Zeitschrift / Revista Economía Hispano-Alemana 2023-02

74 economía HISPANO - ALEMANA Nº 2/2023 Mittelpunkt. Vorgesehen sind jedoch auch der Bau eines Solarparks und die dezentrale Nutzung von erneuerbaren Energien. Für die Autonome Inselregion Madeira stehen 69 Millionen Euro bereit, um die Energiewende zu unterstützen. Dort liegt der Schwerpunkt auf der Wasserkraft. Jedoch steht auch die Installation eines Batteriesystems zur Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien auf demProgramm. Auch hier spielen die dezentrale Erzeugung und der Eigenverbrauch eine Rolle. Den zweiten Zielbereich bildet die Dekarbonisierung der Indus- trie unter anderem durch den Einsatz erneuerbarer Energien. Hierfür steht ein Gesamtbudget von 715 Millionen Euro bereit, das sich allerdings auf vier Schwerpunkte verteilt. Dabei geht es auch um den Einsatz erneuerbarer Energiequellen inklusi- ve Speichertechnik im verarbeitenden Gewerbe. Für schwer zu elektrisierende Anwendungen hebt der Aufbauplan Wasserstoff hervor. Wenn dieser mit Hilfe von Fotovoltaik erzeugt wird, er- möglicht das auch Geschäftschancen für den Solarsektor. Die Strategien zum Ausbau von erneuerbaren Energien bieten sich auch aus wirtschaftlichen Erwägungen an. Lokale Ressourcen sind vorhanden. Zudem können Importe fossiler Brennstoffe und damit Kapitalabflüsse reduziert, Einsparpotenziale genutzt und die inländischeWirtschaft gestärkt werden. Portugal ist wegen mangelnder eigener fossiler Energieressourcen auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Allein 2021 kos- teten die Importe von Erdöl und Gas das Land rund 6 Milliarden Euro. Damit entsprach die Einfuhr dieser fossilen Energieträger knapp 3 Prozent der Wirtschaftsleistung Portugals. Vereinfachte Umweltprüfung könnte zum Wettbewerbsvorteil werden Der Ausbau der Solarenergie wird seit 2019 vor allem über Aus- schreibungen gesteuert. Die Regierung hat diese auf einem eigenen Internetportal dokumentiert und veröffentlicht zudem Informationen über künftige Tenderpläne. Das Dekret 76/2019 gibt einen neuen Rahmen für die Organi- sation der Stromnetze und die Integration von Strom aus er- neuerbaren Quellen vor. Mit der Vereinfachung von Vorschrif- ten zur Umweltverträglichkeitsprüfung will die portugiesische Regierung den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Wasserstoffwirtschaft beschleunigen. Die Einzelheiten sind im Gesetzesdekret 30-A/2022 festgeschrieben. Der spanische Energiekonzern Iberdrola kündigte nach positiven Erfahrungen mit dem Genehmigungstempo für den Solarpark Fernando Pessoa zusätzliche Investitionen in Portugal an. Laut der Wirtschaftszeitung Cinco Días will Iberdrola in den kommenden Jahren außerplanmäßig 3 Milliarden Euro in Wind- und Solarparks in Portugal investieren. Insbesondere im Wettbewerb mit dem Nachbarland Spanien könnten sich beschleunigte Genehmigungsverfahren als Vorteil für Portugal erweisen. In Spanien bilden die Wartezeiten auf Genehmigungen und durch beantragte Projekte mit unsicherer Umsetzung gebundene Behördenkapazitäten wesentliche Hemmnisse beim Ausbau erneuerbarer Energien. Weiterer Ausbau der internationalen Verbindungen angestrebt Der Energie- und Klimaplan PNEC 2030 zielt auch auf den Ausbau der internationalen Verbindungen ab. Portugal und Spanien bilden bereits den iberischen Markt MIBEL, an den auch Frankreich angeschlossen ist. Dieser Verbund hat nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs an Bedeutung gewonnen. Als Maßnahme gegen steigende Energiepreise vereinbarten Spanien und Portugal die zeitlich befristete „iberische Ausnahme“ mit der Europäischen Union. Damit konnten die Kosten der Stromerzeugung aus Gas gesenkt werden. Wenn Gas zur Stromerzeugung verwendet wird, gilt ein günstigerer Preis als bei einer Nutzung für andere Zwecke. Dieser Strom aus Gas stabilisierte die Versorgung in Portugal, Spanien und auch Frankreich insbesondere imSommer 2022. Eine geringere Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien auf der iberischen Halbinsel sowie Kernenergie in Frankreich konnte durch den spanischen Strom aus Gas aufgefangen werden. Ein anderes Vorhaben ist aus portugiesischer Sicht noch Zukunftsmusik: Das Medgrid-Projekt für eine Unterseeleitung nach Marokko kommt eher langsam voran. Diese Verbindung wurde 2011 auf die Agenda gesetzt, um Strom aus erneuerbaren Energien nach Portugal zu liefern. Der nächste geplante Schritt ist eine Machbarkeitsstudie. Marokko verfügt bereits über Verbindungen mit Spanien und Algerien. Portugal wird an die geplante Wasserstoffpipeline H2med über Spanien nach Frankreich angeschlossen. Durch die Erzeugung von grünem Wasserstoff für den Export kann das Projekt Impulse für den Ausbau der Solar- und Windenergie in Portugal geben. Anteil Solarenergie an der Bruttostromerzeugung im Jahr 2021* (inTerawattstunden und Prozent) Bruttostromerzeugung /Wärmeerzeugung Anteil Wasserkraft 13,5 26,4 Wärmekraftwerke 21,9 42,9 Windkraft 13,2 25,9 Solar 2,2 4,4 Geothermie 0,2 0,4 * vorläufig Quelle: Direção de Serviços de Planeamento Energético e Estatística Portugal im Blick

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