Previous Page  85 / 116 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 85 / 116 Next Page
Page Background

Einen langen Schatten wirft mittelfristig der Schuldenberg. Aus

der Maastricht-Perspektive gesehen, erreichte die

Staatschuldenquote im 3. Quartal 2016 der Zentralbank zufolge

133,4 Prozent des BIP. Hinzu kommt der sinkende, aber noch hohe

Verschuldungsgrad der privaten Nichtfinanzunternehmen

(September 2016: 145,0 Prozent des BIP). Einschließlich der

rückläufigen Schuldenquote der Haushalte war der private Sektor

noch mit 223,4 Prozent des BIP verschuldet (September 2015:

230,6 Prozent).

Die Staatsschulden eingerechnet, bleibt Portugal sehr anfällig

für Nervositäten auf den Kapitalmärkten. Das Land hat in

hohem Maße von der expansiven Geldpolitik der EZB

profitiert. Refinanzierungskapazität von Staat und Banken

hängen von einer einzigen Ratingagentur (der kanadischen

DBRS) ab, die portugiesische Staatsanleihen im Investment-

Grade-Rating führt und bei der jüngsten Überprüfung Ende

Oktober 2016 erneut als kreditwürdig einschätzte. Das sichert

Portugal den Zugang zum Anleihe-Kaufprogramm der EZB, das

aber nicht unbegrenzt ist. Die gegenüber Januar 2016

gestiegenen Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen wiesen auf

das größere Risikoempfinden des Marktes in einem insgesamt

unsichereren externen Umfeld hin.

Investitionen: Wachstum nach einem Rückfall 2016

Der zweijährige Erholungsmoment der Bruttoanlageinvestitionen

wurde 2016 unterbrochen (1. Halbjahr: -2,7 Prozent).

Hauptverursacher warendieBauinvestitionen (-3,6Prozent), die nach

13 Negativjahren ihr erstes Wachstum (2015: +4,1 Prozent) nicht

konsolidierenkonnten. DieguteKonjunktur der Fahrzeuginvestitionen

hielt im vierten Jahr an, wenn auch nicht mehr mit so hohen

Zuwächsen. DieMaschineninvestitionen erlebten nach drei positiven

Jahren im 1. Halbjahr 2016 einen Rückschlag. Sie wiesen aber im

3. Quartal vor niedrigerVorjahresbasis nachoben (+4,8Prozent) und

sollen 2017, auch dank der intensiveren Nutzung von EU-Mitteln,

weiter anziehen.

Konsum: Verbraucherausgaben nehmen langsamer zu

Der Staatsverbrauch, der 2016 noch anstieg, soll stagnieren. Geht

es nach Portugals Zentralbank, wachsen die privaten

Verbraucherausgaben 2017 im vierten Jahr, wenn auch mit real 1,3

Prozent nicht mehr so kräftig wie zuvor. Nach der Rezession war

vor allem die Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern

hochgeschnellt, ein Trend, der inzwischen abbremst. Weiterhin

stützen den Verbrauch die im vierten Jahr zunehmende

Beschäftigung und eine auf rund 10 Prozent sinkende

Arbeitslosenrate (2016: 11,0 Prozent) und die Rücknahme eines

Solidaritätszuschlags auf Renten und Einkommensteuer.

Außenhandel: Deutschland ist zweitwichtigster Handels-

partner

Mit den Ländern der EU-28 wickelt Portugal drei Viertel seines

Außenhandels ab. Die wachsenden Exporte in die EU (Januar

bis November 2016: +3,7 Prozent auf 34,9 Milliarden Euro im

Vorjahresvergleich) kompensierten die Rückgänge auf

Drittmärkten (-9,9 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro). Am

85

economía

HISPANO-ALEMANA

Nº 2/2017