Revista Economía Hispano-Alemana 03-2020

28 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2020 sowie70%bei der Sprachübertragung. Covid-19hat uns gezeigt, dass digitale Infrastruktur undDienstleistungen inunserenVolkswirtschaften undGesellschaften unverzichtbar sind, und sie haben noch gravierendere Auswirkungen auf unsereWirtschaft und unser Leben abgefedert. Aus diesem Grund besteht die erste Aufgabe, die ich hier erwähnen will, in der unbedingten Notwendigkeit, moderne Breitband- Infrastrukturen aufzustellen und deren Hebelwirkung dazu zu nutzen, dass die frühere Wachstumsrate wiedererlangt wird, Arbeitsplätze erhalten bleiben und die Versorgung mit öffentlichen Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheit gewährleistet ist. Ohne eine leistungsstarke Kommunikationsinfrastruktur wird die Erholung in allen Bereichen deutlich langsamer und kostspieliger verlaufen. Deshalb sollten es dieVertreter inder Politik als absolutePriorität betrachten, Investitionen inultraschnelleGlasfasernetzeund5Gzuerhöhen. Diese Investitionsbemühungenmüssen außerdemvon anderen politischen und regulatorischenMaßnahmen begleitet werden. Umeine schnelle Ausbreitung des 5G-Netzes zu erreichen, bedarf es zum Beispiel einer Unterbindung von Regelungen, die eine Kostenüberschreitung bei Investitionen in Infrastrukturen nach sich ziehen, und es müssen Vereinbarungen zur gemeinsamen Nutzung gefördert werden, um Synergien und Effizienzgewinne zu erzeugen. Und was vielleicht am allerwichtigsten ist: Wir müssen für einen fairenWettbewerb sorgen – mit modernen gesetzlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen, die auf die digitaleWirtschaft abgestimmt sind. Gleichwohl dürfen wir in dieser außergewöhnlichen Situation die Auswirkungen der Krise auf die Ungleichheit nicht außer Acht lassen. Das ist wahrscheinlich nicht nur auf globaler Ebene, sondern auch innerhalb unserer jeweiligen Länder eine der größtenHerausforderun- gen. Es muss garantiert sein, dass die Mehrheit der Bevölkerung Zugang zu Technologie und zu den Möglichkeiten der neuen digitalen Welt hat. Dabei muss meiner Ansicht nach wiederum die Umwelt mit einbezogen werden, denn ich bin überzeugt, dass Digitalisierung die enorme Chance mit sich bringt, eine nachhaltigereWirtschaft zu gestalten. In diesem Zusammenhang hat Jose-Maria Alvarez-Pallete, der Präsident von Telefónica, Ideen für einen neuen Digitalpakt vorgestellt, der die sozialen, umweltbezogenen und wirtschaftlichen Aspekte miteinander kombiniert. Wir glauben, dass wir uns für eine nachhaltige Digitalisierung auf unsere europäischen Werte und die ethische Nutzung von Technologie stützen müssen. Man sagt ja, dass man eine tiefe Krisenieungenutzt verstreichen lassensollte. Ichdenke, dass wir gestärkt undmit einemnachhaltigerenWirtschaftsmodell aus dieser Krise hervorgehen können, wenn sich der öffentliche und private Sektor zusammenschließen und sich gemeinsam um den Aufbau einer besseren Gesellschaft und Wirtschaft bemühen. im Fokus Neben dem technischen Roll- out der Infrastruktur kommt Telekommunikationsunternehmen in der Größe von Telefónica auch eine wichtige Rolle bei der Förderung von disruptiver Technologie zu. Hierfür bedarf es einer Menge neuer rechtlicher Rahmenbedingungen, die sich nicht nur auf technologische, sondern auch durchaus auf ethische Bewertungen stützen. Wie bewerten Sie die Diskussion um neue Normen bzgl. künstlicher Intelligenz, und in welche Richtung entwickeln sich diese? Es stimmt, dass wir einen ethischen Blickwinkel brauchen, um zu garantieren, dass sich KI-Systeme an Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat halten. Aus meiner Sicht gibt es bereits einen gewissen internationalen Konsens, was einige der Prinzipien angeht, die als Grundlage der Normenentwicklung dienen werden. Alle könnenandieser Stellenicht genanntwerden, aber zudenbesonders relevantenzählt zunächst einmal das Prinzip der Gleichheit und Inklusion, demzufolge alle Personen gerecht behandelt werden und Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung ausgeschlossen wird. Dann das Prinzip der Transparenz und Erklärbarkeit, sodass KI-Systeme für alle Personen, mit denen sie interagieren, verständlich sind und nachvollziehbar ist, welche personenbezogenen Daten erhoben werden und wofür. Sie müssen auch zuverlässig und sicher sein und dadurch Vertrauen bei den Nutzern schaffen. Und selbstverständlich müssen sie die Privatsphäre und dieWürde des Menschen schützen. Die aktuelle Diskussion über neue Normen, die auf KI-Systeme anzuwenden sind, befindet sich aufgrund ihrer technischen Komplexität, der Dynamik ihrer Entwicklung und der durch sie erzeugten wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen noch in der anfänglichen Phase. Sehr interessant ist die Perspektive der deutschen Datenethikkommission, die sich auf das Risiko bzw. das Schädigungspotenzial

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