Dunst und dichter Passatnebel hüllen
die grünen Hügel von La Gomera in ihr typisches mysthisches
Nebelkleid. Die Feuchtigkeit perlt von den bis zu zwei Meter
hohen Farnen und bedeckt den Moosteppich jenes Lorbeerwal-
des, der noch vor 20 Millionen Jahren den gesamten Mittel-
meerraum bedeckte. Die „selva laurisilva“, wie der Feuchtwald
auf Spanisch heißt, gehört zu den Besonderheiten des Garajo-
nay-Nationalparks, dem grünen Herzen La Gomeras. Der „Parque
Nacional de Garajonay“, von den Einwohnern liebevoll „Monte-
verde“ genannt, liegt im Zentrum der Insel und erstreckt sich
auf 3.984 Hektar über das zentrale Bergland und vereinzelte
Flächen im Norden über alle sechs Gemeinden hinweg. Sein
Hauptbestandteil, der Lorbeerwald, ist der größte zusammen-
hängende, immergrüne Feuchtwald weltweit und einer der letz-
ten Urwälder Europas – ein wahres Stück lebendige Geschichte.
Ähnliche Bestände gibt es zwar auch auf Madeira, den Azoren
und den anderen Kanareninseln, jedoch ist die Laurisilva im Ga-
rajonay-Park heute am besten erhalten.
Grüne Oase vor der Küste Afrikas
Das Wolkenmeer, das den Wald umhüllt, bringt Kühle und
Feuchtigkeit, die sowohl den Park als auch die Insel vor
Trockenheit schützen und selbst in den heißen Sommermonaten
für angenehme Temperaturen sorgen. La Gomera ist von Teneriffa
aus mit dem Flugzeug oder Schiff in weniger als einer Stunde
erreichbar. Auch von Gran Canaria wird die nahezu kreisrunde
Insel angeflogen. Einen in-
ternationalen Flughafen
gibt es nicht, weshalb die
grüne Oase vom Massen-
tourismus bislang verschont
blieb. Der Nationalpark ist
frei zugänglich und mit dem
Auto oder Bus gut zu errei-
chen. Letzterer fährt den Park
regelmäßig von der Hauptstadt
San Sebastián im Süden und
Vallehermoso im Norden an. Von
den verschiedenen Parkplätzen ent-
lang der Hauptverkehrsstraßen führen
ausgeschilderte Wander- und Spazier-
wege in die Tiefen der abwechslungsreichen
Wälder. In den verschiedenen Besucherzen-
tren im Park können sich Touristen vorab über
Ausflugsmöglichkeiten und kostenlose Führungen
(täglich außer sonntags) informieren und sich mit
Prospekten und Wanderkarten ausstatten.
Die Wolken melken
Während die trockene Südseite und die Höhenlagen des Parks
von sonnendurchfluteten Buschwäldern aus Baumheide und
Galgenbäumen geprägt sind, überwiegt auf der Nordseite der
Karg und schroff erhebt sich die spanische Insel La
Gomera vor der afrikanischen Nordwestküste aus dem
Atlantik. Die zweitkleinste Insel des Kanarischen
Archipels bietet ein Labyrinth aus mehr als 40
Wanderwegen in 17 Schutzgebieten. Zu den größten
und eindrucksvollsten gehört der Nationalpark
Garajonay mit seinem einzigartigen Lorbeerwald.
Juliane Pfordte
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economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 4/2014
Panorama
Unterwegs in einem der
letzten Urwälder Europas:
er Nationalpark
„Garajonay“
auf La Gomera
Aufsteigender