Revista / Zeitschrift Economía Hispano-Alemana 2023-03
85 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2023 Geringerer Importbedarf bei fossilen Energien Ein hoher Anteil erneuerbarer Energien am Strommix macht Portugal seit dem Jahresanfang unabhängiger von Erdöl- und Erdgasimporten. In den ersten vier Monaten 2023 stammten 74,3 Prozent der Stromerzeugung auf dem Festland aus erneuerbaren Energiequellen. Diese sollen weiter ausgebaut werden, auch um ohne Übergangslösungen direkt grünen Wasserstoff produzieren zu können. Dafür bietet sich vor allem die Industrie- und Hafenstadt Sines an. Dort sind einerseits potenzielle lokale Kunden ansässig, andererseits bietet der Tiefwasserhafen Möglichkeiten für den Export per Schiff. Die Häfen Sines und Rotterdam bauen ihre Kooperation imWasserstoffsektor aus. Die geplanten Investitionen einer Vielzahl von Wasserstoffunternehmen in Sines summieren sich bereits auf etwa 10Milliarden Euro. Investitionen: Infrastrukturprojekte und Ausrüstungs- bedarf mobilisieren Gelder Ein anhaltend lebendiges Projektgeschehen sorgt für ein hohes Investitionsniveau. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen 2023 mit einem Plus von 4,2 Prozent und 2024 sogar 4,7 Prozent weiterhin erheblich zunehmen. Für Auftrieb sorgen beispielsweise die EU- Fördergelder aus dem Aufbau- und Resilienzplan mit einer breiten Palette an Investitionen bis 2026. DochauchüberdiegefördertenVorhabenhinausherrschtBewegung. ImBereichder erneuerbarenEnergienundderVerkehrsinfrastruktur befinden sich größere Projekte in der Planung und Umsetzung. Darüber hinaus dürften mittelfristig die öffentlichen und privaten Investitionen in die Wasser- und Abwasserinfrastruktur zunehmen. Die erfolgreich absolvierte Umweltverträglichkeitsprüfung lässt die Umsetzung des Lithiumprojekts Barroso näher rücken. Der Infrastruktur- und Wohnungsbau wecken für 2023 zudem positive Erwartungen beim Fachverband AICCOPN. Die beiden Bausektoren sollen die gesamte Bauproduktion 2023 um real 2,4 bis 4,4 Prozent antreiben. Portugal verfügt über eine nationale Ausschreibungsdatenbank. Der Internetauftritt wird auch in englischer Sprache angeboten. Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen finden Sie auf unserer GTAI-Seite zu internationalen Ausschreibungen. Konsum: Boomender Arbeitsmarkt und weiterhin hohe Lebensmittelpreise Die EU-Kommission rechnet 2023 und 2024 nur mit schwachen Impulsen des privaten Verbrauchs für die portugiesische Volkswirtschaft. InZahlenbedeutetdasfür2023einerealeZunahme um0,5 Prozent und für 2024 voraussichtlich um 1,5 Prozent. Der Arbeitsmarkt mit Rekordbeschäftigung und einer Arbeits- losenquote von 6,8 Prozent im April 2023 erweist sich dabei als Stabilitätsanker. Zudem lässt die Teuerung nach. Die Inflationsrate fiel im Mai 2023 auf 4 Prozent. Dass der Konsum dennoch schwächelt, dürfte an den Preisen für Lebensmittel und Getränke liegen. Diese nahmen im April 2023 gegenüber April 2022 um 9,4 Prozent zu. Damit dürften sich viele Verbraucher weiterhin auf die notwendigsten Ausgaben konzentrieren und ansonsten Zurückhaltung üben. Gehaltssteigerungen könnten zudem das Preisniveau von Dienstleistungen anheizen. Wirtschaftliche Eckdaten Portugals Indikator 2021 2022 Vergleichsdaten Deutschland2022 BIP (nominal, Mrd. Euro) 214,7 239,2 3.870 BIPpro Kopf (Euro) 20.870 23.290 46.182 Bevölkerung (Mio.) 10,4 10,3 83,4 Quelle: Datenportal Datos Macro derWirtschaftszeitung Expansión; Statistisches Bundesamt
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