Revista Economía Hispano-Alemana 03-2020

75 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2020 Rückgang bei gering bezahlten prekären Stellen Unter dem Eindruck der Coronakrise meldete das portugiesische StatistikamteinensprunghaftenAnstiegderArbeitskosten.Gegenüber demVorjahreszeitraumstiegendieseum13,5Prozent.DerHauptgrund war eine um 12,2 Prozent gefallene Anzahl der gearbeiteten Stunden. Dieser Trend zog sich durch alle untersuchten Wirtschaftszweige. Neben der Kurzarbeit beeinflussten auch Verringerungen und BefreiungenvonSozialbeiträgenfürdieUnternehmendieEntwicklung. DiedurchschnittlichenKostenproArbeitnehmergingenum0,7Prozent zurück. Der Wirtschaftszeitung Jornal de Negocios zufolge verstärkte auch der Wegfall gering bezahlter prekärer Stellen den statistischen Effekt derVerteuerungder Arbeit. Von 2016 bis 2018 nahmen die Bruttomonatslöhne nominal jedes Jahr deutlicher zu. Dieser Trend endete 2019 mit einer Verände- rung um nur noch 0,3 Prozent. Der Mindestlohn beträgt 2020 ausgehend von den vorgeschrie- benen 14 Monatszahlungen 635 Euro. Auf 12 Monatszahlungen umgerechnet entspricht das knapp 741 Euro. Besonders verbrei- tet ist der Mindestlohn im Hotel- und Gaststättengewerbe. Die Festlegung erfolgt jährlich durch die Regierung, zuletzt mittels des Gesetzesdekrets 167/2019. Die portugiesische Statistik unterscheidet zwei verschiedene Brutto- durchschnittsverdienste: den monatlichen Grunddurchschnitts- verdienst (Remuneracao de base média mensal, RBMM) und den monatlichen Durchschnittsverdienst (Ganho médio mensal, GMM), der auch Überstunden und andere Variablen einschließt wie Essens- oder Transportkostenzuschüsse. Die Monatszahlun- gen erfolgen vierzehnmal im Jahr. Die beiden Zusatzgehälter wer- den in der Regel im Juli/August (Urlaubsgeld) sowie im Dezember (Weihnachtsgeld) mit ausgezahlt. Über Gehaltsanpassungen wird in vielen Unternehmen zwischen Januar und März entschieden. Die Hauptstadt Lissabon bildet den Ausreißer nach oben in der Regionalstatistik. Ansonsten sind die Abweichungen vom Durch- schnitt relativ gering. Zudemmacht dieHerkunft desUnternehmens einen Unterschied. Die durchschnittliche monatliche Entlohnung pro Arbeitnehmer ist nach Informationen von INE in den Filialen ausländischer Unternehmen um mehr als 40 Prozent höher als in Stagnierende Teilzeitarbeit und weniger Befristungen Teilzeitarbeit betrifft in Portugal vor allem junge Beschäftigte. Eurostat zufolge arbeiteten 2019 unverändert 8,1 Prozent der 15 bis 64 Jahre alten Portugiesen in Teilzeit. In der Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren waren 20,8 Prozent in Teilzeit beschäftigt, das entsprach 1,1 Prozentpunkten mehr als 2018. Der Anteil befristeter Stellen ging 2019 zurück. Mit 17,9 Prozent lag er um1,1 Punkte unter demVorjahreswert. Bei den Berufseinsteigern betrafen Befristungen hingegen 59,5 Prozent der Arbeitsverträge. TrotzeinesRückgangsum1,6Prozentpunktegegenüber2018bleiben Befristungenbei 15- bis 24-Jährigeneher dieRegel als dieAusnahme. Mehr Unternehmen wollen Stellen abbauen als neue schaffen Der Ausblick des Personaldienstleisters ManpowerGroup für das 3.Quartal 2020zeigt einEndedesTrends zumehrNeueinstellungen alsReduzierungenvonPersonal.SeitmindestensvierJahrenstellten mehr Unternehmen in Portugal neue Mitarbeiter ein, als dass sie Stellen abbauten. Nun kehrt sich der Trend mit zehn Prozent auf Ausbaukurs und 19 Prozent mit Reduzierungsabsichten um. Im Großraum Lissabon ist am häufigsten ein Abbau von Arbeitsplätzen zu erwarten. Die meisten Regionen des Landes bewegen sich nahe des Durchschnitts. Im Süden geht der Trend per Saldo am stärksten in Richtung Beschäftigungsaufbau. Die Gastronomie und Hotellerie sowie der Finanzsektor weisen die stärkste Tendenz zur Reduzierung ihrer Mitarbeiterzahl auf. Bei sonstigen Aktivitäten in der Produktion und auch bei Dienst- leistungen ist das Verhältnis zwischen dem Auf- und Abbau von Beschäftigung hingegen fast ausgeglichen. Mit Blick auf die Größe zeigen kleine und große Unternehmen per Saldo die geringsten Veränderungen. Der Beschäftigungsabbau ist unter dem Strich bei Kleinstunternehmen und vor allemMittel- ständlern am häufigsten anzutreffen. Bestimmte Fachkräfte sind schwer zu finden UnternehmenstoßenbeiderSuchenachgeeignetenFachkräftenoft auf Schwierigkeiten. Häufig müssen weniger passende Mitarbeiter gewählt oder interne Umbesetzungen vorgenommen werden. Am schwierigstenzubesetzensindderUmfragezufolgekaufmännische Profile, IT-Spezialisten und Ingenieure. Im Jahresdurchschnitt 2018 lag die Quote der Vakanzen in Portugal an der Gesamtzahl der besetzten und offenen Arbeitsplätze bei 0,9 Prozent. Verglichen mit dem Durchschnitt der Europäischen Union (EU) von 2,2 Prozent lag Portugal amunteren Ende der Skala. Wegen des Fachkräftemangels unternehmen die Firmen zum Teil erhebliche Anstrengungen der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Das schlägt sich positiv imEngagement der Mitarbeiter nieder sowie in ihrer Loyalität, Leistungsbereitschaft und Produktivität. Entwicklung der durchschnittlichen Bruttomonatslöhne 1) 2016 2017 2018 2019 2) nominal (in Euro) 1.107,9 1.133,3 1.170,2 1.173,8 nominaleVeränderung gegenüber demVorjahr (in%) 1,0 2,3 3,3 0,3 Inflationsrate 0,6 1,6 1,2 0,3 realeVeränderung (in%) 3) 0,4 0,7 2,1 0,0 1) einschließlichZulagen,Überstunden,Zuschüsse(Ganhomédiomensal,GMM); 2) Prognoseauf Basisder Inflationsratevon2019(0,3Prozent); 3) nominaleVeränderungminus Inflationsrate Quelle: INE Portugal

RkJQdWJsaXNoZXIy NjIyODI=