Revista CCA 3-2019 calidad media
26 economía HISPANO - ALEMANA Nº 3/2019 und Lateinamerika digitalisiert und dadurch nützliche Informa- tionen wie Messdaten, Wiederverwendungsraten, Abfallverwer- tung und Recycling etc. erhält. Diese Technologie trug dazu bei, dass 2018 knapp fünf Millionen Kommunikationsgeräte – allen voran Mobiltelefone, Router und Decoder – wiederverwertet wurden, also 43% mehr als im Jahr zuvor. Auf der anderen Seite helfen Technologien wie Blockchain dabei, eine der Säulen der Kreislaufwirtschaft Wirklichkeit werden zu lassen: Die absolute Rückverfolgbarkeit der Ressourcen und Transformationsprozesse eines Produkts (Energie, Arbeitskraft und Kapital) im Lauf seines gesamten Lebenszyklus. Diese dezentralisierte Technologie verleiht jedem Produkt eine rückverfolgbare und sichere digitale Identität; dadurch wird erreicht, dass die Produkte untereinander kommunizieren, um so ihre Nutzung und Verfügbarkeit zu optimieren. Die Information, die man durch neue Technologien erhält, ist von unschätzbarem Wert für Projekte wie Simbiosis Industrial, ein neues Modell für territoriale Zusammenarbeit, das das baskische Forschungs- und Entwicklungszentrum Tecnalia entwickelt hat. Dabei geht es darum, Netzwerke für den Austausch von Materialien,Neben- undAbfallproduktenunter Firmenzuschaffen. Der Boom der neuen Technologien hat auch den Weg eröffnet für den Übergang von einem auf Besitz gegründeten System hin zu einem neuen zirkulären Modell, das auf nutzungsabhän- giger Bezahlung und Plattformen für den Austausch von Dienst- leistungen basiert. Dieses Modell fördert die Verlängerung der Lebensspanne von Produkten und überträgt den Herstellern mehr Verantwortung für das Einsammeln, die Verarbeitung und die Wiederverwendung der Produkte. Anreize für denWandel Trotz der vielen Schritte, die sich bei der Einführung dieses neuen Modells bereits abzeichnen, gibt es etliche Stimmen, die spezielle Anreize und Maßnahmen zur Förderung des Wandels hin zu einer Kreislaufwirtschaft fordern, vor allem, was die Reduzierung des Konsums von nicht erneuerbarenMaterialien und Energien angeht. In ihrem Bericht Situation und Entwicklung der zirkulären Wirtschaft in Spanien verweist die Stiftung Cotec für Innovation auf die Notwendigkeit einer weitreichenden Steuerreform, die Maßnahmen umfasst, die die Gesellschaft an die Nachhaltigkeit heranführen, wie zum Beispiel die Reduzierung von an die Arbeit gebundenen Steuern sowie die Erhöhung von Steuern auf den Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen wie fossile Materialien und Brennstoffe. Nach Ansicht der Stiftung sollte bei der Steuerreform die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, „dass aus sekundären Rohstoffen hergestellte Güter, auf die bereits Mehrwertsteuer gezahlt wurde, von dieser Steuer befreit bleiben.“Damit soll der Gebrauch vonSekundärstoffen gefördert und eine Situation korrigiert werden, in der es oft weniger kostet, neue Materialen zu verwenden, als alte zu recyceln. „Wir müssen Bedingungen schaffen, unter denen es billiger ist, dieSachegutzumachen,alssieschlechtzumachen,zumBeispiel müssen wir Reparaturkosten senken und der programmierten Obsoleszenz Einhalt gebieten“, lautet die Schlussfolgerung der Stiftung für Kreislaufwirtschaft. Der Sprung zu diesem Modell bedeutet auch, dass sich die Mentalität der Gesellschaft grundlegend ändern muss; das erfordert, dass die Grundpfeiler der zirkulären Wirtschaft in die Lehrpläne der Schulen und Universitäten aufgenommen werden. Die neue Philosophie scheint bei den Bürgern immer mehr Anklang zu finden, was sich darin zeigt, dass sie bei den Unternehmen eine Verpflichtung gegenüber der Nachhaltigkeit einfordern. „Die Verbraucher fordern zu Recht, dass die Firmen mehr Verantwortung beim Aufbau einer abfallfreien Gesellschaft und einer wirklich zirkulären Wirtschaft übernehmen“, konstatiert Rolf Stangl, CEO von SIG Combibloc, und spricht zugleich eine Warnung aus: „Sofern wir nicht dasWirtschaftswachstum von der Umweltbelastung entkoppelnunduns vergewissern, dasswir eine stärkere Gesellschaft und ein stärkeres Ökosystem hinterlassen als das, das wir vorgefunden haben, werden die Unternehmen nicht die einzigen sein, die ums Überleben kämpfen.“ w
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NjIyODI=