Spaniens Industrie meldet sich zurück
Als Kunde meldet sich Spaniens Industrie zurück,
die 2014 die negativen Zahlen hinter sich gelassen
hat. Ihr Produktionsindex stieg in den ersten sie-
ben Monaten um 1,8 Prozent gegenüber dem ver-
gleichbaren Vorjahreszeitraum. Es ist der
schnellste Takt seit 2006. Beschleunigt wird er
durch die Automobilindustrie, deren Produktions-
index in den ersten sieben Monaten im Vergleich
zum Vorjahr um über zehn Prozent zulegte. Auch
der Schienenfahrzeugbau gewann neue Aufträge
und steigerte seine Aktivität (+5,5 Prozent),
ebenso die Herstellung von Schmiede-, Press-,
Zieh- und Stanzteilen (+8,0 Prozent). Die Luft-
und Raumfahrtbranche stagnierte zwar (-0,1 Pro-
zent), soll aber im Rahmen der Industrialisie-
rungsstrategie der Regierung Impulse erhalten.
„Think big, think BIEMH“
Der spanische Aufschwung prägte auch die 28.
Internationale Messe für Werkzeugmaschinen
BIEMH, die im Juni 2014 im baskischen Bilbao
stattfand und mit 1.314 Ausstellern und fast
36.000 Besuchern deutlich mehr anzog als zuletzt 2012. Über
die Hälfte der ausstellenden Unternehmen (57 Prozent) kamen
aus dem Ausland, darunter viele aus Deutschland, woher Spa-
nien traditionell die meisten Werkzeugmaschinen bezieht. Deut-
sche Anbieter lieferten 2013 Werkzeugmaschinen im Wert von
64,8 Millionen Euro nach Spanien und lagen damit vor Italien,
Japan, Taiwan und China. Das Motto „Think Big, Think BIEMH“
spielt auf die großen Fertigungstechnologien an, die als Mar-
kenzeichen der Messe und des spanischen Werkzeugmaschi-
nenbaus gelten. Neu hinzugekommen sind die Bereiche additi-
ve Fertigung (Verfahren zur Fertigung von Modellen und Proto-
typen etwa über 3D-Druck) und Composites (Verbundwerkstof-
fe). Die 29. BIEMH findet vom 30. Mai bis 4. Juni 2016 statt.
Sorgenkind Export
Während die heimischen Kunden wieder ordern, bereitet 2014
das Auslandsgeschäft Sorgen. „Die besten Perspektiven bie-
ten die USA, Mexiko und Kanada neben einem Europa in Erho-
lung, wo die Nachfrage aber noch sehr schüchtern ist“, be-
schreibt AFM-Präsident López Usoz einerseits, um einschrän-
kend fortzufahren: „Die Konjunkturabschwächung in Asien je-
doch und die Schwierigkeiten, die Russland und Brasilien be-
treffen, ergeben global ein Panorama großer Ungewissheit
hinsichtlich der Investition in industrielle Ausrüstungen.“ Der
Auftragsbestand der spanischen Werkzeugmaschinenherstel-
ler sei Anfang 2014 um zehn Prozent unter das Niveau von An-
fang 2013 gefallen. Sollte es nicht zu einem sehr bedeutenden
Trendwechsel kommen, sei damit zu rechnen, dass die Umsät-
ze 2014 gegenüber dem Vorjahr leicht zurückbleiben. Nach
fünf steten Wachstumsjahren legten Spaniens Ausfuhren von
Werkzeugmaschinen nach vorläufigen Angaben des Ministeri-
ums für Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit jedenfalls den
Rückwärtsgang ein. Sie sanken (in den HS-Kategorien 8456
bis 8463 plus 8466) im ersten Halbjahr um 11 Prozent; gleich-
zeitig zogen die Einfuhren um 32 Prozent an.
Förderprogramme sollen Impulse setzen
Umso wichtiger wird es für die nationalen Anbieter, dass die In-
vestitionswelle im Inland anhält und neben den großen Unter-
nehmen auch die kleinen und mittelgroßen Zulieferer erfasst.
Um hier einen Anstoß zu liefern, hat die baskische Regierung
Anfang 2014 ein Programm „Renove maquinaria“ ausgerufen,
das die baskischen KMU bei der Modernisierung ihrer Produk-
tionsausrüstungen mit 9,5 Millionen Euro fördert. Der Kauf ei-
ner Maschine im Mindestwert von 30.000 wird mit 15 Prozent
und maximal 70.000 Euro unterstützt. Zur Jahresmitte waren
bereits 489 Anträge eingegangen, von denen 213 Werkzeugma-
schinen betrafen, die ein Investitionsvolumen von 53 Millionen
Euro vorsahen. Die spanische Regierung wiederum, zur anhal-
tenden Konsolidierung des Staatshaushalts gezwungen, hat
sich entschieden, im Rahmen der Re-Industrialisierungsstrate-
gie die Erneuerung von Maschinen, Ausrüstungen und Anlagen
für die verarbeitende Industrie durch rückzahlbare Darlehen zu
fördern. Gerade KMU haben es immer noch schwer, Bankenkre-
dite zu erhalten. Für die Unterstützung der industriellen Investi-
tion in das verarbeitende Gewerbe (darunter auch Betriebs-
gründungen, Produktionserweiterungen) ist ein Kreditvolumen
von 275 Millionen Euro vorgesehen.
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economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 4/2014
Titelthema
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