Attraktiver Forschungs- und Produktions-
standort
Das Wachstum der Branche ist auch auf die guten
Rahmenbedingungen in Spanien zurückzuführen:
Die Zahl der Technologieparks und Wissen-
schaftszentren ist in den Jahren vor der Krise stark
gewachsen, sodass eine hervorragende Infra-
struktur für Forscher entstanden ist. Ein weiterer
Faktor, der für den Biotechnologiestandort Spa-
nien spricht, sind die vergleichsweise günstigen
klinischen Versuche. Diese kosten rund 30 Pro-
zent weniger als beispielsweise in den USA. In
Spanien werden jährlich 750 klinische Versu-
che autorisiert. Derzeit werden in Spanien ins-
gesamt um die 3.000 klinische Tests durchge-
führt, damit belegt Spanien im EU-Vergleich
den fünften Platz. Zugleich kooperieren spani-
sche Biotech-Unternehmen zunehmend mit
ausländischen Partnern: Im Jahr 2011 wurden
112 Kooperationen zwischen spanischen und
ausländischen Unternehmen geschlossen, da-
von kamen 28 Prozent der Partner aus Europa
und neun Prozent aus den USA. Hinsichtlich
der Gesamtzahl der biotechnologisch aktiven
Unternehmen und ihrer geografischen Verteilung stehen die Re-
gionen Katalonien (19%), Madrid (15%) und Andalusien (13%)
an der Spitze.
InternationaleUnternehmensetzenauf denStandort Spanien
Internationale Unternehmen setzen auf den Biotechnologie-
Standort Spanien. Die letzte große Investition wurde im Mai die-
ses Jahres von Novartis getätigt. Der Schweizer Pharmariese in-
vestierte 60 Millionen in den Ausbau seiner biopharmazeutischen
Produktionsanlage in Barberà del Vallès in Katalonien, die zukünf-
tig ausschließlich für die Produktion einer Reihe von Inhalatoren
genutzt wird. Zuvor hatte
der US-amerikanische
Pharmakonzern Eli Lilly an-
gekündigt, sowohl die Pro-
duktion als auch die For-
schungskapazitäten seiner
Tochterfirma in Spanien
weiter auszubauen. Das
Darmstädter Pharmaunter-
nehmen Merck forscht und
produziert seit 1989 im Be-
reich Biotechnologie in Tres
Cantos in der Region Ma-
drid. Im Jahr 2011 investierte
Merck zwei Millionen Euro,
um die Produktion zu erhö-
hen und die Qualitätssiche-
rung und Logistik zu verbes-
sern. Die Anlage in Tres Can-
tos ist führend bei der Produktion des menschlichen Wachs-
tumshormons r-hGH. Hundert Prozent der Produktion werden
exportiert. Darüber hinaus übernimmt der Standort Auftragsfor-
schung und -entwicklung. Innerhalb der Unternehmensgruppe
ist die Forschungs- und Produktionsanlage in Spanien eine Refe-
renz und Vorreiter für die Entwicklung von biotechnologischen
Prozessen.
Spanische Forscher veröffentlichen viel, patentieren aber
zu wenig
Zwar belegt Spanien europaweit Platz fünf, was die Anzahl veröf-
fentlichter biowissenschaftlicher Aufsätze in internationalen Fach-
zeitschriften angeht, doch bisher konnten die spanischen Wissen-
schaftler nur wenige ihrer Ideen in die Praxis umsetzen. Laut dem
globalen Biotechnologie-Report 2013 der Wirtschaftsprüfer Ernst
& Young liegt Spanien im europäischen Ländervergleich der klini-
schen Entwicklungs-Pipeline, in der Wirkstoffe zu Preparaten wer-
den, nur auf Platz acht. Als spanisches Erfolgsbeispiel schlechthin
gilt das Biotechunternehmen PharmaMar, das zur börsennotierten
Chemie- und Pharmagruppe Zeltia gehört. Sein Medikament Yon-
delis, das inzwischen in über 70 Ländern vertrieben wird, ist das
erste spanische Krebsmittel marinen Ursprungs. 2012 setzte die
Gruppe über 66 Millionen Euro mit dem Medikament um. Neben
PharmaMar haben spanische Biotechs wie Progenika und Neuron
Biopharma den Sprung in die USA geschafft. Andere Unterneh-
men wie Advancell oder Intelligent Pharma arbeiten mit amerika-
nischen Firmen zusammen.
Auf dem Vormarsch bei der grünen Biotechnologie
Auch in der Ernährungsindustrie macht Spanien große Fortschrit-
te. Über 80 Prozent des genetisch veränderten Maises innerhalb
der EU werden in Spanien auf 116.307 Hektar angebaut, darunter
auch von vielen internationalen Unternehmen wie dem Schweizer
Agrarkonzern Syngenta und dem US-Saatgutriesen Monsanto.
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economía
HISPANO-ALEMANA
mayo/junio/julio 2013
Foto: Morphosys
Foto: Morphosys