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Titelthema

24

economía

HISPANO-ALEMANA

Nº 4/2017

Spaniens Wirtschaft bindet auf diese Weise viele Ressourcen in

weniger produktiven und eher national ausgerichteten Firmen-

strukturen. Die größten Zugewinne bei der Arbeitsproduktivität

zeigen sich beim Sprung von der Kategorie der Mikrounterneh-

men in die Kategorie der Kleinunternehmen. Noch entscheiden-

der ist die Größe bei den Innovationsprozessen. So führen 39

Prozent der Großunternehmen technologische Innovationen

durch, gegenüber 22 bei den mittleren und nur 9 Prozent der

Kleinsten. Der Großteil der ausländischen Niederlassungen ist in

der Landschaft mittlerer und großer Dimension angesiedelt.

Der Lackmustest ist der Markt

Das Paradigma der Wettbewerbsfähigkeit unterscheidet sich für

spanische mittelständische, manche kleine und die Großunter-

nehmen also nicht wesentlich von dem anderer internationaler

Wettbewerber ihrer Klasse: produktive Mitarbeiter, produktive An-

lageinvestitionen, Kreativität, Markenbildung, Exzellenz, Innovati-

on, Kundenorientierung, Qualifizierung auch der Führungskräfte,

Digitalisierung, Effizienz, Internationalisierung. Vorausetzungen

sind finanzielle Solidität und der Zugang zu Finanzierung. Der

Lackmustest ist der Markt. Eine Menge mittelgroßer spanischer

Firmen sind von der Krise auf dem falschen Fuß erwischt worden,

sei es durch ihre Überschuldung, als Zulieferer der Baubranche,

durch eine unflexible Geschäftsstrategie, die Konzentration auf

den Binnenmarkt, der wegbrach, die Abhängigkeit von Finanzie-

rung, die über einige Jahre versiegte. Daduch ist ihr Bestand ge-

schrumpft, ein Trend, der erst mit der Konjunkturwende 2013 en-

dete. Diejenigen, die das lange und harte Konjunkturtal durch-

standen, entwickeln sich positiv, haben im Schnitt einen höheren

Vermögenswert, weniger Schulden, eine bessere Rentabilität,

mehr Umsätze als 2010 und ihre Produktivität ist größer. Gemes-

sen als Umsatz pro Mitarbeiter erreichte diese 2014 laut dem Mit-

telstandsbericht mit im Schnitt 262.620 Euro ihren höchsten Wert

seit der Krise und überstieg damit sogar das der spanischen Groß-

unternehmen (250.000 Euro).

Will aber die spanische Volkswirtschaft insgesamt wettbewerbsfä-

higer werden, muss sie ihre vielen Kleinst- und Kleinunternehmen

zumWachsen animieren, zugleich ein Milieu für vielversprechen-

de Gründer und Startups und überhaupt ein unternehmerfreundli-

ches Umfeld bilden. Unterstützt durch EU-Fördermittel und EIB-

Darlehen können KMU in Spanien auf verschiedene Programme

zurückgreifen. Mit 10 Milliarden Euro an zugesprochenen EIB-Dar-

lehen war das iberische Land im Jahr 2016 der größte Förder-

empfänger. Zwei Drittel dieser Mittel kamen KMU-Projekten zu

Gute. Es ist aber nicht nur eine Sache von Geld. "Wir haben 130 Re-

gulierungen ausgemacht, die mit der Unternehmensgröße zu tun

haben", stellte Ministerpräsident Mariano Rajoy in Vorbereitung ei-

ner Strategie zum Unternehmenswachstum fest, welches die spa-

nische Wettbewerbsfähigkeit verbessern soll. In der Tat nimmt die

Regulierungsdichte bei bestimmten Schwellenwerten zu (etwa bei

6 Millionen Euro oder 50 Angestellten). Schon länger fordert die

Wirtschaft daher, diese Referenzschwellen, die es steuerlich, ar-

beitsrechtlich und verwaltungstechnisch gibt, zu erhöhen.

Trotz mancher Behinderungen gelingt es Unternehmen immer

wieder, zu mittlerer Größe aufzurücken; zum Teil war das sogar

mitten in der Rezession der Fall. Vier von ihnen finden sich in der

Auswahl TOP 50 des spanischen Mittelstands, die der Círculo de

Empresarios einmal im Jahr als Erfolgsbeispiele vorstellt. Neu

aufgenommen durch den Sprung in die mittlere Unternehmens-

größe wurden 2016 die sehr internationalisierte Lebensmittel-

großhandelsgesellschaft Unión Martín mit Sitz in Las Palmas

und das Nahrungsmittel verarbeitende und konservierende Un-

ternehmen José Baringo aus Valencia. Wiederholt im Ranking

sind die Textilunternehmen Hallotex mit Sitz in Barcelona und

Fertigung in Tanger und HiTex, die ebenfalls 2010 noch zu den

Kleinen zählten. Die TOP 50 stehen für Dynamik, Internationali-

sierung, Innovationsaktivität und überdurchschnittliche Produk-

tivitätszuwächse. Sie weisen die notwendige finanzielle Muskel-

kraft auf und überrunden ihren jeweiligen Branchendurchschnitt

von vielen Ergebnissen her deutlich. Eine inspirierende Liste.

Während externe Wettbewerbsverluste in der Voreurozeit

durch Abwertungen der nationalen Währung ausgeglichen

werden konnten, blieb im Korsett des Euro allein der Weg der

EntwicklungdesGewichts der Betriebsgrößen imeuropäischenVergleich

(Anteil in%ander Gesamtzahl der Unternehmen)

2010 2016

1)

Mikro

Klein

Mittel

Groß

Mikro

Klein

Mittel

Groß

(0-9)

(10-49)

(50-249)

(250+)

(0-9)

(10-49)

(50-249)

(250+)

Spanien

93,8

5,4

0,7

0,1

94,6

4,7

0,6

0,1

Deutschland

82,2

14,7

2,6

0,5

82,4

14,5

2,6

0,5

Frankreich

94,2

4,8

0,8

0,2

94,3

4,7

0,7

0,1

Italien

94,6

4,8

0,5

0,1

95,0

4,4

0,5

0,1

Vereinigtes Königreich 89,2

8,8

1,6

0,4

89,2

9,0

1,5

0,3

1)

2016: Schätzungen Eurostat

Quelle: Círculo de Empresarios (La empresa mediana española 2015) auf der Basis von Eurostat-Daten