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economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 4/2017
inneren Abwertung von Löhnen und Preisen. Den ist Spanien ge-
gangen. Die Lohnstückkosten sinken seit 2010, haben 2015 eine
Pause eingelegt, um 2016 erneut abzunehmen, laut dem Wirt-
schaftsanalysedienst Funcas um -0,4 Prozent gegenüber dem
Vorjahr. Das hat die Exportfähigkeit vieler Unternehmen und die
Attraktivität des Standorts Spanien gestärkt, die soziale und re-
gionale Unzufriedenheit aber geschürt.
Wettbewerbsfähig zu sein, heißt aber nicht nur in der internatio-
nalen Konkurrenz zu bestehen, obwohl dieser Aspekt häufig im
Vordergrund steht. Wettbewerbsstärke kündet auch von der Zu-
kunftsfähigkeit einer Volkswirtschaft, ob sie in der Lage ist, durch
Zuwächse der Produktivität fortdauernden Wohlstand zu erzeu-
gen, bestehende wirtschaftliche Missverhältnisse zu korrigieren,
Krisen flacher zu halten und ein Wachstum zu generieren, das Tei-
le der Bevölkerung und die Umwelt nicht außen vor lässt.
Spanien und seine Regionen im internationalen Vergleich
Mehrere internationale Rankings untersuchen unter diesen As-
pekten die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern. Der Global Com-
petitiveness Index (GCI) des Weltwirtschaftsforums etwa bewer-
tet Faktoren und Institutionen, die für Verbesserungen der Pro-
duktivität entscheidend sind. Wobei Produktivität als essentiel-
ler Faktor für Wirtschaftswachstum und Wohlstand gilt.
Der Ende September vorgestellte GCI 2017/18 stellt Spanien auf
Platz 34 von 137 Ländern, was gegenüber demVorjahr ein leichtes
Absinken um zwei Positionen bedeutet. Als größte Stärken ent-
puppen sich unter den zwölf untersuchten Oberkategorien die In-
frastruktur (Position 12), Marktgröße (17), Technologiebereitschaft
(28), aber auch das Bildungswesen (28), dank der hohen Einbin-
dung in Sekundär- und Tertiärbildung sowie der Qualität der Ma-
nagementschulen. Schwächen birgt besonders wegen der hohen
Staatsverschuldung und des Haushaltsdefizits das makroökono-
mische Umfeld (90). Auch die Effizienz des Arbeitsmarkts (70) und
die Entwicklung der Finanzmärkte (68) schneiden nicht zufrieden-
stellend ab. Am problematischsten werden genannt: eine ineffi-
ziente Regierungsbürokratie, die Steuersätze, restriktive Arbeits-
regulierungen, eine unzureichende Innovationsbereitschaft und
der Zugang zu Finanzierung. Hier zeigen sich Ansatzpunkte für po-
litisches Handeln, um in Sachen Wettbewerbsfähigkeit zu den Na-
tionen an der Spitze aufzuschließen, in diesem Fall die Schweiz,
USA, Singapur, Niederlande und Deutschland.
Wie sieht es in den Regionen aus? Aufbauend auf dem Ansatz des
GCI untersucht die Europäische Union seit 2010 alle drei Jahre die
Wettbewerbsfähigkeit der 263 Regionen in Europa. Definiert wird
diese als die Fähigkeit einer Region, seinen Firmen und Bewoh-
nern ein attraktives und nachhaltiges Umfeld zum Leben und Ar-
beiten zu bieten. In dem im Februar 2017 vorgestellten Index
schaffen es nur die Region Madrid und das Baskenland auf eine
Wettbewerbsstufe über dem EU-Schnitt. Im Durchschnitt befindet
sich die Region Navarra, leicht darunter Katalonien. "Es sind die
vier autonomen Gebietskörperschaften, die am nachdrücklichsten
auf eine wissensbasierte Wirtschaft setzen", schreiben Fundación
BBVA und Ivie in einer Analyse. Aber selbst diese Regionen, die in
Spanien in Sachen Wettbewerbsfähigkeit die Vorreiter sind, wei-
sen im Vergleich mit den europäischen Spitzenregionen Schwä-
chen auf. Die Umorientierung des Produktionsmodells müsse da-
her von Maßnahmen ausgehen, die wesentliche regionale Brem-
sen bei der Wettbewerbsfähigkeit korrigieren, so die Autoren. Da-
zu zählen sie die Qualität der Institutionen, das Infrastrukturnetz,
die verfügbaren Humanressourcen, eine Qualifizierung der Unter-
nehmer und Innovationsanstrengungen.
Titelthema
Spaniens Position in internationalenRankings
Rank
Anzahl
der Länder
The Travel & Tourism Competitiveness (TTCI)
1
14
Environmental Performance Index
6
180
Logistics Performance Index (LPI)
23
160
Global Connectedness Index
23
140
Venture Capital & Private
Equity Country Attractiveness Index
26
125
Corruption Perceptions Index (CPI)
41
176
Global Innovation Index
28
128
Global Entrepreneurship Index
33
138
Networked Readiness Index (NRI)
35
139
Global Talent Competitiveness Index
35
118
Human Capital Index (WEF)
44
130
Index of Economic Freedom
69
180
Health-Care Efficiency Index
3
55
Digital Economy and Society Index
14
28
Global Manufacturing
Cost-Competitiveness Index
25
40
Innovation Scoreboard
24
36
International Tax Competitiveness Index
27
35
Quelle: Círculo de Empresarios (Barómetro)
Foto: Telefónica




