Revista/Zeitschrift Economia Hispano-Alemana 05-2018/01-2019
76 economía HISPANO - ALEMANA Nº 5/2018 - 1/2019 Portugal im Blick Allgemeine Arbeitsmarktdaten 2017 1) Bevölkerung (in 1.000) 10.291 Erwerbspersonen (15 Jahre und älter, in 1.000) 5.219 Erwerbstätige (15 Jahre und älter, in 1.000) 4.757 Erwerbslose (15 Jahre und älter, in 1.000) 463 Arbeitslosenquote, offizielle (in %) (nach ILO-Definition) 8,9 Analphabetismus (2011, in %) 2) 4,7 Universitätsabschluss (Fachhochschul- und Hochschulabschluss unter den Erwerbspersonen in %) 25,2 1) Jahresdurchschnitt, vorläufig; 2) bezogen auf Durchschnittsbevölkerung im Jahr 2011 Quellen: INE Portugal 2. Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14,4 Prozent auf 69.200 Personen. Dies entsprach einer Quote von 19,4 Prozent an den jungen Erwerbspersonen (Jugendliche bis 24 Jahre, ohne Berücksichtigung von Schülern, Studierenden und Auszubildenden). Die Lang- zeitarbeitslosigkeit ging auf 3,5 Prozent weiter zurück. Sie gibt den Anteil derer an der Zahl der Erwerbsperso- nen an, die seit mindestens zwölf Monaten eine Arbeit suchen. In dieser Situation befand sich etwas mehr als die Hälfte der Arbeitslosen. Die Bereitschaft der Unternehmen neue Mitarbeiter einzustel- len war 2018 besonders hoch. Werkserweiterungen und Neu- ansiedlungen ausländischer Investoren schufen zusätzlichen Bedarf an Arbeitskräften. Die meisten Einstellungen planten die Bereiche Tansport, Logistik und Telekommunikation (+20 Prozent), Energie- und Wasserwirtschaft (+18 Prozent), Groß- und Einzelhandel (+12 Prozent), das Finanz-, Versicherungs- und Immobilienwesen (+10 Prozent). Suche nach Fachkräften gestaltet sich schwierig Von Arbeitgeberseite sind vor allem Vertriebs- und Marketing Spezialisten, Ingenieure, Industrie- und Produktionsmana- ger, Techniker, sowie IT-Profis und Logistikexperten gefragt. Portugal ist nicht nur ein Nearshore-Standort für Servicezen- tren, sondern zieht zunehmend Zentren für Technologie und Ingenieursdienstleistungen an. Das führt auf der Suche nach qualifiziertem Personal in manchen Segmenten zu Engpässen. Daher kann es sich für Unternehmen auszahlen, schon früh mit Universitäten zusammenzuarbeiten, um geeignete Mitarbeiter zu identifizieren. Personaldienstleister Hays stellte in seiner Arbeitsmarktstudie 2018 fest, dass 84 Prozent von über 700 befragten Unternehmern bei der Suche nach geeigneten Fach- kräften auf Schwierigkeiten stießen. Das war besonders in der Region Norden, zum Teil auch Zentrum der Fall. Häufig müssen weniger passende Mitarbeiter gewählt werden. Am schwierigs- ten zu besetzen sind der Umfrage zufolge kaufmännische Profi- le, IT-Spezialisten und Ingenieure. Im 2. Quartal 2018 gab es laut Eurostat 27.906 Vakanzen in Portugal. Ihre Quote an der Gesamtzahl der besetzten und of- fenen Arbeitsplätze rangierte mit 0,9 Prozent am unteren Ende. Am oberen Ende der Skala standen die Tschechische Republik (5,4 Prozent), Belgien (3,5 Prozent), die Niederlande (3,1 Pro- zent) und Deutschland (2,9 Prozent). Im Durchschnitt der Euro- päischen Union (EU) waren es 2,2 Prozent. Duale Ausbildung auch für Portugal Vorbild Auch mit Anleihen bei Deutschlands Erfolgssystem Duale Ausbildung ist seit 2008 das berufliche Ausbildungsangebot gestärkt und erweitert worden. Seit August 2009 gilt eine erweiterte Schulpflicht bis 18 Jahre oder Abschluss des 12. Schuljahres. Eine grundlegende, dreijährige Lehrausbildung enthält inzwischen nach dualem Prinzip 40 Prozent Praxisan- teil in Unternehmen. Ein Vorreiter der dualen Ausbildung ist die AHK Portugal. Sie führt seit über 30 Jahren in Zusammenarbeit zunächst mit deutschen, mittlerweile vielen portugiesischen Unternehmen im Land berufliche Aus- und Weiterbildungsak- tivitäten unter der Marke Dual in drei Berufsbildungszentren in Lissabon, Porto und Portimão durch. Wegen des Fachkräfte- mangels unternehmen die Firmen zum Teil erhebliche Anstren- gungen der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Das schlägt sich positiv im Engagement der Mitarbeiter nieder, ihrer Loyalität, Leistungsbereitschaft und Produktivität. Die Arbeitsgesetzgebung lässt flexible betriebsinterne Rege- lungen zu. Deutsche Betriebe haben in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen mit der Einbindung der Arbeitnehmervertre- ter sowie generell mit einem offenen Kurs gegenüber der Ge- samtbelegschaft gemacht. Zugleich suchen die Gewerkschaf- ten Einfluss zurückzugewinnen, der in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Die Zahl der Streiks hat 2017 zugenommen, wie aus dem Jahresbericht der Generaldirektion für Arbeit und Arbeitsbeziehungen DGERT hervorgeht. Schlagzeilen machte der Arbeitskonflikt im Automobilwerk Volkswagen Autoeuro- pa, wegen Schichtproduktion am Wochenende. Er konnte im Herbst 2018 beigelegt werden.
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