der ebenfalls sinkenden Schuldenquote der
Haushalte (82,5 Prozent) stand der private Nichtfinanzsektor
im Juni 2015 mit 231,4 Prozent des BIP in den Schulden.
Zahlungsmoral
Einem Bericht der Portugiesischen Nationalbank zufolge be-
lief sich die Gesamtsumme der bis Ende August 2015 an Un-
ternehmen ausbezahlten Kredite auf rund 85 Mrd. Euro. Etwa
16,6 Prozent dieser Darlehen wurden zum Stichtag innerhalb
der vereinbarten Frist (seit mehr als 30 Tagen überfällig)
nicht zurückgezahlt. Circa 30,8 Prozent aller Unternehmen in
Portugal, die Kredite aufgenommen haben, befanden sich
Ende August 2015 im Zahlungsverzug. Grundsätzlich schnei-
den die Exportunternehmen besser ab, obwohl sich auch bei
ihnen 2015 die Zahlen verschlechterten. Der Anteil der über-
fälligen Kredite an den von ihnen aufgenommenen Darlehen
nahm zu (von 3,3 Prozent im Dezember 2014 auf 5,5 Prozent
im August 2015), ist aber vergleichsweise niedrig. Im August
war jedes zehnte Exportunternehmen (10,4 Prozent), das
Kredite aufgenommen hat, säumig (zum Vergleich Dezember
2014: 8,8 Prozent, Dezember 2013: 7,3 Prozent).
Als Zahlungsziele gelten gewöhnlich, je nach Geschäftsbe-
ziehungen, zwischen 30 und 90 Tage. Allerdings nehmen sich
Großunternehmen mit entsprechender Marktstärke oft deut-
lich längere Fristen heraus. Auch im staatlichen Bereich (un-
ter anderem Krankenhäuser bei Arzneimitteln) liegen die
Fristen zum Teil deutlich darüber. Generell gilt der öffentliche
Sektor nicht als zügiger Zahler. Laut European Payment Re-
port 2015 von Intrum Justitia betragen die durchschnittlichen
Zahlungsfristen bei B2C-Geschäften 34 Tage, im B2B-Handel
49 Tage sowie bei Verträgen mit Partnern der öffentlichen
Hand 55 Tage. Im B2C-Bereich ist nach durchschnittlich 40
Tagen, bei B2B-Geschäften nach 70 Tagen sowie im öffentli-
chen Dienst nach 94 Tagen mit einem tatsächlichen Geldein-
gang zu rechnen.
Unterkapitalisierung ist ein zentrales Problem in den Unter-
nehmen. Aufgrund der äußerst schwachen Kapitaldecke geht
vielen Firmen bei den geringsten Zahlungsausfällen in der
Handelskette ziemlich schnell die "Luft aus". Dies ist, den
Landeskennern zufolge, der Hauptgrund für die langen
Zahlungsfristen. Etwa 94 Prozent aller Schuldner geben
auch finanzielle Schwierigkeiten als Grund für verspätete
Zahlungen an.
Nach Ansicht von Experten kristallisierte sich während der
letzten Jahre ein weiterer Punkt heraus, der mit für die langen
Zahlungsfristen verantwortlich ist. Die portugiesische Regie-
rung befindet sich weiterhin in einem strikten Prozess der
Haushaltskonsolidierung. Vor diesem Hintergrund werden Un-
ternehmen über ein dicht geknüpftes Netz an Verordnungen
und Instrumenten dazu angehalten, ihren Zahlungsverpflich-
tungen (Steuern und Abgaben, einschließlich Sozialversicherung)
gegenüber den staatlichen Stellen zügig nachzukommen. Da-
durch sehen sich die Unternehmen gezwungen, zuerst diesen
"öffentlichen" Verpflichtungen nachzukommen und erst da-
nach die "privatwirtschaftlichen" anzugehen.
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economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 5/2015 – 1/2016