Revista Economía Hispano-Alemana 03-2018
50 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2018 Deutscher Tischler an Spaniens Todesküste Qualitäts-Tischlerei nachdeutscherHandwerkstraditionanderCostadaMorte?Klingtungewöhnlich, abergenaudas ist es, was dieArbeit von FrankBuschmann sobesondersmacht. Als gelernter Tischler und Industriedesigner eröffnete Buschmann 2012 seine Werkstatt unter dem Namen Woodworks Buschmann Bella in Corcubión, an der Costa daMorte. Gut zuwissen, dass etwa 30 Prozent des Gesamtwaldbestandes von Spanien sich in Galicien befinden – die geeignete Region für den deutschen Tischler, um sich voll und ganz seiner Holzkunst zu widmen. Seiner Meinung nach hat das traditionelle Handwerk einen klaren Vorteil gegenüber der verarbeitenden Industrie hinsichtlich der Aspekte der Nachhaltigkeit, Arbeitsethik und des kreativen Schaffens. DieVerbindung zwischenWissen, demrichtigenWerkzeugundHolz ist elementar für dieArbeit beiWoodworksbb, woman stets nachPerfektion strebt. Wie fügt sich aber ein deutscher Tischler hier ein? Das fiel ihm aufgrund der Freundlichkeit und des respektvollen Umgangs der Einheimischen nicht schwer. Es war reine Intuition, die ihn an die Costa daMorte geleitet hat, wo er sichalsTischler undgleichzeitigalsKünstler frei bewegenkann–hier, amEndederWelt. Tischler-Schnupperkurse am Ende der Welt und weitere Infos unter: www.woodworksbb.es Panorama lediglich mit einem Lendenschurz bekleidet an seinen Skulpturen aus Stein, Pflanzen und tierischen Über- resten im Garten arbeiten, woraus spä- ter ein Open Air Museum entstand, für das er nur wenig Eintritt verlangte, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Den Bezug zur Natur verlor Gnädinger unmittelbar nach der schweren Havarie des Öl- tankers Prestige im November 2002, als er im Folgemonat darauf verstarb. Der Unfall sorgte für die größte Umweltkatastrophe an den Küsten Europas und hinterließ ein mit über 60.000 Litern Öl verschmutztes Gebiet, was nicht nur Lebensräume zahlreicher Fische und Wasservögel zerstörte, sondern ebenso entsetzliche Folgen für die Fischerei in Galicien mit sich brachte. Gut 16 Jahre danach und durch eine rigorose Säuberung der betroffenen Strän- de erinnert kaum noch etwas an das große Unglück. Der Fall von Prestige ist jedoch nicht der erste in der Geschichte – kaumverwunderlich bei den extremen Bedingungen an der Costa da Morte, diebereits zuunzähligenSchiffbrüchengeführt haben. Darun- ter fällt auch das Schiffsunglück der britischen Kriegsflotte HMS Ser- pent, das sich 1890 an der Punta doBoi zugetragen hat. InGedenken andieOpfer wurde der Cemiteriodos Ingleses errichtet – ein Friedhof mit einemGedenkstein in der Mitte nahe der Unglücksstelle. Die Anlage liegt nicht weit entfernt vomFischereihafen Camariñas, welcher gleichzeitig dieWiege der Klöppelspitze ist – eine veralte- te Handarbeitstechnik, bei der mittels kleiner Holzstäbe mit Garn umwickelt, Spitzen angefertigt werden. Zurück gen Norden führt uns der Weg direkt zum Kap Cabo Vilán, einem schönen Aussichtspunkt mit Blick auf das aufbrausende Meer, das die rauhen Felsen zu verschlingen droht. Der Leucht- turmmarkiert dabei die Spitze des Kaps. Das Tor zum Jenseits Südlich der Ría de Camariñas befindet sich die Gemeinde Muxía, deren Wallfahrtskirche ein wich- tiges Pilgerziel darstellt. Der Legende nach soll dem Heiligen Jakob die Mutter Gottes auf einem Boot erschienen sein, um gemeinsam mit ihm die Verbreitung des Christentums zu fördern. In diesem Sinne wurde die Wall- fahrtskirche A Virxe da Barca im 17. Jahrhundert erbaut, die für viele Pilger die Endstation ihrer langen Wanderung auf dem Jakobsweg bedeutet. Trotz der vermeintlich friedvollen Kulisse ist man an diesem Ort klimatischen Extremen ausge- setzt – vor allem im Winter, wenn es sehr stürmisch an der Todesküste zugeht. Idyllisch und fernab vom dramatischen Wellengang des Atlan- tik ist die Praia de Nemiña – einer der schönsten Sandstrände an der Costa da Morte. Seine weißen Dünen, umgeben von der grünen Hügellandschaft, laden zu ausgedehnten Spazier- gängen ein, bei denen man ganz sorgenfrei die Schönheit der Natur genießen kann. „Das Ende der Welt“ und somit das Ende der Costa da Mor- te erreichen wir am Kap Cabo Fisterra. Die felsige Landzunge wurde früher als „das Ende Europas“ gesehen, das „Tor zum Jenseits“ – heute ist klar, dass der westlichste Punkt des eu- ropäischen Festlandes in Portugal angesiedelt ist. In religiö- ser Hinsicht endet der Camino de Santiago für die meisten Pil- ger erst hier, statt in der galicischen Hauptstadt Santiago de Compostela oder in Muxía. Die symbolische Bedeutung des Kaps als das Ende der Welt offenbart sich spätestens durch den traumhaften Anblick des Sonnenuntergangs am Horizont – ein gelungener Abschluss einer spannenden Reise entlang Spaniens Todesküste, der Costa da Morte. w Foto: Corme Turismo de Galicia Foto: Buschmann, banco Foto: Frank Buschmann, Cristóbal Manuel
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