Revista Economía Hispano-Alemana 03-2020

32 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2020 Durch die Verbindung von künstlicher Intelligenz und Big Data entstehen laufend neue Geschäftsmodelle. Können Sie uns eine Einschätzung über die Penetration von KI auf mittlere und längere Sicht in unserer Wirtschaft geben? In Spanien befindet sich die KI-Strategie gerade in der Entwicklung und ich hoffe, dass mittelfristig Sektoren, die die Penetration von KI in der spanischen Wirtschaft beschleunigen können, diese Initiative mit Aktionsplänen unterstützen. Dafür ist ein koordiniertes Handeln des öffentlichen und privaten Sektors erforderlich, um Handlungsweisen und Politik richtig zu gestalten. Ich glaube, dass sichdieser außergewöhnlicheMoment in eineGelegenheit verwandeln kann, die spanische Wirtschaft zu modernisieren, und ich hoffe, dass die Krisenpläne zur Wiederbelebung der Wirtschaft entsprechende Punkte im Abschnitt über Digitalisierung enthalten werden. Spanien hat bereits eine hervorragende Infrastruktur, und mit der erklärten Verpflichtung, bis 2025 Glasfaser zu 100% im ganzen Land zu verlegen, verfügt es über alle notwendigen Zutaten, um sich digital neu zu erfinden. Die Einführung von 5G wird zweifellos das wichtigste Sprungbrett sein, um die Effizienz neuer Technologien wie KI oder Big Data nutzen zu können. Bei Telefónica erfüllen wir unsere Verpflichtung: Wir haben angekündigt, dass bis Ende des Jahres 75% der spanischen Bevölkerung Anschluss ans 5G-Netz haben wird. Trotzdem glauben wir, dass diese Entwicklung eher ein Marathon als ein Sprint ist und dass die Führungsposition nicht daran gemessen werden sollte, welches Land 5G als erstes auf den Markt bringt, sondern daran, wem es gelingt, auf 5G basierende Dienstleistungen nachhaltig undmit wertschaffenden Angeboten einzuführen. IndenvergangenenMonatenhatsichgezeigt,dassdigitaleInfrastrukturenundDienstleistungenfürunsere Gesellschaft eine wesentliche Rolle spielen. Unser Leitmotiv muss daher jetzt lauten: „ Wiederaufbauen und es besser machen! “ Um dies zu erreichen, brauchen wir jetzt – mehr denn je – eine wirkungsvolle Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft, um einen Digitalpakt zu definieren, der die Richtlinien für eine digitale Gesellschaft und die 4. Industrielle Revolution vorgibt. Spanien und Deutschland spielen dabei eine fundamentale Rolle, denn Europa sollte mit seinen Werten diesen Übergang zu einer nachhaltigeren, gerechteren und inklusiveren Gesellschaft anführen. w besteht eines der größten Hindernisse in der Zersplitterung des Marktes. In Europa gibt es mehr als 100 Mobilfunkanbieter, wäh- rend es in den USA und China nur drei oder vier sind. Diese Frag- mentierung ist übertrieben, und die Richtlinien und Regulierungen sollten geändert werden, um mehr Investitionen in neue Infrastruk- turen anzuziehen und so mehr Raum für Innovation zu lassen. Auch der gesetzliche Rahmen muss angesichts der tiefgreifenden Veränderungen durch die Digitalisierung in den letzten Jahren drin- gend modernisiert werden, sodass ein fairer Wettbewerb gewähr- leistet ist, bei dem für alle vergleichbare Dienstleistungen dieselben Regeln gelten und die Verbraucher unabhängig davon, von welcher Firma sie ein Produkt oder eine Dienstleistung erhalten, denselben Schutz genießen. Die EU ist sich dieser Situation bewusst und unternimmt daher enorme Anstrengungen, um die digitale Souveränität Europas zu erreichen. Bei ihrer Rede zur Lage der Union erklärte Ursula von der Leyen vor kurzem, dass sich die Kommission zum strategischen Ziel gesetzt hat, den aktuellen Zeitraum in Europa zum Digitalen Jahrzehnt zu machen. Ich teile ihre Auffassung, wenn sie sagt, dass wir einen gemeinsamen Plan mit klar definierten Zielen für 2030 brauchen, darunter Konnektivität, digitale Kompetenzen und öffentlicheDienstleistungen unter demSiegel wesentlicher europäischer Prinzipienwie demSchutz der Privatsphäre, der Meinungsfreiheit, dem freienDatenfluss und der Cybersicherheit. Dennoch steht die EU noch vor großen Herausforderungen, denn sie kann sich nicht weiter auf ihre Regulierungsmacht verlassen, sondern muss sich aus eigener Kraft in eine technologische Supermacht verwandeln. Schiedsrichter gewinnen kein Spiel. Europa hat in der ersten technologischenWelle seine Führungsrolle verloren und muss nun die nächsteWelle nutzen, indem es sich stärker auf industrielle Fähigkeiten konzentriert, bei denen es Wettbewerbsvorteile hat, z.B. Edge Computing . Dafür ist es wichtig, dass nicht nur die europäischen Institutionen, sondern auch die Mitgliedsstaaten regionale Vereinbarungen von strategischer Bedeutung treffen, um Größenvorteile zu nutzen und wirtschaftliche Effizienz im technologischen Bereich zu erreichen, das betrifft z.B. den Ausbau von Breitband oder die Anwendung künstlicher Intelligenz. Deshalb müssen wir schnell handeln. im Fokus

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