Revista Economía Hispano-Alemana 03-2018
21 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2018 In Barcelona arbeitet ein Supercomputer daran, das menschliche Herz und Eingriffe in seine Blutzirkulation zu simulieren. Herz-Kreislaufkrankheiten stehen weltweit und auch in Spanien an der Spitze der Todesursachen beim Men- schen. Ihre Verhinderung und Behandlung sind ein weites Forschungsfeld. Häufig werden zur Stützung der erkrankten Gefäße koronare Stents eingesetzt. Diese medizinischen Im- plantate sind zuvor in der Regel über Tierversuche an Schwei- nen erprobt worden. Durch die exponentielle Entwicklung der Datenverarbeitungskapazitäten eröffnen sich hier neue Wege. Das digital auf dem Bildschirm pumpende Organ könnte in der Versuchskette künftig viele Tierversuche, die gegenwärtig noch nötig sind, ersparen und die Erforschung neuer Medizin- produkte beschleunigen. Der Höchstleistungscomputer heißt MareNostrum 4 und ist Teil des Barcelona Supercomputing Center BSC. Er gehört zu den fünf schnellsten in Europa und den 20 schnellsten weltweit. Seine 13,7 Petaflops Peak Rechenkapazität stehen im Dienst der Forschung, wie Josep M. Martorell, Vizedirek- tor des BSC, im Juni 2018 auf dem II. Deutsch-spanischen Unternehmertreffen in Madrid erklärte, das sich, organi- siert von der Deutschen Botschaft und der AHK Spanien dem Thema Innovation widmete. Das BSC forscht nicht nur selbst, sondern stellt auch Wissenschaftlern und Unterneh- men aus dem In- und Ausland Rechenkapazitäten zur Verfü- gung. Unter den Projekten, die Martorell vorstellte, betra- fen gleich mehrere die Gesundheit. So hat die rechnerische Nachahmung des kardiovaskulären Systems in Zusammen- arbeit mit Pharma- und Medizintechnikherstellern das Ziel, ein weltweit einmaliges Simulierungstool zu schaffen. Eine weitere Forschungslinie simuliert die Atemwege und die Verbreitung von medizinischen Inhalationsmitteln in Lunge und Körper. Auch speichert MareNostrum die Genomdaten- bank des European Genome-phenome Archive (EGA), ein Speicher der Experimente zur Sequenzierung und Genotypisierung auf europäischer Ebene. Pharmazeutische Laboratorien mit hohen For- schungsausgaben Die Gesundheitsindustrie ist ein starker Motor der F+E in Spanien. Das betrifft nicht nur digitale Simulationen und lernende Algorithmen. In weiter fortgeschrittenem Stadium geht es konkret um die klinische Erprobung. „Durch eine vorteilhafte Gesetzgebung ist Spanien ein wichtiges Land für klinische Studien geworden und bietet dafür ein gutes Ökosystem“, sagte Ana Polanco, Direktorin für institutionel- le Beziehungen von Merck España auf dem deutsch-spani- schen Forum. Merck, das als deutsches Unternehmen 2018 sein 350jähriges Bestehen feiert, ist nach wie vor mehr- heitlich in der Hand der Gründerfamilie. Es gibt 20 Prozent seiner Umsätze für F+E aus. Seit 1924 in Spanien vertreten, hat Merck aktuell eine pharmazeutische und eine chemische Foto: Merck
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