Zeitschrift / Revista Economía Hispano-Alemana 2023-01

73 economía HISPANO - ALEMANA Nº 1/2023 Längerfristig angelegte Zukunftsfelder schaffen Perspektiven Längerfristig dürfte Portugal davon profitieren, früh die Energiewende eingeleitet zu haben. In den ersten elf Monaten 2022 stammten 54,4 Prozent der Stromerzeugung auf dem Festland aus erneuerbaren Energiequellen. Diese sollen weiter ausgebaut werden, auch um ohne Übergangslösungen direkt grünen Wasserstoff produzieren zu können. Dafür bietet sich vor allem die Industrie- und Hafenstadt Sines an. Dort sind einerseits potenzielle lokale Kunden ansässig, andererseits bietet derTiefwasserhafenExportmöglichkeiten. DieHäfenSinesund Rotterdam bauen ihre Kooperation im Wasserstoffsektor aus. Die geplanten Investitionen einer Vielzahl von Wasserstoffunternehmen in Sines summieren sich bereits auf etwa 10Milliarden Euro. Ein Innovationsmotor sind auch die rund 2.200 Start-ups Portugals. Fintech, Personalvermittlung, Energie und Transport sind die aktuellen Schwerpunkte. Das Land hat bis Oktober 2022 sieben mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertete „Unicorns“ hervorgebracht. Der Web Summit in Lissabon bildet jedes Jahr im November einen zentralen Anlaufpunkt für junge Unternehmen. Doch nicht nur Dynamik sorgt für Aufmerksamkeit. Portugal steht weiterhin für politische Stabilität, Verlässlichkeit und Sicherheit. Vor ein paar Jahren wäre das allenfalls eine Randnotiz gewesen. In Zeiten wachsender geopolitischer Unsicherheiten werden diese Eigenschaften zunehmend als eine Stärke des Landes wahrgenommen. Investitionen: NextGenerationEUbelebt dasGeschehen Dieöffentlichen InvestitionenerhaltendurchdieMittel desnationalen Aufbau- und Resilienzplans mit Zuschüssen von 13,9 Milliarden Euro frischen Wind. Zudem ergab die Neuberechnung der Zuschüsse im Juni 2022 zusätzliche 1,6Milliarden Euro für Portugal. Hinzu kommen weitere 2,7Milliarden Euro an Krediten. Im Juni 2021 wurde der Aufbau- und Resilienzplan Portugals zur Mittelverwendung durch die EU bestätigt. Am 16. Dezember 2022 gab die Steuerungsgruppe für den Aufbauplan bekannt, dass 31 Prozent der Finanzmittel bereits von der EU nach Portugal transferiert wurden. Der Umsetzungsstand lag zu diesem Zeitpunkt bei 21 Prozent. Da die Realisierung des Plans voranschreitet, entfaltet er auch seine Wirkung hinsichtlich der Investitionen. Unterstützt durch das Programm Next Generation EU will die portugiesische Regierung in die Digitalisierung, die Infrastruktur und ein nachhaltigeres Wirtschaften investieren. Segmente wie Gewerbeimmobilien, erneuerbare Energien und Wasserstoff dürften weiterhin für Investitionsimpulse sorgen. In anderen Bereichen dürfte die Ungewissheit über die Energie- und Rohstoffsituation und die inländische und ausländische Nachfrage das Investitionsklima verschlechtern. Insgesamt rechnet die EU-Kommission mit einem schwächeren Wachstumder Bruttoanlageinvestitionen. Nach einer Zunahme um4 Prozent im Jahr 2022 soll die Rate auf 3,5 Prozent 2023 zurückgehen. Konsum: Anzeichen für Nachlassen der hohen In ation Die Inflationsrate in Portugal schnellte später in die Höhe als in anderen EU-Staaten und lässt voraussichtlich auch später wieder nach. Im November lag die Teuerungsrate noch bei 9,9 Prozent im Jahresvergleich. Portugiesische Haushalte müssen insbesondere für elementare Ausgaben wie Nahrungsmittel und Wohnen deutlich tiefer in dieTasche greifen. Das belastet das Konsumklima. Ein ermutigendes Zeichen senden die Erzeugerpreise aus. Im SeptemberundOktobernahmensiegeringfügigerzualsinsämtlichen vorigenMonaten des Jahres 2022. Damit wirdwahrscheinlicher, dass der Höhepunkt der Inflation erreicht oder bereits überschritten ist. Der Arbeitsmarkt erweist sich indes als weiterhin sehr stabil. Die Arbeitslosigkeit liegt im EU-Durchschnitt und ist weniger als halb so hoch als im Nachbarland Spanien. Mindestens bis Ende 2024 soll die Quote laut der EU-Kommission unterhalb der Marke von 6 Prozent bleiben. Außenhandel: Preiseffekte treiben die Zahlen hoch Portugals Im- und Exporte setzen ihren Höhenflug fort. Die EU- Kommission geht in ihrer neuesten Projektion 2022 von 12,3 Prozent mehr Einfuhren von Waren und Dienstleistungen aus. Bei den Ausfuhren soll die Zunahme gegenüber dem Vorjahr 8,6 Prozent betragen. Das Wachstum schwächt sich 2023 voraussichtlich bei beiden Indikatoren auf 4,1 Prozent ab. Wirtschaftliche Eckdaten Portugals Indikator 2020 2021 Vergleichsdaten Deutschland 2021 BIP (nominal, Mrd. Euro) 200,5 214,5 3.602 BIPpro Kopf (Euro) 19.471 20.736 43.292 Bevölkerung (Mio.) 10,3 10,3 83,2 Quelle: Portugiesisches Statistikamt INE 2022; Statistisches Bundesamt 2022

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