Economia-Hispano-Alemana-02-2019
71 economía HISPANO - ALEMANA Nº 2/2019 Kommission. Hinzu kam 2017 eine mit der Unternehmenswelt ab- gestimmte Strategie Industrie 4.0 (www.industria4-0.cotec.pt/en/ industry-4-0-program/action-plan/). Sie ist bis 2020 mit 4,5 Milliar- den Euro dotiert, die zur Hälfte aus den Europäischen Struktur- und Investitionsfonds stammen. Monitoring und Aktualisierung obliegt der Unternehmensvereinigung COTEC Portugal. Mit Zielen bis 2030 wartet die 2017 verabschiedete Nationale Initia- tive Digitalkompetenzen INCoDe.2030 auf (http://www.incode2 030. gov.pt/ ). Dieses integrierte Programm öffentlicher Politik will digitale Bildung und Teilhabe so vorantreiben, dass Portugal neue Technolo- gien nicht nur einsetzt, sondern an ihrer Entwicklung teilnimmt. Strategie für künstliche Intelligenz Im Rahmen der Initiative Digitalkompetenzen hat Portugal im Februar 2019 den Entwurf einer Strategie für künstliche Intelligenz (KI) „AI Portugal 2030“ vorgestellt (www.incode2030.gov.pt/sites/ default/files/draft_ai_portugal_2030.pdf). Diese Innovations- und Wachstumsstrategie will KI in Portugal im europäischen Kontext fördern. Erarbeitet wurde der Plan von der Koordinierungsstelle der INCo.De.2030 in Zusammenarbeit mit der portugiesischen Wissenschafts-undTechnologiestiftungFCT,derInnovationsagentur und der Agentur für die Modernisierung der Verwaltung. Potenzial zur Förderung der KI in Portugal sieht der Entwurf der KI-Strategie unter anderem in Transport, Landwirtschaft, nachhal- tigen Energiesystemen, Cybersicherheit, Industrie, Blue Economy, Stadtentwicklung, Mobilität. Nicht zuletzt soll KI in der öffentlichen Verwaltung eine größere Rolle spielen. Anfang 2018 starteten vier Pilotprojekte zwischen Forschungseinrichtungen undBehörden. Sie betreffen die Bekämp- fung von Langzeitarbeitslosigkeit und Antibiotikamissbrauch, die Lebensmittelsicherheit und Chatbots für Unternehmer. Eine neue Ausschreibungsrunde des FCT führte zu 15 weiteren Projekten, darunter Derm.AI, eine Kooperation zwischen Fraunhofer Portugal Research und den Shared Services des Gesundheitsministeriums. Es fördert den Einsatz von KI beim teledermatologischen Screening. Auf KI setzt in einer neuen Phase auch das Programm MIT Por- tugal, eine Kooperation zwischen dem Massachusetts Institute of Technology und den portugiesischen Universitäten. Es will die For- schung zu KI bis 2030 mit 120 Millionen Euro finanzieren. E-Government Gute Fortschritte beim E-Government bescheinigte Portugals Re- gierung 2018 die Studie der Vereinten Nationen zu dem Thema (E-Government Survey 2018). Gegenüber 2016 hat sich das Land umneun Positionen auf Platz 29 in die Spitzengruppe der sehr hoch bewerteten Länder vorgearbeitet (insgesamt 193). Die Modernisie- rung der öffentlichen Dienste in Portugal wird als positives Beispiel eigens beleuchtet. Als Schwäche gilt Open Data, frei nutzbare offe- ne Datenbestände, bei denen das Land noch nicht so weit sei. Das Schlüsselwort, das Bürgern und Unternehmen das Le- ben mit den Behörden schrittweise erleichtert, lautet Simplex (www.simplex.gov.pt ). Es steht seit 2006 für Hunderte von Maßnahmen, die Verwaltungsprozesse vereinfachen, digitali- sieren, entbürokratisieren. Das aktuelle Programm Simplex+ 2018 reicht von Juni 2018 bis Mai 2019. Als Simplex-Super- maßnahme hat das Ministerium für die Präsidentschaft und Modernisierung der Verwaltung im Februar 2019 das elektro- nische öffentliche Service-Portal ePortugal (https://eportugal. gov.pt ) vorgestellt. Es bündelt das zerstreute E-Angebot der öf- fentlichen Hand in einem Portal für Bürger und Unternehmen. Die Durchsetzung der elektronischen Rechnung gilt als wichtiger Baustein der digitalen Transformation. Pilotpro- jekte haben 2018 die elektronische Rechnungsstellung bei öffentlichen Vergaben erprobt. Die Europawahlen im Mai 2019 nutzt Portugal, um im Kreis Evora die elektronische Stimmenabgabe (mit Präsenz des Wählers) zu testen. Eingespielt hat sich schon länger die Bürgerkarte (Cartão de Ci- dadão). Sie ist Personal-, Kranken-, Sozialversicherungs- und Steu- erzahlerausweis in einem und seit 2014 auch eine Smart Card, ein elektronisches Dokument, das viele Vorgänge online ermöglicht. Stärken/Schwächen Dank des extensiven Breitbandausbaus durch die Telekomfirmen ist Portugal bei der Konnektivität den meisten anderen EU-Län- dern voraus. Das belegt Rang 8 zu dem Thema im EU-Digitali- sierungindikator DESI 2018. Das Breitband-Internet erreicht alle Haushalte; beim schnellen und ultraschnellen Glasfaser-Hausan- schluss (FFTH) sind es 95% (EU-Durchschnitt: 58%). Es ist der ver- tragliche Bezug des festnetzbasierten und mobilen Breitbands, die Nutzung durch die Bevölkerung also, bei dem das Land noch zurückliegt, sich aber schrittweise verbessert. Auf Basis der Konnektivität können sich weitere Stärken Portugals entfalten: die Fähigkeit, Talente anzuziehen (Platz 17 imWorld Talent Ranking 2018), internationale Forschungskooperationen aufzubauen (Beispiel MIT, Fraunhofer), für internationale Investoren interessant zu sein. Der multinationaleTelekomkonzern Altice ist als Besitzer von Portugal Telekom ein wichtiger Innovationstreiber. Um die Entwick- lung von 5G-Diensten in Portugal voranzutreiben, hat Altice Portugal Ende 2018 eine strategische Partnerschaft mit Huawei unterzeichnet. Die dynamische portugiesische Gründerszene kann mit der E-Com- merce-Plattform für Luxuswaren Farfetch und der Plattform für Ap- plikationsentwicklung Outsystems erste Unicorns aufweisen. Nicht zu unterschätzen als Katalysator für die aktuell ausgepräg- te Dynamik bei technologischen Start-ups und internationalen Investitionen in Softwareentwicklungszentren, Digital- und Da- ta-Hubs in Portugal ist der Web Summit. Europas größter Treff- punkt der Technologiegründerszene findet seit 2016 in Lissabon
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