Revista Economía Hispano-Alemana 03-2020
29 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2020 konzentriert. Risiken sind dabei in fünf Stufen eingeteilt, denen zufolge eine bestimmte Normdefiniert werden kann. Das Konzept sieht vor, dass ein bestimmter Schwellenwert festgelegt wird, über dem es spezielle Auflagen für erhöhtes Risiko gibt, während es diese unterhalb des Schwellenwerts nicht gibt. Das würde also bedeuten, dass man über Systeme, die fundamentale Personenrechte verletzen, Verbote oder regulierende Moratorien verhängen würde; auf Systeme mit hohem Risiko würde man Ex-Ante-Regelungen anwenden; für solche mit kontrollierbarem Risiko gäbe es regulatorische Sandboxes, für diejenigen mit geringem Risiko eine Aufsicht und für diejenigen mit sehr geringem Risiko einen Prinzipienleitfaden. Diese Klassifizierung sorgt für Regulierungssicherheit und wird vom Gesichtspunkt der Innovation,derwirtschaftlichenEntwicklungsowiedemSchutzderGrundrechteunddesRechtsstaatsheralsdieangemessenstebetrachtet. Der größte Stolperstein für die Normenentwicklung liegt darin, das jeweilige Schädigungspotenzial zu definieren und bestimmen. Der im Weißbuch enthaltene europäischeVorschlag zur KI, der gerade zur Diskussion steht, entwirft ein ähnlichesModell wie das deutsche, nur dass es darin keine mehrfache Abstufung gibt, sondern es wird ausschließlich zwischen Anwendungen mit erhöhtem Risiko einerseits und dem Rest andererseits unterschieden. Diese Einteilung in zwei Gruppen – alles oder nichts – ist zwar grundsätzlich leichter umzu- setzen, aber sie schafft mehr Unsicherheit, solange man keine Information darüber erhält, wie und wann man möglicherweise von der Niedrigrisikogruppe in die Hochrisikogruppe rutscht. Das deutsche Modell, das ich persönlich bevorzuge, vermeidet diesen Schwach- punkt, denn dass man plötzlich von Stufe 1 zu Stufe 5 wechselt, ist durch die Einteilung in fünf Risikostufen viel weniger wahrscheinlich, als dass man von Stufe 2 zu Stufe 5 wechselt und so weiter. Wie schätzen Sie mit Ihrer Kenntnis der spanischen Wirtschaftsstruktur die Adoptionsrate bei KI-bezogenen Technologien durch hiesige Unternehmen ein? Bedarf es gezielter Programme von Seiten der öffentlichen Hand? In Spanien repräsentieren große Firmen nur 1% der Unterneh- mensstruktur, das heißt, die übrigen 99% bestehen aus kleinen und mittelständischen Firmen, die 66% der Arbeitsplätze bereit- stellen. Man muss hervorheben, dass in dieser so heterogenen Gruppe von Unternehmen mehr als 90% Mikrofirmen und nur 2% kleine Betriebe (mit einer Arbeitnehmerschaft von 10 bis 15 Angestellten) sind. Diese Eigenschaft der spanischen Unterneh- mensstruktur stellt im Digitalisierungsprozess der Wirtschaft eine außerordentliche Herausforderung dar. Man schätzt, dass zwei Drittel aller spanischen Firmen den Digi- talisierungsprozessmitVerspätunghinter sichherschleppenund dass nur 20% ihrer Einnahmen aus digitalen Dienstleistungen und Produkten stammen. Eine Studie der Europäischen Kom- mission zeigte vor kurzem, dass mehr als die Hälfte aller spani- schenUnternehmenbisher keine künstliche Intelligenz nutzt und kurzfristig auch nicht vorhat, dies zu tun. Zu den Hauptgründen, warum diese Systeme nicht übernommen werden, gehören ein Mangel an technischem Know-how und die hohen Einführungs- kosten. Deshalb werden spezifische Programme benötigt, die die Geschäftstätigkeit dieser Firmen mithilfe von Inzentiven ausweiten können, um so die Adoption neuer Technologien zu beschleunigen. Man könnte zum Beispiel öffentliche Gelder bereitstellen, um sie bei diesen Prozessen zu unterstützen und die Weiterbildung ihrer Angestellten zu fördern. Zugleich sollten für Schlüsselbranchen wie Transport, Mobilität, Tourismus oder Landwirtschaft nationale Strategien und öffentliche Zuschüsse für die digitale Transformation definiert werden. Wir brauchen einen ethischen Ansatz, um sicherzustellen, dass KI basierte Systeme Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit respektieren
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