erneuerbare Energien, wobei es an einigen
Tagen zu Spitzen von bis zu 60 Prozent ge-
kommen sei.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt betrage die
gesamte betriebsbereite Kapazität im spa-
nischen Elektrizitätssektor 103.000 MW,
davon entfielen 49.000 MW auf erneuer-
bare Energien, wobei nur 44.000 MW ur-
sprünglich angestrebt worden seien.
Erhebliche Probleme werfe zudem das Ver-
bundsystem auf. Seine Kapazität auf der
Iberischen Halbinsel belaufe sich auf le-
diglich 3,2 Prozent und befinde sich damit
weit entfernt von dem vor zehn Jahren an-
visierten Ziel von zehn Prozent. Angesichts
der gegenseitigen Abhängigkeit der Ener-
giemärkte Spaniens und Portugals sei of-
fensichtlich, dass das bestehende
Verbundsystem unzulänglich sei. Zur Auf-
nahme mehr erneuerbarer Energien sei
deshalb die Kapazitätsausweitung drin-
gend erforderlich.
Wie der Generaldirektor zudem darlegte,
entwickelten sich den Berechnungen der
Internationalen Energieagentur (IEA) zu-
folge die Energiepreise in Europa unvor-
teilhaft. So komme die IEA in ihren Prog-
nosen zu dem Ergebnis, dass im Jahr
2035 die europäischen Energiepreise un-
gefähr zweimal so hoch wie in den USA
und dreimal so hoch wie in China liegen
werden. Dies stelle eine erhebliche Ge-
fahr für Europa dar, was zu Standortver-
lagerungen in der verarbeitenden Indus-
trie führen könne. Vor diesem Hinter-
grund sei im ureigenen europäischen In-
teresse für eine Energiepolitik einzutre-
ten und eine Energieerzeugung zu ge-
währleisten, die die europäische Wettbe-
werbsfähigkeit sicherstelle.
Auf die Frage wo die Stromwirtschaft in
Europa steht und wo sie hin soll, führte
Carlos Sallé, Direktor für strategische Pla-
nung bei der Elektrizitätsgesellschaft Iber-
drola, aus, dass sie mittels modernster
Technologien einen Beitrag zum Klima-
schutz leisten müsse, was aber erhebliche
Investitionen nach sich ziehe. Zu klären
seien allerdings die Fragen: Gilt es nur die
CO2-Ziele zu erreichen oder kommen noch
andere hinzu und gelten die Ziele nur für
Europa oder auch für andere Länder. Da-
rüber hinaus komme es darauf an, in
Europa einen einheitlichen festen Rahmen
zu schaffen sowie für eine effiziente Regu-
lierung Sorge zu tragen. Schließlich seien
die Kapazitäten zu erweitern und die Ver-
bundnetze auszubauen.
Karl Uecker, Geschäftsführer von Sie-
mens HVDC Business, stellte fest, dass
es bei dem angestrebten Energiemix da-
rauf ankomme, die Netze nicht nur zu er-
weitern, sondern sie auch steuerbar zu
machen, da vielfach mehr Leistung er-
zeugt werde als abgenommen werden
könne. Vor diesem Hintergrund gelte es,
den intelligenten Netzausbau voranzu-
treiben (unter anderem Stromautobah-
nen). Allerdings fehle immer noch ein
einheitlicher europaweiter Rahmen, der
von der Politik kommen müsse. Klare
Rahmenbedingungen forderte auch Paul
van Son, Geschäftsführer der Desertec
Industrial Initiative. In seiner Rede
sprach er sich außerdem entschieden für
eine Verstärkung der Integration aus, da
Verbundsysteme ganz eindeutig Vorteile
bringen. Damit könne auch dem Problem
von Überkapazitäten bei den erneuerba-
ren Energien begegnet werden. Auf der
Basis von Infrastrukturausbau gelte es,
die Integration der Elektrizitätsmärkte zu
forcieren. Im Falle Spanien bedeute dies
nach Norden (Frankreich) und nach Sü-
den (Marokko). Spanien besitze eine
ausgezeichnete Position als Nahtstelle
zwischen Europa und Nordafrika.
Nach Ansicht von Santiago Seage, Präsi-
dent von Abengoa Solar, müssen seitens
der Politik vor allem zwei Fragen geklärt
werden: Erstens, wie soll konkret der Ener-
giemix aussehen und zweitens, wie weit
muss die Integration der Netze vorange-
trieben werden. Seiner Auffassung nach
ist der Beitrag der Elektrizitätswirtschaft,
namentlich der erneuerbaren Energien,
zur Erreichung der Klimaziele fundamen-
tal. Die erneuerbaren Energien führten
nämlich zu einer Stärkung der Wettbe-
werbsfähigkeit der Industriebasis und
könnten ferner einen Beitrag zur Überwin-
dung der gegenwärtigen Krise in Europa
leisten. Allerdings müsse die spanische
Energiepolitik konsistenter und nachhalti-
ger angelegt werden. José Antonio Guillén
Marco, Direktor für strategische Planung
bei Gas Natural Fenosa, wies darauf hin,
dass in Spanien vor allem ein effizientes
Verbundsystem fehlt. Es bestehe zum Teil
mit Portugal, es sei aber vollkommen un-
zureichend im Hinblick auf Frankreich. Hier
müsse künftig wesentlich stärker inves-
tiert werden, um einen wirksamen und
rentablen Austausch zu gewährleisten.
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economía
HISPANO-ALEMANA
mayo/junio/julio 2013
Reinhard Silberberg und Carsten Moser