68 economía HISPANO - ALEMANA Nº 2/2024 Portugal: Turbulente Zeiten trotz stabiler Wirtschaft Laut einer Umfrage der AHK Spanien trägt jedes dritte deutsche Unternehmen in Spanien gleichzeitig die Verantwortung für die Aktivitäten der Unternehmensgruppe in Portugal. Der folgende Artikel informiert über die aktuelle Lage im Nachbarland. Oliver Idem Germany Trade & Invest In einige ungelöste wirtschaftliche Fragen wie den Bau eines neuen Flughafens in Lissabon und eine mögliche Privatisierung der staatlichen Fluglinie TAP dürfte nun Bewegung kommen. Zu erwarten ist auch, dass die umfangreiche wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Spanien beibehalten wird. Gemeinsame Vorhaben in der Verkehrsinfrastruktur, beim Pipelinenetz für Wasserstoff sowie des Satellitenprogramms versprechen Vorteile für beide Seiten. Die Wirtschaftsleistung Portugals soll laut der Frühjahrsprognose der EU-Kommission 2024 um real 1,7 und 2025 um real 1,9 Prozent zunehmen. Damit würde die Wirtschaft stärker wachsen als der Durchschnitt der Eurozone und der gesamten EU. Zudem fällt die Einschätzung positiver aus als noch im vergangenen Herbst. Auch die Bilanz der vergangenen Jahre kann sich sehen lassen. Die Coronakrise und die Folgen des Ukrainekriegs konnten schnell überwunden werden. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2022 mit real 6,8 Prozent so stark wie seit 35 Jahren nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit ist stabil niedrig. Internationale Gäste strömen in Rekordzahl ins Land und die ausländischen Direktinvestitionen legen zu. Portugal ist außerdem in der EU als konstruktiver und verlässlicher Partner bekannt, dem viel Wertschätzung entgegengebracht wird. Deutschland ist ebenfalls ein wichtiger Wirtschaftspartner und der zweitwichtigste Beschaffungsmarkt für Portugal. Zugleich stellt Deutschland den drittwichtigsten Exportmarkt für portugiesische Waren dar. In den letzten Jahren gewann Portugal als Beschaffungsmarkt an Bedeutung für deutsche Unternehmen, zum Beispiel für Präzisionsteile aus Metall, Kunststoff und Gummi. Deutsche Unternehmen haben außerdem bis 2022 insgesamt 4,6 Milliarden Euro in Portugal investiert. Die größte ausländische Direktinvestition ist das VW-Werk in Palmela, das für den Bau eines neuen Hybridmodells umgerüstet wird. Bosch erweitert für 100 Millionen Euro seine Wärmepumpenfabrik in Aveiro. Zudem erweitern die Einzelhandelsketten Aldi und Lidl ihre Filialnetze in Portugal. Trotz einer ganzen Reihe von guten Nachrichten ist die Lage nicht komplett rosig. Bei manchen Menschen kommt von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung seit 2021 kaum etwas an. Mittlerweile ist die Inflation zwar deutlich zurückgegangen, aber das Preisniveau ist nach wie vor hoch. Bei einem durchschnittlichen Jahresbruttoeinkommen von knapp 22.000 Euro beziehungsweise knapp 11.500 Euro Mindestlohn haben viele Portugiesen Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen. Eng damit verbunden sei auch der Mangel an bezahlbarem Wohnraum insbesondere in Lissabon und Porto. Diese Faktoren dürften dazu beigetragen haben, dass trotz einer auf dem Papier guten Bilanz im März ein Regierungswechsel stattfand. Tourismusboom sorgt für Hochsaison bei Hotelinvestitionen Obwohl Portugal mit rund 10 Millionen Einwohnern zu den mittelgroßen Ländern Europas gehört, entstehen dort aktuell überdurchschnittlich viele neue Hotels. Führende Immobiliendienstleister sind für die nächsten Jahre optimistisch, da sich viele Hotelvorhaben bereits in der konkreten Planung befinden oder begonnen wurden. Die Neuwahlen in Portugal am 10. März 2024 setzten einen Schlusspunkt unter fünf turbulente Monate. Nach dem Rücktritt von Premierminister António Costa im November 2023 war die sozialistische Alleinregierung nur noch geschäftsführend im Amt. Nach acht Jahren sozialistischer Regierung erreichte die bürgerliche Aliança Democrática eine relative Mehrheit, muss sich aber Verbündete suchen, um ihre Vorhaben durchzusetzen.
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