Economía Hispano-Alemana 2021-01

18 economía HISPANO - ALEMANA Nº 1/2021 steht.“ Der Experte ist der Ansicht, dass die größte Gefahr aktuell vom Nichtstun ausgeht: „Die Pandemie hat uns die Fehler des bisherigen Systems aufgezeigt und bewiesen, dass dieses nicht tragfähig ist, und wenn uns der Wiederaufbau an den gleichen Punkt zurückbringt, bedeutet das, dasswir nichts daraus gelernt haben. Die Chance besteht imWandel Trotz des Zusammenbruchs vieler Unternehmen – 101.086, das entspricht Zahlen der spanischen Sozialversicherung zufolge 6,8% derer, die es vor dem Coronavirus gab – und des angespannten Zu- stands, in dem sich etliche weitere befinden, hatte die Pandemie in vielen Firmen eine Beschleunigung struktureller Veränderungen und Digitalisierungsinitiativen zur Folge, die seit Jahren immer wie- der aufgeschoben worden waren, sodass nun neue Geschäftsmo- delle und Arbeitsweisen auf technologischer Basis entstehen. Das geht aus dem Bericht Global Business Compass der Unternehmensberatung Kantar hervor, nach dem 25% der Arbeitnehmer bestätigen, die Krise habe in ihrer Firma positive Auswirkungen gehabt, vor allem, was geschäftlicheVeränderungen unddie Einführungdes E-Commerce angeht. „DieGesundheitskrise hat eine Beschleunigung bereits bestehender Tendenzen mit sich gebracht, besonders im Hinblick auf Digitalisierung (Homeoffice, Ferndiagnose, Fernhilfe) und E-Commerce. In Krisenzeiten finden sich die Riesen der Zukunft damit ab, und diejenigen Firmen, die in solchen Momenten in Technologie zu investieren wissen, überstehen die Krise stärker und mit besseren Waffen, um auch zukünftige Chancen besser zu nutzen“, bekräftigt Verónica Pascual, CEO von ASTI Mobile Robotics (weitere Informationen auf Seite 23). Laut Informationen der Unternehmensberatung Nielsen wuchs die Zahl der spanischen Haushalte, die online einkaufen, während des Lockdowns im März und April 2020 von 450.000 auf knapp 1,1 Millionen. Diesen Aufwärtstrend bestätigt die Studie E-Commerce 2020 von IAB Spain, aus der auch hervorgeht, dass infolge der Pandemie die Kategorien Lebensmittel, Haushalt, Technologie/ Kommunikation undUnterhaltung/Kultur amgefragtestenwaren. Angesichts dieser neuen Realität haben die wichtigsten Anbieter ihr Angebot angepasst: Beispiele sind der Launch von Amazon Fresh, dem neuen Online-Supermarkt des multinationalen Konzerns aus den USA, oder die Einrichtung einer neuen Logistikfiliale bei El Corte Inglés, mit der das Kaufhaus seinen Versandhandel anheben will. Auch die deutsche Firma Zalando setzt verstärkt auf den spanischen Markt und eröffnet demnächst ein neues logistisches Warenlager in Illescas (Toledo), welches von DHL gemanagt wird, wodurch sich die Lieferzeiten verringern und die Firma imVergleich mit nationalen Unternehmen wettbewerbsfähiger ist. Vom Ziel getrieben, seinen E-Commerce zu steigern und einen immer häufiger von zuHause aus einkaufendenVerbraucher zu bedienen, stellte auchMediaMarkt vor Kurzem seinen Personal-Shopper-Service vor, der es möglich macht, den Kunden per Videocall oder Telefonanruf persönlich zu beraten. Geht das Cocooning seinem Ende zu? Die Tourismusbranche, seit den 60er-Jahren Flaggschiff für das wirtschaftlicheWachstumSpaniens,war2020einederamstärksten von der Pandemie gebeutelten: Die Zahl der ausländischen Besucher sank um 77% auf knapp 18,96 Millionen gegenüber den 83,5 Millionen des Vorjahres. Bei Lufthansa kennt man diese Situation aus erster Hand: Zu Beginn des Lockdowns reduzierte die Fluggesellschaft ihre Aktivität auf ein Minimum und musste Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor dem Virus ebenso zügig einführen wie kostenlose Buchungsänderungen. Im Hinblick auf den Sommer 2021 setzt die Fluggesellschaft auf eine Erweiterung ihres Angebots von spanischen Flughäfen aus zu touristischen Zielortenwie Kroatien, Zypern, Griechenland oder Norwegen, sowie auf einen Ausbau der Flugverbindungen zwischen deutschen und spanischen Städten. „Unsere Analysen lassen erkennen, dass sich die Nachfrage nach touristischen Reisen schneller erholt als nach Geschäftsreisen. Aus diesem Grund erweitern wir unser touristisches Angebot als Teil unserer Strategie“, erklärt Julia Hillenbrand, Geschäftsführerin der Lufthansa Group in Spanien. Das eng mit der Tourismusbranche verbundene Hotel- und Gaststättengewerbe schaut zu Beginn des neuen Jahres auch mit bangem Blick auf die Entwicklung der Ausgangsbeschränkungen und hofft darauf, dass die Impfkampagne schnell Erfolg zeigt. Peter Gries, Geschäftsführer von Makro España, ist sicher, dass sich „die Branche viel schneller erholen wird, als wir glauben.“ Bei einem von AECOC organisierten Forum im Januar stellte er fest: „Es gibt viele Leute, die ihren Betrieb wiederbeleben wollen und ihre Restaurants wieder öffnen werden, sobald sich die Situation normalisiert hat. Aus China hören wir, dass der Erholungsprozess überraschend positiv verläuft: Quelle: INE 3,7 4,1 3,6 -3,8 -11 -0,8 -1,4 -3 0,9 0,2 1,4 3,8 3 3 2,4 2 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Entwicklung des BIP in Spanien in den letzten 15 Jahren Veränderung des BIP gegenüber dem Vorjahr (%)

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