Revista CCA 2-2020 web v.22 junio
42 economía HISPANO - ALEMANA Nº 2/2020 Für deutsche Unternehmen gilt Spanien als attraktiver Nie- derlassungsstandort, sowohl für die Produktion als auch als Absatzmarkt. Es stechen vor allem das gute Hochschul- ausbildungs- und Motivationsniveau der Mitarbeiter, der allgemein hohe Lebensstandard und die gute Infrastruktur hervor.Welche Auswirkungen hat Covid-19 auf den Standort Spanien? Hat Spanien die Möglichkeit, bei einer denkbaren zukünftigenNeuausrichtungauf kontrollierbare Lieferketten innerhalb Europas verstärkt zum Zug zu kommen? Die positive Entwicklung bei Investitionen und Beschäftigung der deutschenUnternehmen inSpanienbiskurz vor demAusbruchder Covid-Pandemie zeigt das Ansehen, welches sich Spanien als Nie- derlassungsstandort in den letzten Jahrzehnten in der deutschen Wirtschaft erarbeitet hat. Unsere alle zwei Jahre durchgeführten Konjunkturumfragen haben dies immer bewiesen, unterstreichen sie doch neben den von Ihnen angesprochenen Standortfaktoren die gute Produktivität der spanischen Arbeitnehmer, die hohe Lebensqualität und den sozialen Frieden im Land. Covid-19 bedeutet auch hier einen markanten Einschnitt, der uns aber als Vertreter von international agierenden Unternehmen auf zweierlei Weise reagieren lassen muss. Einerseits müssen wir innerhalb unserer Unternehmensgruppen ein starkes Wort für Spanien als Standort einlegen und andererseits unserenWeg der kontinuierlichen Produktivitätssteigerung fortsetzen. Digi- talisierung, Vernetzung, Smart Factory und Industrie 4.0 dürfen keine reinen Schlagwörter bleiben, sondern, wie dies bereits in vielen Betrieben der Fall ist, gelebte Realität werden. Doch Covid-19 könnte auch weitreichendere Folgen für den Stand- ort Spanien haben. Bereits lang vor dem Ausbruch der aktuellen Pandemie sind die Spannungen zwischen den Wirtschaftsblöcken USA und China eskaliert. Ein gefährlicher Trend zur mehr Protektio- nismus, gar einer Deglobalisierung wurde sichtbar. Dies führt auch innerhalb der Europäischen Union zu Überlegungen, wie Lieferket- ten, etwa mit näheren Produktionsstätten in Süd- und Osteuropa, weniger krisenanfällig und kontrollierbarer gemacht werden könn- ten. Und vergessen wir dabei auch nicht das Thema der strategi- schen Reserven in so entscheidenden Bereichen wie dem Gesund- heitswesen. Diese und weitere Fragen werden sich zunehmend für Spanien als attraktivenWirtschaftsstandort stellen. Spaniens Regierung handelte in der Krise prompt und ver- abschiedete unter anderemMaßnahmen wie weitgehende Kurzarbeit und Kredithilfen für Unternehmen. Auch So- forthilfen für Selbständige wurden auf den Weg gebracht. Waren bzw. sind diese Maßnahmen ausreichend, und wie lauten Ihre Forderungen an die öffentliche Hand auf natio- naler und europäischer Ebene? Nicht nur die AHK Spanien selbst, sondern auch viele unserer Mit- gliedsunternehmenaus der IndustrieunddemDienstleistungssektor haben glücklicherweise von Kurzarbeit, in der spanischen Arbeitsge- setzgebung als ERTE bekannt, Gebrauch machen können. Ein wirk- lich sinnvolles Instrument gegen den sonst drohenden Arbeitsplatz- abbau. Die gewaltige Zahl von rund 4 Millionen Arbeitnehmern, für die Kurzarbeit beantragt wurde, zusätzlich der Hilfen für über eine Million Selbständige, haben aber leider und aufgrund der Außerge- wöhnlichkeit durchaus verständlich die öffentliche Verwaltung voll- kommen überfordert. Die Folge war vielmals dieVerzögerung bei der Auszahlung der Leistungen und andere bürokratische Hindernisse. Es scheint mir auch sinnvoll, dass die Kurzarbeit über die theoreti- scheBeendigungdesAlarmzustandshinausbis zum30. Juni verlän- gertwurdeundsomit denUnternehmennochetwasSpielraumgibt. Leider wird dies aber nicht verhindern, dass laut der Berechnungen der spanischen Behörde für Steuerverantwortung (Autoridad Inde- pendiente de Responsabilidad Fiscal AIReF) 30% der in Kurzarbeit befindlichen Arbeitnehmer – das sind immerhin 1,2Millionen - nach Ablauf der Frist direkt in die Arbeitslosigkeit wechseln werden. Die anfängliche Kritik Spaniens und Italiens an der Europäischen Kommission, zu wenig Unterstützung bei der Bekämpfung der Pandemie bekommen zu haben, ist mittlerweile durch den von der Kommission beschlossen Wiederaufbauplan einer anerken- nenden Genugtuung gewichen. Spanien ist in diesem Plan mit nicht rückzahlbaren Zuwendungen von 77 Milliarden Euro und mit weiteren 63 Milliarden Euro an Krediten berücksichtigt. Hierbei appelliert die AHK Spanien an die Regierung des Landes, diesen europäischen Aufbauhilfen i.S. der Vorgaben aus Brüssel einen anspruchsvollen nationalen Pakt für Industrie und Energie- wende mit auf den Weg zu geben. Dieser Pakt sollte eine mittel- bzw. langfristige Industriestrategie für Spanien beinhalten, die vor allem auf Innovation und Technologien der Zukunft setzt. Darüber hinaus ist es unerlässlich, auf europäischer Ebene Maßnahmen zu ergreifen, um den Zugang zu Energie zu erschwinglichen Prei- sen zu gewährleisten und die Nachhaltigkeit und Wettbewerbs- fähigkeit der spanischen Industrie zu sichern. Hierbei ist es für Spaniens Unternehmens- und Industriestruktur unerlässlich, die Standort Spanien
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