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drei Monate nach dem Ausstieg aus dem EU-Rettungs-
programm musste sich Portugal einer neuen Herausforderung
stellen: Die Krise der drittgrößten Bankengruppe des Landes
Banco Espíritu Santo (BES) so zu lösen, dass das neugewonne-
ne Vertrauen in die Wirtschaft und die Finanzfähigkeit des Lan-
des nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Ansatz der
Portugiesischen Zentralbank, dazu staatliche Beihilfen einzuset-
zen, wurde von der Europäischen Kommission genehmigt. Die
wochenlangen Spekulationen um die insolvente Finanz- und Fir-
mengruppe der Familie Espíritu Santo (Grupo Espíritu Santo,
GES) und den Zustand der mit der Gruppe eng verflochtenen
Bankentochter Espíritu Santo (BES) sind Anfang August 2014
durch das Eingreifen der Portugiesischen Zentralbank beendet
worden. Nach Bekanntwerden der unerwartet hohen Verluste
der Großbank Espíritu Santo im ersten Halbjahr (3.577 Millionen
Euro, davon allein 3.488 Millionen im zweiten Quartal), über-
nahm die portugiesische Bankenaufseherin die Kontrolle über
das Geschehen und teilte die Bank.
Faule Kredite und Risiken verbleiben in einer Bad Bank
Die gesunden Geschäftsbereiche, darunter der Großteil der
Aktivitäten und der Vermögenswerte fanden sich am 4. August
in einer neuen Bank mit dem Namen Novo Banco wieder, die
entsprechend kapitalisiert und von problematischen Aktiva
bereinigt wird. Für die Kunden der BES, ihre Einlagen, ihre Ge-
schäftsbeziehungen und die Bankgebühren ändere sich mit
Übergang zu dieser neuen Bank nichts, versicherten die Zen-
tralbank und das Finanzministerium. Die faulen Kredite und
die Risiken verbleiben in einer Bad Bank unter dem alten Na-
men Espíritu Santo ohne Handelslizenz, unter der Kontrolle ei-
ner Abwicklungskommission und im Besitz der früheren Aktio-
näre mit einem Anteil von über zwei Prozent. Die wichtigsten
Aktionäre an diesem verbleibenden Skelett einer Bank sind zu
einem Fünftel die Familie Espíritu Santo, mit 14,6 Prozent die
französische Bank Crédit Agricole und die brasilianische Bank
Bradesco (3,9 Prozent). „Nicht die Steuerzahler“, betont das
Finanzministerium, „sondern die Shareholder, die nachrangi-
gen Gläubiger, Vorstandsmitglieder und früheren Vorstands-
mitglieder, die direkt in die jüngsten Ereignisse verwickelt
sind, werden herangezogen, die Verluste eines Bankenge-
schäfts zu schultern, das sie versäumten, angemessen zu
überblicken.“
Bankenabwicklungsfonds spielt entscheidende Rolle
Das ist das grundsätzlich Neue an dieser Lösung für eine Krisen-
bank: Nicht der Steuerzahler soll die Kosten tragen, sondern,
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economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 4/2014
Portugal geht
neuenWeg der
Bankenabwicklung
Aufspaltung der
angeschlagenen Banco
Espiritu Santo in eine
Brückenbank (Novo
Banco) und eine Bad Bank
(BES) soll Steuerzahler
nicht belasten.
Keine
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