Innerhalb
weniger Stunden leg-
te am Freitag, dem 13. Mai, ein Compu-
tervirus die halbe Welt lahm. Auf mehr
als 350.000 Computern in mehr als 180
Ländern wurden alle gespeicherten Da-
teien verschlüsselt und für die Ent-
schlüsselung ein Lösegeld verlangt.
„WannaCry“ wurde zum Wendepunkt
für die Cyber-Security-Branche: Plötz-
lich stand die Computer- und Netzsi-
cherheit nicht nur im Mittelpunkt der
Berichterstattung durch die Medien,
sondern wurde auch zum zentralen Fo-
kus der Tätigkeit und Besorgnis großer
und kleiner Unternehmen.
2016: Explosionsartiger Anstieg der
Ransomware
Die Daten des Nationalen Instituts für
Cyber-Security (Incibe) zeigen deutlich,
wie real das Problem ist. Nach Angaben
des Instituts haben sich die Vorfälle im
Bereich der Cyber-Security in Spanien
von 60.400 im Jahr 2015 auf 115.000 im
Jahr 2016 nahezu verdoppelt. Die Zahlen,
die in den ersten Monaten des laufenden
Jahres registriert wurden – 60.000 Vorfäl-
le waren es bis zum 30. Mai – lassen ver-
muten, dass 2017 ein neuer historischer
Rekord erreicht wird.
Experten sind einstimmig der Meinung,
dass so etwas wie Unverletzlichkeit im Be-
reich der Computersicherheit nicht exis-
tiert. „Die Frage ist nicht, ob man eine Cy-
berattacke erleiden wird, sondern wann –
und ob wir dann ausreichend darauf vorbereitet sein werden, um
die Auswirkungen einzudämmen und den Betrieb so schnell wie
möglich wieder aufzunehmen“, warnte Alberto Hernández, Ge-
schäftsführer von Incibe, auf der Konferenz „Cyber-Security und
Kommunikation“, die Dircom am 27. Juni in der Madrider Ge-
schäftsstelle der Deutschen Handelskammer für Spanien organi-
sierte.
Das Ziel der Cyberattacken, die größtenteils von ausländischen
Servern aus gesteuert werden, ist vor allem finanzieller Gewinn,
aber auch der Zugriff auf die Benutzerkonten der Führungskräfte
in den betroffenen Firmen, um Informationen oder gar ihre Iden-
tität zu stehlen. „Heutzutage zielt die
Malware
– schädliche Soft-
ware – vor allem darauf ab, unsere Daten zu verschlüsseln und
ein Lösegeld dafür zu verlangen, das ist die sogenannte
Ran-
somware
, oder aber still im Hintergrund der Systeme zu verblei-
ben, um Informationen zu stehlen,“ erklärt Alberto Hernández.
„Bei Incibe entdecken wir jeden Tag 100.000 von einer Schad-
software befallene Netzwerke und informieren dann die Betrof-
fenen darüber.“
Hinter diesem stetigen Wachstum der Malware steckt in hohem
Maße die Ausbreitung des Schwarzmarktes für die sogenannte
„Malware als Dienstleistung“: Infrastrukturen, die das Anmieten
von
Botnets
ermöglichen, Baukästen für
Exploits
anbieten oder
Konfiguratoren für Malware, um etwa einen Angriff mit Ransom-
ware zu starten.
Dem Bericht „State of Malware 2017“ zufolge erlebte diese Art
von Cyberattacke, in der Information „gekidnappt“ und Lösegeld
gefordert wird, im Lauf des Jahres 2016 einen Anstieg um 267
Prozent, wobei 400 neue Variationen und 62 neue „Familien“
von Computerviren auftauchten. Dadurch ist
Ransomware
schon
jetzt nicht nur die Art von Malware, die sich am schnellsten wei-
terentwickelt, sondern auch die rentabelste der Geschichte, da
sich ihre Gewinne von Jahr zu Jahr verdoppeln.
19
economía
HISPANO-ALEMANA
Nº 3/2017
Foto: Grupo Oesia
Bekanntgewordene Cybervorfälle
* Januar - April 2017
Quelle: INCIBE (Instituto Nacional de Ciberseguridad)
600 -
500 -
400 -
300 -
200 -
100 -
0 -
63
2014
134
2015
479
2016
247
2017*




