Economía Hispano-Alemana 2021-01
17 economía HISPANO - ALEMANA Nº 1/2021 hatten sie 2020 hinter sich gelassen – das Jahr, das jegliche zu Jahresbeginn getroffene Voraussage in ihr Gegenteil verkehrte –, drückten Unternehmen zu Beginn des Jahres 2021 den Neustart-Knopf. Der „Überlebensmodus“, in dem sich viele Firmen seit Beginn der Covid-19-Krise befanden, macht nun in vielen Unternehmen wichtigen Veränderungen Platz, die sich in den vergangenen Monaten beschleunigt haben: Sowohl Geschäftsmodelle als auch Arbeitsweisen verändern sich, wobei Digitalisierung undNachhaltigkeit die Hauptrolle spielen. Spanien schloss 2020 mit einem Rückgang des BIP um 11% ab, demgrößtenVerlust seit 1936, als dieWirtschaft imersten Jahr des Bürgerkriegs um 26% einbrach. Unter den OECD-Ländern hat die spanische Wirtschaft – neben der britischen – am stärksten unter den Folgen des Lockdowns, der zur Eindämmung der Pandemie verhängt wurde, gelitten. Das hängt in Spanien in erster Linie damit zusammen, dass das Wirtschaftsgefüge sehr stark vom Dienstleistungssektor abhängt und sich vor allem aus kleinen Unternehmen zusammensetzt, die 98%aller Firmen ausmachen. Trotz dieses makroökonomischen Szenarios und fast entgegen aller Prognosen konnte das spanische BIP im letzten Quartal wieder ein Wachstum von 0,4% verzeichnen. Gemeinsammit der lang ersehnten Ankunft eines Impfstoffes hat diese Information dazu beigetragen, dass in verschiedenen Branchen trotz der UnsicherheitwiederHoffnungaufblüht.DieWachstumsprognosen für die nationale Wirtschaft 2021 schwanken: Während der IMF ein Wachstum von 5,9% voraussieht, erwartet die spanische Regierung eine Wachstumsspanne zwischen 7,2% und 9,8%, die sowohl von der Entwicklung der Pandemie abhängt als auch davon, wie schnell die Menschen geimpft werden können und inwiefern die Wiederaufbaufonds aus Brüssel in Anspruch genommen und angemessen ausgeführt werden können. Das Programm Next Generation EU umfasst einen Gesamtbetrag von 750 Milliarden Euro für die nächsten sechs Jahre, von denen 140 Milliarden in Form von Überweisungen und Krediten an Spanien gehen sollen, womit das Land als Empfänger von EU-Fonds an zweiter Stelle hinter Italien liegt. Im Zwei-Jahres- Zeitraum von 2021 bis 2023 kann Spanien demnach auf ÜberweisungenausdemNext-Generation-ProgramminHöhevon 71,604Milliarden Euro zugreifen, von denenmehr als zwei Drittel für ökologischen Wandel und Digitalisierung eingesetzt werden sollen. Dazu werden zwei wichtige Investitionsinstrumente genutzt: die Aufbau- und Resilienzfazilität und REACT-EU. Nachhaltigkeit und Digitalisierung geben die Richtung vor, was den Wiederaufbauplanangeht,deralseinzigartigeGelegenheitgesehen wird, das spanische Unternehmensgefüge zu modernisieren und einen Plan für Reindustrialisierung zu entwickeln, wodurch der Anteil der Industrie am BIP – welcher nur knapp 14% anstelle der vonderEUfürdieses Jahr alsZiel festgelegten20%beträgt –erhöht werden soll. Aufgrund der Pandemie wird nun wieder über die Notwendigkeit eines „Neustarts“ der stark im Dienstleistungssektor verankerten spanischen Wirtschaft diskutiert, indem sie durch eine moderne, von den wirtschaftlichen Schwankungen unabhängige Industriegestütztwird.AuchsolldieGrößedereinzelnenUnternehmen gesteigertwerden,bissiedienotwendigeStärkeerreichen,umaufdem internationalen Markt wettbewerbsfähig zu sein. Dieses Ziel erfordert öffentlich-privatePartnerschaftenwiedenkürzlichgeschaffenen„Fonds zur Unterstützung von Investitionen inproduktive Industrie“ sowiedas „Impulsprogramm für Projekte zur industriellenWettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit“, die mithilfe sogenannter PERTEs (spanische Abkürzung für „Strategische Projekte zur wirtschaftlichen Erholung undTransformation“) verwirklichtwerdenkönnen. Zu dieser wichtigen öffentlichen Leistung kommen bedeutende Investi- tionsvorhaben, die diverse Unternehmen angekündigt haben: Iberdrola zum Beispiel wird seine Investitionen in erneuerbare Energien, Digi- talisierung und Mobilität bis 2025 mit dem historischen Betrag von 75 MilliardenEurobeschleunigen, währendSEAT fünfMilliardenEuro indie ForschungundEntwicklungneuerFahrzeugeundindieRenovierungsei- nerWerkeinMartorell,BarceloaundElPratdeLlobregat investierenwird. GreenRecovery: DieWirtschaft erholt sichgrünoder gar nicht Sowohl imöffentlichen als auch imprivaten Sektor setzt man auf die Umsetzung einer Green Recovery – also eines „grünen“ Wiederauf- baus – als Grundlage von Programmen für die Wiederbelebung der Wirtschaft. Dies steht imEinklangmit den Klimazielen und der strate- gischenRoadmap des EuropeanGreenDeal , der denÜbergang zu ei- ner grünerenWirtschaft in den Mittelpunkt des politischen Handelns stellt, umdie EU bis 2050 klimaneutral zumachen. Dieser innovative Ansatz würde einem Bericht der University of Oxford zufolge mehr Arbeitsplätze schaffen, kurzfristig zu höheren Renditen führen und langfristig einen stärkerenMultiplikatoreffekt nach sich ziehen. „Um die Wirtschaft schnell und nachhaltig wiederzubeleben, ist es absolut notwendig, diejenigen Sektoren zu identifizieren, die das größte Potenzial haben, als Motor für die Erholung zu fungieren. Auf jeden internenArbeitsplatz, der inder Energiebranchegeschaffenwird, kommen12weitere inBereichenwieBau,HerstellungvonAusrüstung, Ingenieurs- und Installationsdienstleistungen oder Werkzeugmaschi- nen“, erklärt IgnacioGalán, Präsident von Iberdrola. ImRahmendieser Hinwendung zu erneuerbaren Energien kündigte die Firma im Januar denBauder größtenPhotovoltaikanlageEuropas inCáceresan, diedie FabrikenvonDanonemiterneuerbaremSolarstromversorgenwirdund sichdamit zuEuropasgrößtergrünerWasserstoffanlagefür industrielle Nutzung gesellt, die Iberdrola gemeinsammit Fertiberia in Puertollano (CiudadReal) inBetriebnehmenwird. Nach Meinung von Enrique Dans, Dozent für Innovation und Technologie an der IE Business School, „müssen wir den Neustart, zu dem uns die Pandemie gezwungen hat, als Chance betrachten, dass sich unsere Städte verändern, dass wir unsereWirtschaft auf der GrundlagevonsauberenEnergiequellenneuorganisierenunddassbei den Rettungsplänen, die wir umsetzen, Nachhaltigkeit imMittelpunkt Foto: Iberdrola Kaum
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