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economía

HISPANO-ALEMANA

Nº 2/2017

Als das Wort „Bio“ in den drei letzten Dekaden des vorigen Jahrhunderts in

das Bewusstsein der Öffentlichkeit trat, waren Öko-Pioniere und -Geschäf-

te mit Begriffen wie „Birkenstock“, „Politik statt Lebensmittel“, „ klein“

oder “alternativ“ verbunden. 2017 ist „Bio“ extrem professionalisiert

und in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das spiegelt sich

auch in der veränderten Struktur des Bio-Marktes wider.

Wo Bio im Regal steht, greifen die Kunden zu. Insbesondere die Vollsortimenter

des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) beflügelten durch größere Sortimente den Um-

satz. Der Bio-Umsatz des LEH wuchs um 14,6 Prozent auf 5,45 Milliarden Euro (2015:

4,76 Milliarden Euro). Der Naturkostfachhandel erzielte mit einem Umsatz von 2,85 Milliar-

den Euro ein deutliches Plus von 5 Prozent; inklusive Non-Food wuchs der Fachhandelsum-

satz sogar auf 3,21 Milliarden Euro. Auch die sonstigen Verkaufsplätze wie Reformhäuser, Bäcke-

reien oder der Versandhandel legten 2016 zu und erzielten einen Umsatz von 1,18 Milliarden Euro.

Insgesamt entfielen im Jahr 2016 58 Prozent des Bio-Umsatzes auf den LEH, 30 Prozent auf den Natur-

kostfachhandel und 12 Prozent auf die sonstigen Verkaufsstätten.

Bio-Produkte und insbesondere der Naturkostfachhandel (NKFH) genießen ein hohes Ansehen; Bio-Märkte stehen für Voll-

sortiment, Frische, Regionalität, Kundenfreundlichkeit, Kompetenz und Vielfalt. Laut einer aktuellen Marktstudie ist es für

den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) inklusive der Discounter umsatzschädigend, wenn kein „Bio“ angeboten wird. Kein Wun-

der also, dass auch Drogeriemarktgruppen ihr Öko-Geschäft ausbauen. 2016 führte der LEH inklusive Discounter und Droge-

riemärkten in rund 40.000 Verkaufsstätten deutschlandweit Bio-Produkte und bot damit ein nahezu flächendeckendes,

wohnortnahes Angebot für einen Basis-Bio-Einkauf an.

Neben dem Trend im LEH zum Ausbau des Bio-Angebots kommt es außerdem zunehmend zur Filialisierung der Naturkost-

fachgeschäfte. Von den 2.560 registrierten Geschäften sind mittlerweile 25 Prozent einer Kette oder einem Franchisessystem

angehörig. Die Dynamik erinnert an die Entwicklung der Handelslandschaft in den 70er Jahren, als die kleinen „Tante-Emma-

Läden“ den Supermärkten weichen mussten.

Der Marktanteil der großen Player des LEHs im Bio-Segment nimmt daher stark zu. Diese Entwicklungen machen auch vor der

gesamten Lieferkette nicht halt, da diese gefordert ist, immer größere Mengen zu möglichst niedrigen Preisen zu liefern. Da-

her sind viele Hersteller heute nicht mehr nur Markenartikler, sondern produzieren auch für die großen Ketten des LEH. Auf

Grund des steigenden Wettbewerbsdrucks sind diese wiederum bestrebt, direkte Lieferbeziehungen über längere Laufzeiten

mit garantierten Einkaufspreisen einzugehen. Diese neuen Spielregeln in der Biolandschaft sind auch von den spanischen

Anbietern zu beachten, um weiterhin in Deutschland erfolgreich sein zu können.

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