Zeitschrift / Revista Economiía Hispano-Alemana 2022-03
42 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2022 Standort Spanien Stellen wir uns vor, eine Firma in Madrid verbraucht 780 MWh pro Jahr. Mit einer Installation von 250 kWp könnte sie 35% dieser Menge selbst produzieren und verbrauchen, sodass sie die Investition in knapp drei Jahren amortisiert. Und das ohne die Subventionen, die, wie ich schon sagte, in den meisten Fällen verschwinden sollten, weil von ihnen diejenigen profitieren, die am meisten besitzen, und das ist Geld, das dann nicht für dringender benötigte Dinge ausgegeben werden kann. Das Potenzial ist jedenfalls riesig und kommt allen zugute, den Bürgern wie den Unternehmen – nur vielleicht nicht den großen Herstellern konventioneller Energie, die ihre Zukunft bedroht sehen, aber das ist sehr relativ. Die Komplexität dieser Lösungen bedarf sicherlich sehr gut ausgebildeter Mitarbeiter. Wie sieht die Entwicklung im Bereich Fachkräfte in Spanien aus? Gibt es ähnliche Probleme wie in Deutschland? Welche Maßnahmen bezüglich der Rekrutierung undAusbildung derMitarbeiter ergreift Ihr Unternehmen? De Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen war eins der wichtigsten Argumente, die der Sektor Erneuerbarer Energien seit mehr als 20 Jahren angebracht hat, um staatliche Hilfen zu erhalten. In Deutschland, wo ein sehr intelligenter und nachhaltiger FIT eingeführt wurde, konnte dadurch in der Photovoltaik-Branche eine beispielhafte Unternehmens- und Arbeitsstruktur geschaffen werden, die sich in stetigemWachstumbefindet. Aus den bereits genannten Gründen sah es in Spanien anders aus: Hierzulande gab es nach 2007 einen unbeschreiblichen Boom indus- trieller Initiativen, die krachend scheiterten und den Sektor nicht nur in einem jämmerlichen Zustand hinterließen, sondern ihn gänzlich in Frage stellten. Seit 2016 erleben wir ein starkes Wachstum, das sich nach der Pandemie noch erheblich beschleunigt hat, aber es unter- liegt gewissen Schwächen, gerade weil Angebot und Nachfrage so enorm gestiegen sind. Und am Ende der Kette sind die Installateure, die Elektriker sein müssen, im Allgemeinen nicht ausreichend aus- gebildet, und vor allem gibt es nicht genügend Fachlkräfte. Hier besteht zweifellos eine sehr gute Gelegenheit für die Schaf- fung von Arbeitsplätzen, aber man gewinnt den Eindruck, dass viele Installationsfirmen „keine Zeit für Ausbildung“ haben. Wir hoffen, dass sich dies schnell ändert. Bei Solarwatt España folgen wir dem Vorbild unseres Mutter- konzerns in Dresden, und wir beharren auf einer fortwähren- den Weiterbildung unseres Netzwerks. Es stimmt zwar, dass photovoltaische Anlagen relativ einfach zu installieren sind, aber das Design und die Dimensionierung sind nicht so einfach – da müssen die Ingenieure und Installateure eine sehr gute Ausbildung haben. Einesder LeuchtturmprojektederAHKSpanien imRahmendes JahresthemasEnergy4EuropeistdieLancierungundBegleitung der sogenannten GermanSpanishSolar Initiative . Alseinerder führendenIdeengeberdieser InitiativewarenSiegemeinsammit anderenProjektpartnernmaßgeblichanderAusarbeitungdes betreffendenPositionspapiersbeteiligt,welchesinderHoffnung auf eineaktivereUnterstützungder EuropäischenKommission aufdenWiederaufbaueinereuropäischenPhotovoltaikindustrie drängt.Nach IhrerVorstellungsollte indiesenZusammenhang dieZusammenarbeit zwischender deutschenundspanischen Industrie eine wichtige Rolle spielen. Können Sie uns die Grundlinien dieser Initiative erklären? Wie schätzen Sie die Chancen diesesWiederbelebungsversuchs ein? Ich würde sagen, dass es so ist wie bei anderen dringenden Anliegen, zum Beispiel beim Klimawandel oder der Lösung von Krisen wie Covid-19: Man muss entschlossen und tatkräftig handeln. In der letzten Krise, die durch den Mangel an Gas aus Russland hervorgerufen wurde und in ganz Europa schwerwiegende Konsequenzen für die Stromrechnung hatte, haben wir erreicht, dass die „iberische Ausnahme“ gebilligt wurde, die nun auf alle Mitgliedsstaaten ausgedehnt wird. Was uns, glaube ich, noch nicht richtig bewusst ist, ist das enorme Risiko, dem wir ausgesetzt sind, solange wir keine in Europa entdeckte und entwickelte Industrie haben. Wir haben sie praktisch aufgegeben – und stattdessen mit unseren Steuern einenMarkt geschaffen, auf demchinesische Hersteller dominieren und für den wir fleißig weiter bezahlen. Diese Situation muss sich dringend ändern, da sie die Pläne der Europäischen Union sonst aufs Schwerste durchkreuzen könnte. Zum Beispiel sollen in ganz Europa bis 2025 insgesamt 371 GWp installiert werden, d.h. 206 GWpmehr als die 165 GWp, die Ende 2021 installiert waren. Und bis 2030 wollen wir dann 700 GWp erreichen. Die wenigen Projekte, von denen wir wissen, lassen darauf schließen, dass wir ab 2025 in Europa 3 GW pro Jahr mittels Solarzellen produzieren könnten. In Europa lag ursprünglich die gesamte Wertschöpfungskette in der Hand europäischer Firmen, von der Produktion des Polysicilium über seine Kristallisierung, die Herstellung von Solarzellen und -modulen bis hin zur ganzen Leistungselektronik und allen weiteren notwendigen Elementen. Große, sehr bekannte deutsche und spanische Unternehmen verließen den Sektor und jetzt, wo sie den Bedarf und auch die gute Gelegenheit erkennen, sollten sie zurückkehren und dafür volle institutionelle Unterstützung erhalten. Dabei darf man die Forschung nicht vergessen – es müssen weiter neue technologische Lösungen für die Zukunft gesucht werden. w
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