CCA_3_2014 media - page 32

Wirtschaft
Aktuell
Die fünftgrößte Volkswirtschaft der EU schreibt wieder positive Schlagzeilen. Die
makroökonomischen Prognosen sind im Verlauf des ersten Halbjahrs 2014 von
allen Institutionen nach oben korrigiert worden. Nahe beieinander liegen die EU-
Kommission und die spanische Regierung. Sie erwarten für das Gesamtjahr einen
BIP-Zuwachs von 1,1 Prozent beziehungsweise 1,2 Prozent. Für 2015 ist die EU-
Kommission mit 2,1 Prozent optimistischer als die Regierung, die 1,8 Prozent vor-
hersieht.
In seiner neuen Stärke ist der Exportsektor der Inbegriff für den Wandel des spa-
nischen Wirtschaftsmodells: Von einer einseitigen, auf die Bauwirtschaft und die
Binnennachfrage ausgerichteten Volkswirtschaft mit hohen außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichten hin zu einem exportgetriebenen Wachstumsmodell. Diese
Metamorphose lässt sich an Zahlen ablesen: Während das Gewicht des Bausektors
von 15 Prozent am BIP 2008 auf aktuell sieben Prozent geschrumpft ist, hat der
Anteil der Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen am BIP von 25 Prozent auf
35 Prozent zugenommen. Noch 2007 hatte Spanien das höchste Leistungsbilanz-
defizit der Welt mit -10 Prozent gemessen am BIP; binnen weniger Jahre kippte
2013 dieser Trend in ein Plus von 0,8 Prozent. Dazu trug auch der Dienstleistungsex-
port in Form des boomenden Tourismus bei. Trotz anziehender Importe soll die
Leistungsbilanz auch 2014 und 2015 positiv schließen.
Mit Hilfe verschiedener Programme will die Regierung dazu beitragen, diese
neuen Trends strukturell zu verstetigen. Im Juni stellte sie einen Maßnahmenplan
für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz vor. Die Stichworte lauten:
Fiskalkonsolidierung, Industrialisierung, Internationalisierung, Innovation, Ver-
besserung der Finanzierungsbedingungen, der Energieeffizienz und der Basisin-
frastruktur. Unter Einbindung von staatlichen Programmen, privaten Geldern
und neuer EU-Fördermittel kommt mit 6,3 Milliarden Euro einer hoher Betrag
zusammen, der in diesen Bereichen katalysierend wirken soll. Vorgesehen sind
neue Kreditlinien der Förderbank ICO für 2015 in Höhe von 25 Milliarden Euro
(+25 Prozent gegenüber 2014 und +80 Prozent gegenüber 2013). Ein mit jährlich
350 Millionen Euro aus den EU-Strukturfonds ausgestatteter Nationaler Ener-
gieeffizienz-Fonds soll entsprechende Investitionen in Gebäude, Transport, In-
dustrie, im Dienstleistungs- und Landwirtschaftssektor finanzieren.
Das Vertrauen in den Erholungsprozess der spanischen
Wirtschaft wächst. Nach einer schweren Rezession wird das BIP
2014 mit 1,2 Prozent stärker expandieren als ursprünglich
erwartet. Die anziehende Binnennachfrage schlägt sich in
steigenden Einfuhren nieder, Geschäftschancen mit Spanien
nehmen zu.
Wirtschaftstrends
in Spanien zur
Jahresmitte 2014
Miriam Neubert,
Repräsentantin der Germany Trade
and Invest GmbH für Spanien
und Portugal
32
economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 3/2014
1...,22,23,24,25,26,27,28,29,30,31 33,34,35,36,37,38,39,40,41,42,...100
Powered by FlippingBook