Zeitschrift / Revista Economiía Hispano-Alemana 2022-03
Sie haben gerade erwähnt, dass spanische Universitäten und Forschungseinrichtungen international für 3,6% aller Publikationen im Bereich Wasserstoff verantwortlich sind. Wie erklären Sie sich diese Konzentration auf das Thema Wasserstoff? Ist der Know-how-Transfer von den Forschungsinstituten zu den Unternehmen auch ausreichend gewährleistet? Wie steht es in diesem Bereich um internationale Kooperationen? 34 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2022 Im Fokus AeH2 ist international gut vernetzt und verfügt über internationale Abkommenmit Verbänden bzw. staatlichen Stellen in 13 Ländern. Existiert diese gute Zusammenarbeit imBereichWasserstoff auch auf staatlicher und unternehmerischer Ebene zwischen Deutschland und Spanien?Welche Bedeutung haben deutsche Unternehmen und ihre Investitionen hierzulande? Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Spanien ist hervorragend. Im letzten Jahr haben AeH2 und die AHK Spanien eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben, deren Gegen- stand die Zusammenarbeit auf staatlicher und unternehmeri- scher Ebene ist, um die Entwicklung von Wasserstofftechno- logien in beiden Ländern voranzutreiben. Beide sind aufgrund ihrer Stärken und ihres Bedarfs ideal dafür geeignet, Synergien im Wasserstoffsektor zu schaffen und zu festigen. Aus diesem Grund müssen Beziehungen zwischen Handelsbüros, Verbän- den und anderen Institutionen hergestellt werden, die zwischen den beiden Ländern als Brücke fungieren. Deutschland weist in Bezug auf Finanzen und Infrastruktur eini- ge Stärken auf. Als herausragende Wirtschafts- und Verhand- lungsmacht verfügt es über hochentwickelte und vollständige Infrastrukturen und Technologien, große Verhandlungsmacht bei den Zulieferern sowie etablierte Firmen, in denen produ- ziert und der Sektor vorangebracht werden kann. w Ein entscheidender Aspekt für die Durchsetzung von Wasserstoff als alternative Energiequelle ist der Aufbau des notwendigen Humankapitals. Es wird zwar von einem enormen Beschäftigungspotenzial sowohl in Deutschland als auch in Spanien gesprochen, Experten sehen aber einen akuten Fachkräftemangel. Welche Maßnahmen halten Sie in diesemBereich für sinnvoll? Es ist sehr wichtig, Zeit, Kenntnisse und Mittel in Ausbildung zu investieren. Es stimmt, dass es in beiden Ländern ein enormes Beschäftigungspotenzial gibt, da sich der Sektor in einem stän- digen Wachstum befindet. Damit dieser Bedarf gedeckt werden kann, ist es unabdingbar, in Ausbildung zu investieren und eine ganze Generation zukünftiger Fachkräfte hervorzubringen. Dafür muss die Energieerziehung schon von einem frühen Alter an beginnen, um so ein soziales Gewissen zu schaffen – dieses ist notwendig, damit die Menschen erkennen, wie groß der Nutzen ist, den unsere Gesellschaften in der Zukunft aus Wasserstoff- technologien ziehen können. Wir glauben, dass man mithilfe von Investitionen, Bewusstseinsbildung und Ausbildung viel bessere Fortschritte im Hinblick auf Beschäftigung machen könnte. Um eine Bildung zu fördern, an deren Ende die Ausbildung qua- lifizierter Fachkräfte steht, bedarf es einer Strategie und einer Vernetzung aller beteiligten Akteure: Regierung, Universitäten und Ausbildungszentren sowie Unternehmen. An dieser Zahl lässt sich gut das Wachstum ablesen, das Wasserstofftechnologien in den letzten Jahren erlebt haben. In den Universitäten konzentriert sich das Wissen, und es ist sehr wichtig, dass gerade dort besonders viel geschrieben und debattiert wird und dass man mehr Kenntnisse über diesen Energieträger gewinnt. Die Universität ist klar ein Ort, wo diejenigen Themen, die für die Gesellschaft von größtem Interesse sind und die eine stärkere Entwicklung und mehr Tiefgang erfordern, behandelt werden. Deshalb glauben wir, dass diese Zahl im Lauf der Zeit noch steigen wird – und nicht nur das: Die akademische Lehre muss auch ein Brennpunkt für den Transfer von Informationen in den Forschungs- und Entwicklungsbereich hinein sein. Es ist wichtig, dass die Kenntnisse und Publikationen, die Lehrgegenstand an denUniversitäten sind, auch die Unternehmen erreichen, um so nachhaltige Praktiken zu fördern. Wir glauben allerdings, dass dies etwas ist, das ganz von allein geschehen wird, weil Umweltschutz eine so wichtige Rolle spielt. Diese Publikationen sind fundiert und können sich daher immer mehr im unternehmerischen Wissen sowie imHandeln der Firmen durchsetzen. Internationale Beziehungen sind von Zusammenarbeit gekennzeichnet, und da gibt es keinen Unterschied, was Bildung, Ausbildung und Wissenstransfer angeht. In dieser Zeit, in der das Wissen immer globaler wird, ist dies möglicherweise sogar genau einer der Bereiche, in die wir die größte Mühe investieren. Das ist ein Privileg, denn wenn zum Beispiel in Deutschland etwas veröffentlicht wird, dann liegt innerhalb von Sekunden die Übersetzung bei uns in Spanien auf dem Tisch. Die Unternehmen arbeiten zusammen, damit das, was man an einemOrt erfährt, schnell und zielführend den anderen Ort erreicht. In diesem Sinne befinden wir uns gerade im historisch besten Moment, was den Zugang zu Informationen betrifft, und das müssen wir nutzen.
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