Revista/Zeitschrift Economía 2026-01 | Cámara de Comercio Alemana para España | AHK Spanien

83 economía HISPANO - ALEMANA Nº 1/2026 Recht Innovative Jungunternehmen im Fokus der EU-Agenda 2026 Die Förderung junger Unternehmen soll auch 2026 eine verstärkte politische Gewichtung der EU erfahren. Vor diesem Hintergrund veröffentlichte die Europäische Investment Bank (EIB) am 12. Januar 2026 eine aktuelle Studie zu den Gründen für die Abwanderung europäischer Start-ups und Scale-ups. Den Ergebnissen der Studie zufolge wird deutlich, dass Unternehmensgründer dem europäischen Wirtschaftsraum keineswegs den Rücken kehren wollen. Gleichzeitig wünschen sie sich bessere Rahmenbedingungen für Wachstum, Finanzierung und größere regulatorische Flexibilität. Haupttreiber für Standortverlagerungen sind vornehmlich der Kapital- und Marktzugang, innovationsfreundlichere Regulierung sowie die leichtere Rekrutierungsmöglichkeit internationaler Talente. Gleichzeitig verbleiben jedoch viele Unternehmen mit ihren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bewusst in der EU und verlagern lediglich kommerzielle Strukturen ins Ausland. Bereits im Oktober 2025 kündigte die Europäische Kommission gemeinsam mit führenden privaten Investoren die Auflegung des Scaleup Europe Fund an. Es handelt sich um einen milliardenschweren Wachstumsfonds zur Finanzierung europäischer Technologieunternehmen in strategischen Deep-Tech-Bereichen. In eine ähnliche Richtung zielt auch die nationale Innovationspolitik einzelner Mitgliedstaaten, wie das Beispiel Spanien zeigt: Auf Grundlage der Strategie für Quantentechnologien 2025-2030 baut das Land ein eigenes Quantenökosystem auf und strebt hierfür die Mobilisierung von rund 808 Millionen Euro aus dem Aufbau- und Resilienzplan sowie aus EU-Fondsmitteln (FEDER) an. Unter Einbeziehung europäischer Beiträge und privaten Kapitals werden Investitionen von über 1,5 Mrd. Euro erwartet. Regulatorische Schwerpunkte im EU-Wettbewerbsrecht 2026 a) 28. Rechtsregime für innovative Unternehmen Ein zentrales wettbewerbsrechtliches EU-Vorhaben für 2026 ist das geplante „28. Rechtsregime für innovative Unternehmen“. Vorgesehen ist ein optionaler, unionsweit einheitlicher Rechtsrahmen zur Verringerung bestehender Hürden im Binnenmarkt. Das diesjährige Arbeitsprogramm der EU-Kommission erklärt dieses Regelungsregime zu einem zentralen Baustein ihres Competitiveness Compass. Der entsprechende Legislativvorschlag ist für das 1. Quartal 2026 angekündigt. Eingebettet ist das Vorhaben in die im Juni 2025 veröffentlichte und vorstehend erwähnte Start-/Scale-up-Strategie. Der Anwendungsbereich erstreckt sich gezielt auf junge und kleinere innovative Unternehmen. b) Sektorale Regulierungen im Bereich Automobile und Medizin Weitere relevante wettbewerbspolitische EU-Initiativen für 2026 betreffen zentrale Industriesektoren und den Kapitalmarkt. Mit dem geplanten und am 16. Dezember 2025 vorgestellten Automotive Package will die EU die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie sichern und deren Transformation im Sinne strategischer Souveränität begleiten. Geltenden CO2-Emissionsnormen für Pkw sowie für leichte und schwere Nutzfahrzeuge sollen überprüft und flexibler ausgestaltet werden. Vorgesehen ist zudem die Etablierung von Flexibilitätsmechanismen („banking & borrowing“) für die Zieljahre 2030 bis 2032. Zudem soll es verbindliche nationale Zielvorgaben für die Dekarbonisierung von Unternehmensflotten geben. Neben der Automobilindustrie rückt die EU auch andere strategische Sektoren in den Fokus ihrer Wettbewerbsagenda. Ein zentrales Beispiel hierfür ist der geplante und bereits im März 2025 vorgeschlagene Critical Medicines Act (CMA). Diesbezügliche Vorschriften sollen darauf abzielen, strategische Industrieprojekte zur Herstellung essenzieller Arzneimittel durch erleichterten Zugang zu Finanzmitteln und beschleunigte Verfahren zu fördern. Das EU-Parlament spricht sich dabei auch für die Schaffung eines speziellen EU-Sicherheitsfonds für kritische Arzneimittel aus. Darüber hinaus sollen öffentliche Beschaffungsverfahren stärker auf Versorgungssicherheit ausgerichtet und Mehrfachvergaben an unterschiedliche Anbieter ermöglicht werden. Dies hilft der Diversifizierung von Lieferketten. c) Finanzmarktreformen für mehr EU-Wettbewerbsfähigkeit Während der Critical Medicines Act auf eine gezielte industriepolitische Steuerung in einem sensiblen Sektor abzielt, verfolgt die EU mit ihren Vorschlägen zur sogenannten Savings and Investments Union (SIU) einen wettbewerbspolitischen Ansatz, indem strukturelle Hemmnisse auf den Kapitalmärkten abgebaut und der Zugang zu Unternehmensfinanzierungen verbessert werden sollen. Die SIU basiert auf vier Säulen: Sie soll private Ersparnisse stärker in Kapitalmarktinvestitionen lenken, den Zugang von insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen zu Finanzierungen ausweiten, regulatorische Fragmentierungen der Finanzmärkte abbauen und die aufsichtsrechtliche Harmonisierung stärken. Damit können grenzüberschreitende Geschäftstätigkeiten erleichtert und gleiche Wettbewerbsbedingungen im Binnenmarkt geschaffen werden. Fazit | Ob die EU-gesetzgeberischen Prioritäten für 2026 einen strukturellen und nachhaltigen Wettbewerbsschub tatsächlich auslösen werden, wird maßgeblich von der praktischen (Rechts-) Umsetzung abhängen. Solange zentrale Projekte sich noch in der Planungsphase befinden und die Verabschiedung konkreter und verbindlicher Rechtsnormen aussteht, dürfte die angekündigte Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit vorerst nur als ein politisches Versprechen anzusehen sein. w Steven Rudmann Rechtsanwalt & Abogado Rudmann Guzek, Rechtsanwälte & Abogados

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