Zeitschrift / Revista Economiía Hispano-Alemana 2022-03

40 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2022 Ich meine damit nicht nur, wie wir die Elektrizität und Energie gewinnen, die wir für unser tägliches Leben und unsere Wirtschaft benötigen, sondern auch, wie wir uns fortbewegen und wie wir den energetischen Fußabdruck minimieren, den der Transport unserer Lebensmittel und anderer wichtiger Waren hinterlässt. Das alles ist höchst komplex und Europa und seine Mitgliedsstaaten hatten dafür bereits Pläne aufgestellt, die der Krieg in der Ukraine komplett durcheinandergebracht hat. Die Verteuerung von Gas und das Risiko der Verknappung zwingen uns, dringend Lösungen zu finden. Die Europäische Kommission geht hier recht entschlossen vor und dies wird sicher dazu beitragen, die Konsequenzen auf vernünftige Art undWeise einzudämmen. Als Vertreter des Sektors Erneuerbarer Energien müssen Sie überzeugt sein, dass nun endgültig die Stunde der Energiewende gekommen ist. Welche Rolle schreiben Sie dabei den erneuerbaren Energien zu und vor allem Ihrem Sektor, der Solarenergie, der ja zumindest in Deutschland in den 2000er Jahren bereits als Zukunftshoffnung galt? Was lernen wir aus der Geschichte, und was können wir diesmal besser machen? Ehrlich gesagt bin ich schon seit Beginnmeiner Arbeit vor 22 Jahren bei Isofoton, einemPionierunternehmen imBereich der Herstellung von Photovoltaikzellen und -modulen, fest davon überzeugt, dass diese und viele andere Firmen – besonders deutsche – aufgrund des harten (und gelegentlich unlauteren) Wettbewerbs seitens chinesischer Unternehmen untergegangen sind. In jenen Jahren traten wir für erneuerbare Energien ein, obwohl sie damals noch sehr teuer waren, weil wir wussten, dass sie die Lösung der Zukunft sein würden und dass man ihre Entwicklung in unserer F&E und Industrie mit staatlichen Hilfen unterstützen muss, zum Beispiel mit Mechanismen wie dem FIT (Feed-in Tariff). Wir kanntendieBedrohungen, die sichheutzutage viel deutlicher zeigen, und alle erneuerbaren Energien, insbesondere die Windenergie und Photovoltaik, sollten ein Teil der Lösung in einem neuen Energiesystem sein. Und so ist es nun auch, nicht nur in Europa, sondern auf dem ganzen Planeten, da sie inzwischen viel billiger als konventionelle Energien sind – auch wenn sie diese immer noch nicht komplett ersetzen können. Unter diesen außergewöhnlichen Umständen konnte man in jenem Jahrzehnt in der Photovoltaik noch nicht von einem „Markt“ sprechen, aber was uns klar wurde, war, dass unsere Industrie beinahe verschwand, und jetzt ist unsere Abhängigkeit von den asiatischen Ländern, vor allemChina, gewaltig – und gefährlich. Die Hilfen, die den erneuerbaren Energien zur Verfügung gestellt werden, solltenhauptsächlich in F&E&I fließenund indieSchaffung einer starken europäischen Industrie. Wenn nicht, dann gehen wir nicht nur das Risiko einer Abhängigkeit von Gas ein, sondern auch von Solarzellen. Ihr Unternehmen Solarwatt ist seit 2016 in Spanien präsent und vertreibt Lösungen im Bereich Photovoltaik für Privathaushalte und Kleingewerbe. Wie hat sich Ihre Geschäftstätigkeit in diesen Jahren entwickelt und wie bewerten Sie den spanischen Markt für Photovoltaik? Wie auch andere Unternehmen, die auf die eine oder andere Weise mit industriellemund häuslichemEigenverbrauch zu tun haben, erle- benwir eine schnelle Entwicklung und ein exponentiellesWachstum. Am wichtigsten ist vielleicht der außergewöhnliche und in den letzten Monaten durch die maßlose Preissteigerung verschärfte Sinneswandel, der sich bei den Bürgern vollzieht, wenn sie – im wahrsten Sinne des Wortes – eine Beziehung zur Verwaltung „ihrer“ Energie herstellen. Diese Beziehung bestand bis vor kurzem darin, einen Schalter umzulegen und eine Rechnung zu bezahlen, deren Höhe wir zumeist nicht einmal kannten, selbst in Familien aus bescheidenen Verhältnissen. Jetzt haben unsere Kunden, die ihren eigenen Stromerzeugen und speichern und ihre Eigenverbrauchssysteme selbst verwalten, „Seit 2015 stellt sich der Eigenverbrauch als reale Möglichkeit dar, und mit den von Europa vorangetriebenen Verbesserungen und administra- tiven Vereinfachungen haben wir einen realenMarkt konsolidiert, in dem meiner Meinung nach lediglich die Subventionen überflüssig sind“ Standort Spanien

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