Revista-CCA-4-2018-web

31 economía HISPANO - ALEMANA Nº 4/2018 Welche Vorteile bietet die duale Berufsausbildung den Unternehmen? Welche Berufe werden derzeit auf dem Arbeitsmarkt besonders gesucht? Obwohl die duale Berufsausbildung zunächst eine Investition dar- stellt, könnenUnternehmendarausunschätzbarenNutzen ziehen. Indie Zukunft gedacht bietet es Betriebendie einzigartigeChance, ihren eigenen qualifizierten Nachwuchs – in kleineren Firmen teils sogar die oftmals kritische Unternehmensnachfolge – sicherzu- stellen. Viele Unternehmen in Spanien sehen das ganz genau so, und das Land ist, was die Akzeptanz und die Verbreitung dualer Berufsausbildung betrifft, in den letzten sechs Jahren mächtig vo- rangeschritten. Aktuell nimmt der spanische Arbeitsmarkt verstärkt technische Berufe auf: Mechatroniker, Mechaniker, Elektroniker der Auto- matisierungstechnik. Sehr gesucht sind auch Programmierer und IT-Techniker; dieser Trend wird aufgrund der Digitalisierung auch noch länger anhalten. Dabei ist in dualen Projekten die Übernah- mequote generell höher als in der klassischen spanischen Berufs- ausbildung. In den dualen Projekten der AHK Spanien beträgt die Ü b e r n a h - mequote in allen Zweigen (kaufmännische und technische Berufe) umdie 80%. Auf welche Hindernisse stösst die Einführung der dualen Aus- bildung in Spanien? Kann man das deutscheModell nach Spa- nien übertragen? Ich beginne mal mit der zweiten Frage, die uns sehr oft gestellt wird. Darauf gibt es nur eine Antwort: Man kann das deutsche duale Modell 1:1 nicht einmal in Deutschland halten. Um aktuell zu bleiben, muss die duale Berufsausbil- dung ständig hinterfragt werden. In Deutschland wird das heiß diskutiert. Ist das duale Modell noch zeitgemäß? Haben wir zu viele Berufe in Deutsch- land? Dauert unsere Aus- bildung mit 3,5 Jahren zu lang? Darauf müssen wir Antworten finden. Spanien muss natür- lich seine eigenen Fragen an das Modell stellen. Was kann über- nommen werden, was nicht? Die spanische Berufsausbildung ist anders angebunden an die staatlichen Institutionen undMinisteri- en, damitmeine ich, dass die verfassteWirtschaft unddieGewerk- schaften im deutschen Modell traditionell eine Rolle spielen, die man sowohl nicht wiederholen kann. Vielleicht ist dieser letzte Punkt auch eines der größten Hindernis- se: Die Unternehmen fühlen sich in Spanien nicht integraler Teil der Berufsausbildung. Viele Jahre gab es die Berufsausbildung „gratis vomStaat“. Dass diesesModell in unserer heutigen Zeit nicht mehr funktioniert, in der sich Anforderungen an Berufe ständig wandeln, liegt auf der Hand. Man kann aber von Unternehmen nicht verlan- gen, dass sie sich für die duale Berufsausbildung engagieren, wenn sie bei der inhaltlichen Gestaltung der Ausbildungsberufe, die sie tatsächlich benötigen, wenigMitspracherecht haben. So gibt es An- forderungsprofile, für die es derzeit gar keine geregelte Ausbildung gibt, zumBeispiel für denWerkzeugmechaniker oder für alle techni- schenBerufeQualifikationen in Industrie4.0. Wie unterstützt die AHK Spanien die Einführung der dualen Ausbildung in den Unternehmen vor Ort? Allgemein berät die AHK Spanien Unternehmen, die die duale Be- rufsausbildung einführen möchten oder bereits eingeführt haben. Wir beraten über die Erstellung von Ausbildungsplänen und darü- ber,welcheAufgabenAusbilderinUnternehmenhaben,dazubieten wir auch regelmäßig „Ausbildungder Ausbilder“-Kursean. Konkret setzen wir das in eigenen dualen Ausbildungsprojekten um. Mit der deutschen Auslandsberufsschule FEDA bieten wir in Madrid und Barcelona derzeit fünf verschiedene kaufmännische Berufe an, zwei weitere sind für 2019 in Vorbereitung. Im gewerb- lich-technischen Bereich betreuen wir derzeit sieben duale Ausbil- dungsprojekte in fünf verschiedenen Autonomen Regionen, mit Unternehmen wie VW Navarra, SEAT, Mercedes-Benz, Elring Klinger und thyssenkrupp. Mit Ansätzenüberbetrieblicher Ausbil- dung (s. „JoinVET“, S. 87) haben wir uns seit 2017 auch verstärkt für die Einbindung von KMU in die duale Berufsausbildung engagiert. Je nach Jahrgang haben wir zwischen 450 und 500 Auszubildende in unseren Projekten. Pro Jahr vergeben wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) um die 150 Abschlusszertifikate, weil eine Äquivalenz des spanischen Abschlusses zur entsprechenden deutschen Berufsausbildung ge- währleistet ist. w “ In den Ausbildungsprojekten der AHK Spanien beträgt die Übernahmequote um die 80% ” TANJA NAUSE, LEITERIN AUS- UND WEITERBILDUNG DER AHK SPANIEN www.ahk.es/fpdual

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