Revista CCA 2-2020 web v.22 junio
41 economía HISPANO - ALEMANA Nº 2/2020 Herr González, noch Anfang Februar gaben bei der von der AHK Spanien durchgeführten Konjunkturumfrage rund 84% der deutschen Unternehmen an, zufrieden mit ihren Geschäftsergebnissen auf dem spanischen Markt zu sein. Veröffentlicht wurde die Umfrage dann trotz der allgemein durchaus positiven Ergebnisse nicht, da zwischenzeitlich ganz Spanien in den Covid-Lockdown gefallen war und die Daten jeglichen Bezug zur neuen Realität verloren hatten. Vielmehr zeichnete eine weitere Expressumfrage bei denselben Unternehmen im April ein gegenteiliges Bild mit düsteren Einschätzungen zu Umsätzen, Investitionen und Beschäftigung. Können Sie uns in Ihrer Doppelfunktion als Präsident der AHK Spanien und Vertreter eines wichtigen deutschen Unter- nehmens eine Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Spanien geben? Zur Beantwortung ihrer Frage verfügen wir in der AHK Spanien wohl über eine der qualifiziertesten Quellen, und das sind unsere Mitglieder mit ihrer absoluten Nähe zum Markt. Die von Ihnen angesprochene Umfrage vom April offenbart den Ernst der Lage: Knapp über 70% der befrag- ten Unternehmen sehen nach Ausbruch von Covid-19 in den kommenden zwölf Monaten eine Verschlechterung ihrer Geschäfte, während es im Januar nur 12,5% waren. Ähnlich düster sieht es bei den Investitionen aus. Während im Janu- ar nur 22% an die Reduktion oder das Aussetzen von Inves- titionen dachten, waren es im April bereits 77%. Und auch bei der Beschäftigung zeigt sich kein viel besseres Bild. Die seit der letzten Krise 2008 mühsam zurückgedrängte und noch immer zu hohe Arbeitslosenrate von 13% wird wahr- scheinlich bis Ende des Jahres auf um die 20% steigen. Und mittlerweile lässt sich unsere punktuelle Pulsnahme von Anfang April auch schon in Zahlen fassen. Die spanische Regie- rung geht in einer Prognose vom Mai von einem Rückgang des BIP von 9,2% für dieses Jahr aus, andere Quellen sprechen so- gar von -15%. Im Januar war noch ein Wachstum von 2% prog- nostiziert worden. Und während das Haushaltsdefizit ebenfalls von 2,4 auf 10,3% steigt, werden sowohl der Export als auch der Import von einem Rückgang um rund 30% betroffen sein. Besonders hart trifft es dabei zwei Branchen, die gemeinsam mit über 22% des BIP von äußerster Bedeutung für die spani- sche Wirtschaft sind: den Tourismus und die Automobilbran- che. Wir dürfen nicht vergessen, dass Spanien der zweitgrößte Hersteller von Fahrzeugen in Europa ist. Einen Lichtblick bietet dann schon eher das Jahr 2021. Es wird von einer Erholung ausgegangen, wobei das BIP um fast 7%, der private Konsum um etwas unter 5% und der Außenhandel um 10% steigen werden. Vor-Covid-Niveau werden wir aber 2021 sicher noch nicht erreichen. Das Panorama - ähnlich wie in Italien oder Frankreich - lässt sich also nicht schön reden. Es wird vor allem darauf ankom- men, sowohl seitens der öffentlichen Hand auf nationaler und europäischer Ebene, als auch seitens unserer Unternehmen eine gut austarierte Antwort zu finden, um weitere Standort- schließungen und -verlagerungen zu verhindern, um somit 2021 gut vorbereitet in die Erholungsphase zu starten. Viele Vergleiche sind umdie Corona-Krise bislang angestellt worden, historische und wissenschaftliche, aber keine kommt der aktuellen Situation wirklich gleich. MitteMärz zwang die Covid-19 Pandemie die Geschäftsführung der AHK Spanien, die gesamte Belegschaft ins home office zu schicken und die Büros inMadrid und Barcelona für den Publikumsverkehrs zu schließen. Nichtdestotrotz wurden alle Dienstleistungen ohne Unterbrechung telematisch weitergeführt. Dies galt auch für dieMehrzahl der geplanten Veranstaltungen, die durch ein entsprechendes Online-Angebot ersetzt wurden. Die aktuelle Krise fällt in die Präsidentschaft von Javier González Pareja, der seit Juni 2018 an der Spitze der AHK Spanien steht. González Pareja leitet seinerseits als Präsident von Bosch Spanien und Portugal eines der Aushängeschilder der deutschen Industrie in Spanien. Bereits seit 1908 in Spanien vertreten, beschäftigt Bosch heute in den eigenen Produktionsstätten, dem Vertrieb und der Verwaltung landesweit rund 8.400 Mitarbeiter.
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