31 economía HISPANO - ALEMANA Nº 1/2026 Für Escribano bedeutet Reindustrialisierung, Investitionen in reale Produktion umzuwandeln und eigene Kapazitäten innerhalb Europas zu konsolidieren. „Reindustrialisierung bedeutet heute nicht einfach mehr zu produzieren, sondern besser zu produzieren, agiler und mit einer klaren langfristigen Vision“, sagt er. Seiner Meinung nach muss das Ziel darin bestehen, die Wertschöpfungsketten zu stärken und sicherzustellen, dass die großen europäischen Industrieprogramme Wissen und wirtschaftliche Rendite auf unserem Kontinent generieren. In diesem Zusammenhang warnt er, dass der Rückgriff auf externe Lösungen zwar kurzfristig nützlich sein kann, aber „weder eigene Kapazitäten schafft noch das industrielle Gefüge stärkt“. Diese Sichtweise ist eng mit der Notwendigkeit verbunden, als Unternehmen an Größe zu gewinnen. „Ohne Größe gibt es weder Wettbewerbsfähigkeit noch Autonomie“, fasst er zusammen. Für den Vorstandsvorsitzenden von Indra ist die technologische Souveränität Europas nur möglich, wenn sie sich auf Unternehmen stützt, die groß genug sind, um komplexe Projekte durchzuführen und global zu konkurrieren. „Technologische Souveränität Europas lässt sich nicht aus einer Situation der Fragmentierung heraus aufbauen“, argumentiert er und plädiert für eine vertiefte industrielle Zusammenarbeit und eine europäische Integration, die es ermöglicht, Abhängigkeiten zu reduzieren und eine solide und nachhaltige technologische Basis zu konsolidieren. In dieser europäischen Strategie nimmt die Zusammenarbeit mit Deutschland einen zentralen Platz ein. Für Escribano ist die Stärkung der europäischen Industriebasis nur dann realisierbar, wenn die Länder mit der größten technologischen und industriellen Kapazität koordiniert in großen gemeinsamen Programmen voranschreiten. „Die Zusammenarbeit mit Deutschland hat Priorität, weil sie genau das bietet, was Europa derzeit braucht: eine solide industrielle Basis, ein hohes technologisches Niveau und eine große Umsetzungskapazität“, bekräftigt Escribano. In Bereichen wie Verteidigung, Raumfahrt oder kritische Systeme ermöglicht diese Zusammenarbeit den Austausch von Standards, Planungen und Kapazitäten von Beginn der Projekte an und stärkt so die industrielle Integration Europas. Indra unterhält strategische Vereinbarungen mit deutschen Unternehmen wie Rheinmetall und beteiligt sich an gemeinsamen Programmen wie dem Eurofighter oder dem A-400M, Beispiele für eine Zusammenarbeit, die laut Escribano dazu beiträgt, externe Abhängigkeiten zu verringern und eine wettbewerbsfähigere und geeintere europäische Industrie zu konsolidieren. Abgesehen von der Unternehmensgröße und den großen europäischen Industrieprogrammen betont Escribano, dass eine Reindustrialisierung ohne eine solide Basis an technischen Fachkräften nicht möglich sein wird. Seiner Meinung nach ist die berufliche Bildung einer der wichtigsten Wege, um die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte zu gewährleisten, die von der Industrie nachgefragt werden. „Die Förderung der beruflichen Bildung ist eine strategische Entscheidung für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit des Landes“, so Escribano. Angesichts des zunehmenden Mangels an Fachkräften ist der Vorstandsvorsitzende von Indra der Ansicht, dass die führenden Unternehmen eine aktive Rolle bei der Ausbildung und der Definition der vom Industriesektor benötigten Profile übernehmen müssen. Indra unterhält Vereinbarungen mit Berufsbildungszentren in verschiedenen Regionen und beteiligt sich an Initiativen, die darauf abzielen, jungen Menschen die Industrie näher zu bringen, mit dem Ziel, qualifizierte Arbeitsplätze anzubieten und langfristig zur Stärkung des Produktionsgefüges beizutragen. Mit Blick auf die kommenden Jahre sieht Escribano die Ambitionen von Indra eindeutig in Europa. „Wir wollen uns als Referenzakteur in Europa etablieren, nicht nur aufgrund unserer Vorsätze, sondern auch aufgrund unserer tatsächlichen Fähigkeit, komplexe Programme durchzuführen und industrielle Verpflichtungen zu erfüllen“, betont er. Die Strategie sieht vor, die Präsenz in großen europäischen Programmen zu verstärken, die Produktionskapazitäten zu erweitern und weiterhin eigene Technologien in kritische Systeme zu integrieren. Gleichzeitig betont er, dass das Wachstum von Indra sich spürbar auf die spanische und europäische Industrie niederschlagen sollte. „Wir möchten, dass Indra als ein Unternehmen wahrgenommen wird, das in der Lage ist, als Motor des industriellen Ökosystems zu fungieren“, schließt Escribano.
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