Zeitschrift / Revista Economiía Hispano-Alemana 2022-03
22 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2022 Beginndes JahrhundertsvonasiatischenLändernausging,mündete direkt in „eine außerordentliche und gefährliche Abhängigkeit der europäischen PV-Industrie von Ländern wie China, wo zum Beispiel die Abhängigkeit unserer Industrie von der Versorgung mit Betriebsmitteln inzwischen so groß ist, dass jederlei Unterbrechung dramatische Folgen hätte“, erklärt ErnestoMacías, Geschäftsführer von Solarwatt in Spanien und ergänzt: „Diese Situation muss sich dringend ändern, da sie die Installationspläne der Europäischen Union sonst aufs Schwerste durchkreuzen könnte.“ Ähnlich bewertete die Lage auch Ž ygimantas Vai č i ū nas, Policy Director des European Solar Manufacturing Council (ESMC), am 21. September bei der von der AHK Spanien organisierten Debatte „Powering Up the European Solar Industry: Die Herausforderung der Energiesouveränität”. Er warnte: „Trotz des Green Deal, der Zunahme an PV-Anlagen, der Energiepreissteigerung, der geopolitischen Herausforderungen und des Strebens der EU nach Energieunabhängigkeit ist unsere Produktionskapazität in der Photovoltaik immer noch sehr gering. Wenn nicht geeignete Maßnahmen getroffen werden, um die PV-Industrie in der EU wieder aufzubauen, könnte das derzeitige PV-Handelsdefizit von 7,9MilliardenEuroauf 15bis 20MilliardenEuropro Jahr ansteigen“. Mit ebendiesem Ziel vor Augen, die europäische PV-Industrie zu beflügeln–vonderErschließungvonRohstoffenüberdieProduktion bishinzumRecycling–riefdieAHKSpanien imvergangenenFebruar die German-Spanish Solar Initiative (GSSI) ins Leben, eine Initiative mit der Absicht, Synergien zu schaffen und dadurch die aktuelle Chance zu nutzen, im Zuge der Energiewende zur Autonomie und Sicherheit Europas beizutragen und strategische Abhängigkeiten von Ländern wie Russland oder China zu minimieren. Das Projekt wird von VDMA Photovoltaic Equipment mitgeleitet und von einer Reihe deutsch-spanischer Unternehmen unterstützt und steht weiteren Unternehmen offen, die sich noch anschließen möchten. DieselbenZieleverfolgtauchdasumfassende,vonderEuropäischen Kommission am 18. Mai verabschiedete Maßnahmenpaket mit Namen REPower EU, in dem das Hauptziel im Bereich der erneuerbaren Energien für 2030 von 40 auf 45% erhöht wurde und das bis 2027 Investitionen in Höhe von 210 Milliarden Euro in erneuerbare Energien undWasserstoff vorsieht. Im Rahmen dieses Wegweisers stellte die Gemeinschaftsexekutive auch die Solarstrategie der EU vor, die anstrebt, die Kapazität der Solaranlagen bis 2025 zu verdoppeln und bis 2030 eine Leistung von 600 GW zu erreichen. Von den aktuellen 165 GW ausgehend sieht der von Brüssel vorgelegte Plan vor, dass im Lauf des Jahrzehnts jedes Jahr im Durchschnitt 45 GW neu installiert werden sollen. Man schätzt, dass diese vorsorgliche zusätzliche Kapazität bis 2027 den jährlichen Gasverbrauch um9Milliardenm 3 senkenwird. Gleichwohl sieht der Plan vor, dass PV-Systeme ab 2026 obligatorisch auf den Dächern aller kommerziellen und öffentlichen Gebäude und ab 2029 auch auf neuen Wohngebäuden installiert werden müssen. Um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovation in der Industrie langfristig zu sichern, rief der European Solar Manufacturing Council (ESMC) in Zusammenarbeit mit den Partnern der Europäischen Solarinitiative am 20. Mai ein wichtiges Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse (IPCEI) für Photovoltaik ins Leben, an dem sich bereits sechs Mitgliedsstaaten aktiv beteiligen, darunter Spanien. Damit die EU ihr Ziel für Energiesicherheit einhalten kann, muss die europäische PV-Industrie Informationen von SolarPower Europe zufolge bis 2030 mehr als eine Million Arbeitskräfte einstellen, imVergleich zu2021 (466.000) alsomehr als doppelt so viele. Damit sind im Hinblick auf die Ausbildung des notwendigen Humankapitals große Herausforderungen verbunden. Spanien, das neue Paradies des grünenWasserstoffs Neben den umfassenden Hilfen für die PV-Industrie beinhaltet der REPower EU-Plan auch substanzielle Unterstützung für die Entwicklung von Wasserstofftechnologien mithilfe von Initiativen wie dem Hydrogen Accelerator. Auf diese Weise erhöht REPower EU in erheblichem Umfang die im Green Deal gesetzten Ziele der EU: Zu den ursprünglich vorgesehenen 5,6 Millionen Tonnen erneuerbarem Wasserstoff pro Jahr bis 2030 kommen weitere 14,4 Millionen Tonnen pro Jahr hinzu. Insgesamt liegt das Ziel der gemeinschaftlichen Initiative bis 2030 bei 10 Millionen Tonnen erneuerbarem Wasserstoff pro Jahr aus nationaler Produktion und weiteren 10 Millionen Tonnen aus Drittländern. Letztere sollen über drei wichtige Korridore transportiert werden: das Mittelmeer, die Nordsee und, sobald es die Umstände erlauben, die Ukraine. Damit diese neuen Ziele in der Wasserstoffproduktion erreicht werden können, verpflichtet der Brüsseler Plan dazu, die ersten IPCEI für Wasserstoff abzuschließen. Das erste wurde im Juli gebilligt und umfasst unter dem Namen Hy2Tech 41 Projekte von 35 europäischen Unternehmen, darunter die spanischen Firmen Foto: BayWa r.e.
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