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economía
HISPANO-ALEMANA
mayo/junio/julio 2013
Die spanische Volkswirtschaft befindet sich seit sechs Jah-
ren in der Rezession. Zwischen 2008 und 2012 sank das
BIP alljährlich um real 0,8 Prozent. 2013 wird ein erneuter
Rückgang um etwa 1,3 Prozent erwartet. Aus heutiger Sicht
ist frühestens 2014 von einem geringen Zuwachs um 0,5
Prozent auszugehen. Die konservative Regierung hält erst
2016 eine BIP-Steigerung von 1,3 Prozent für möglich. Die
Binnennachfrage, vor Jahren der Konjunkturmotor, ist kom-
plett zusammengebrochen und gestaltet sich auf Jahre hi-
naus schwach. Vor diesem Hintergrund richten sich die
Hoffnungen einzig auf die Auslandsnachfrage. Hier brach-
ten unter anderem Lohn- und Gehaltsdämpfungen sowie
Produktivitätsanstiege Wettbewerbsvorteile, die zu einer
eindrucksvollen Exportverbesserung führten. Allerdings
kühlt sich das Außenwirtschaftspanorama ab, was die spa-
nischen Lieferchancen beeinträchtigt. Die Importsituation
gestaltet sich schwierig.
Reformagenda
Spanien fährt in der Reformagenda fort. Die drei herausra-
genden Bereiche sind: Fiskalkonsolidierung, Finanzmarkt-
reform und Strukturreformen. Im ersten Bereich erhielt das
Land einen Aufschub zur Erreichung der Defizitziele. So soll
nun erst 2016 (und nicht schon 2014) der Staatsfehlbetrag
auf zwei Prozent am BIP sinken. Auch so bedeutet die neue
Höhe im Gesamtkontext (unter anderem besorgniserre-
gende Ausweitung des Fehlbetrags in der Sozialversiche-
rung) eine steile Zielvorgabe. Zudem steigt im verabschie-
deten Szenarium die Staatsverschuldung bis 2016 auf na-
hezu 100 Prozent (2007: 36,2 Prozent) an. Die Tilgung und
Zinsen stellen eine beachtliche Belastung dar. Die Risiko-
aufschläge für spanische Staatstitel sind erfreulicherweise
merklich zurückgegangen. Die Finanzmarktreform zieht sich
hin. Die Zahl der großen Finanzgruppen sank zwischen 2009
und 2012 von 50 auf 13, mit einem beachtlichen Rückgang
des Filialnetzes. Die Rekapitalisierungs-, Umstrukturie-
rungs- und Ausgliederungsprozesse „toxischer Aktiva“ sol-
len bis Juni 2013 abgeschlossen sein. Allerdings verstum-
men die Klagen über den schwierigen Kreditzugang unter
den KMUs und den Selbständigen nicht. Auf der Ebene der
Strukturreformen wurde ein ganzer Fächer von Vorhaben
auf den Weg gebracht. Die letzten Initiativen waren unter
anderem die Gesetze zum Aufbau eines Einheitsmarktes,
die Aufhebung der Indexierung sowie zur Förderung des Un-
ternehmertums. Sie alle sollen dazu beitragen, die langfris-
tige Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu sichern.
Investitionen
Das Investitionsklima gestaltet sich schwierig. Zwischen 2008
und 2012 war im Jahresdurchschnitt ein realer Rückgang um
8,3 Prozent zu beobachten. Für 2013 wird privaten Konjunktur-
forschungsinstituten zufolge ein erneuter Rückgang auf nahe-
zu acht Prozent angenommen, wobei hier die Bauten um etwa
neun Prozent (Wohnungsbau -6 Prozent; Nicht-Wohnungsbau
-12 Prozent) und die Maschinen um über fünf Prozent sinken
sollen. Selbst 2014 sollen die Bruttoanlageninvestitionen mit
fast drei Prozent noch negativ ausfallen. Der einzige Lichtblick
zeigt sich bei Maschinen (etwa +1 Prozent), während die Bau-
ten mit -5 Prozent (Wohnungsbau -4 Prozent; Nicht-Woh-
nungsbau -7 Prozent) unverändert nach unten zeigen.
Standort Spanien
Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy.