Zeitschrift / Revista Economiía Hispano-Alemana 2022-03
32 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2022 Herr Brey, Mitte Februar hatten Sie an der deutsch-spanischen Fachtagung über Grünen Wasserstoff der AHK Spanien teilgenommen und uns anschaulich die Situation der spanischen Wasserstoffbranche erläutert. Zehn Tage später wurde die Energieordnung Europas durch die russische Invasion der Ukraine auf den Kopf gestellt.Welche Konsequenzen könnte diese Neuordnung für die zukünftige Entwicklung desWasserstoffs als Energiequelle in Europa haben? Die russische Invasion der Ukraine hat wirt- schaftliche und geopolitische Auswirkungen, die die starke Energieabhängigkeit Europas aufzei- gen und die Sicherheit der Energieversorgung auf der politischen Agenda als Frage der nationa- len Sicherheit positioniert haben. Aufgrund dieser Tatsache wurden Vorhaben im Bereich der Entwicklung von Wasserstoff als Energieträger und der Produktion und Verwaltung anderer erneuerbarer Energien beschleunigt, und die Ziele wurden aktualisiert, um weniger energieabhängig zu werden. Es wurden auch diverse Initiativen in Gang gebracht, um so bald wie möglich Gas aus Russland durch erneuerbaren Wasserstoff zu ersetzen, darunter zum Beispiel das Projekt Hydrogen Accelerator, das Teil des RePowerEU- Programms ist. Damit Wasserstoff sich etablieren kann und die europäischenZieleerreichtwerden, istesallerdings notwendig, im Hinblick auf die Gesetzgebung, Bestimmungen, Vorschriften und Regulierungen gemeinsam und koordiniert zu handeln. Im Fokus Auf der bereits angesprochenen Tagung erläuterten Sie, dass zum heutigen Tag noch 100% des in Spanien von der Industrie genutzten Wasserstoffs aus nicht erneuerbaren Quellen stammt. Dies verwundert, da Spanien über eine stetig steigende Kapazität an erneuerbarer Energie verfügt, die vor allem im Frühjahr und Herbst Überschüsse produziert, und die sich somit für die Herstellung von „grünem“ Wasserstoff hervorragend eignen würde. Es ist des Weiteren vor allem dieser grüne Wasserstoff, der das Interesse Europas und speziell Deutschlands weckt. Wie sieht die Roadmap für die Herstellung von relevanten Mengen an grünemWasserstoff in Spanien aus und mit welcher Entwicklung bei Kapazitäten und Preisen rechnen Sie? Der Wandel bei der Nutzung von Energiequellen vollzieht sich nicht von heute auf morgen. Daher wurden auch die Ziele für 2030 und 2050 gesetzt. Erst dann, im Jahr 2050, wird sich Spanien zu den 15 Ländern zählen können, die weltweit den meisten und billigsten grünen Wasserstoff herstellen (1 € /kg). Der Wasserstoff-Wegweiser, den die spanische Regierung 2020 verabschiedet hat, umfasst 60 Maßnahmen und legt diverse Ziele fest, die der europäischen Wasserstoffstrategie bis 2030 entsprechen. Die wichtigsten Ziele sind: die Garantie, dass bis 2030 25% des Wasserstoffverbrauchs in der Industrie aus erneuerbaren Quellen stammt; dass es mindestens 150 Busse, 5.000 leichte und schwere Nutzfahrzeuge sowie zwei kommerzielle Zugverbindungen gibt, die von grünem Wasserstoff ange- trieben werden; sowie eine Leistung von 4GW in Elektrolyseanlagen. Wenn diese drei Ziele bis 2030 erreicht werden, würde das bedeuten, dass Treibhausgase um 4,6 Millionen Tonnen CO2 reduziert werden. Damit sich der Sektor im Einklang mit den vereinbarten Zielen entwickelt, sind die Maßnahmen des Wegweisers in verschie- dene Bereiche eingeteilt: den regulativen, sektorbezogenen, übergreifenden und fördernden. Der erste Bereich beinhaltet Maßnahmen, anhand derer die Vorschriften definiert werden; im zweiten geht es um die Festlegung von Strategien, die dem Sektor die Richtung weisen; im dritten werden Aktionen geplant, um in der gesamten Gesellschaft das Wissen um das Poten- zial grünen Wasserstoffs zu erweitern; und der vierte Bereich umfasst Maßnahmen, die die Forschung in derartigen Technolo- gien fördern. Eine korrekte Umsetzung all dieser Maßnahmen führt zu einer Beschleunigung in der Herstellung und Nutzung von grünem Wasserstoff in Spanien.
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